Jöran Muuß-Merholz

Was hat Starbucks der Schule voraus?

Jöran Muuß-Merholz

Die Digitalisierung verändert das Lernen. Bildungsinstitutionen tun gut daran, sich auf Veränderungen einzustellen, auch mit der Gestaltung ihrer Lernumgebungen. Ein Blick dorthin, wo junge Menschen gern zum Lernen hingehen, kann weiterhelfen.

Zum Lernen zu Starbucks
Wohin gehen junge (und nicht ganz junge) Menschen heute zum Lernen, wenn sie sich den Ort aussuchen können? Sie zieht es nicht etwa an die Orte, die für das Lernen geschaffen wurden, z.B. in Schulen, sondern bevorzugt in Kaffeehäuser (u.a. Starbucks) oder auch in Bibliotheken die angesichts der Digitalisierung eigentlich schon infrage gestellt wurden.
Wer sich in einer Filiale von Starbucks oder ähnlichen Ketten umschaut, wird wahrscheinlich Menschen entdecken, die dort lernen oder arbeiten: mit Textmarkern und Papier, mit Smartphone oder Laptop, für sich mit Kopfhörern oder in kleinen Gruppen.
Ähnliche Bilder finden wir an den Orten, die manch einer angesichts des digitalen Wandels schon tot glaubte: öffentliche Bibliotheken. Sie bieten Lern- und Arbeitsplätze an, sowohl für ruhige Einzelarbeit als auch Gruppenarbeiten. Man könnte meinen, dass zu einer Zeit, in der wir für immer weniger Quellen das Haus bzw. den Platz vorm Bildschirm verlassen müssen, die Nachfrage nach solchen Orten abnimmt. Doch das Gegenteil ist der Fall! Bibliotheken berichten, dass in den letzten Jahren deutlich mehr Nachfrage nach solchen Plätzen besteht, als sie erfüllen können.
Die Befreiung vom Gleichschritt
Es ist das große Versprechen des Lernens mit digitalen Medien: die Befreiung aus den Zwängen von Raum und Zeit. Digital können wir nicht nur Informationsangebote abrufen, sondern uns auch mit Lehrenden und anderen Lernenden vernetzen. Lernen kann immer und überall stattfinden, wo es eine Verbindung zum Internet gibt. Unser Bild von schulischem Lernen löst sich (auch) angesichts des digitalen Wandels weiter vom Klassenraum, in dem alle zur selben Zeit am selben Inhalt arbeiten und dafür sinnvollerweise in Reih und Glied angeordnet sitzen. Damit wissen wir schon einmal, wie Räume in der Zukunft nicht mehr aussehen müssen. Aber was heißt das konkret?
Kein Raum namens anywhere
Dass Lernen und Arbeiten jederzeit und überall anytime and anywhere stattfinden kann, haben andere Bereiche vorgemacht. In der beruflichen Weiterbildung waren die Hoffnungen groß, dass mit digitalen Medien das Training on the Job zum Normalfall werden könnte. Die Idee: Berufstätige müssen zur Weiterbildung nicht mehr zu bestimmten Zeiten an bestimmte Orte wechseln, sondern könnten E-Learning-Angebote immer genau dann nutzen, wenn sie den entsprechenden Bedarf haben. In der Praxis stellten sich Schwierigkeiten der konkreten Umsetzung heraus. Da es keinen Ort gibt, der anywhere heißt, verlagern Menschen ihr anywhere nach Hause. Aber dieser Ort ist häufig schon besetzt, z.B. durch Familie, Freunde und Hobbys. Also heißt es weiterziehen. Nicht wenige Menschen finden heraus, dass sie am besten in Cafés oder während einer Zugfahrt lernen können.
Ein ähnliches Phänomen sieht man bei Freiberuflern, die für ihren Job nur Computer, Internetzugang und vielleicht noch ein Telefon benötigen. Obwohl diese am Strand oder heimischen Küchentisch arbeiten könnten, zieht es sie für Arbeiten und Lernen oft an gemeinsame Orte, sog. Coworking Spaces, an denen man Stuhl, Tisch und Internetzugang mieten kann. Die Coworking Spaces bieten zusätzlich eine angenehme Umgebung, die nicht zufällig an die eingangs beschriebenen Kaffeehäuser erinnert. Solche Gemeinschaften erleben derzeit einen Boom.
Was macht gute Lernumgebungen aus?
Die folgende Liste beschreibt eigentlich moderne Kaffeehäuser. Sie lässt sich aber eins zu eins als Wunschliste auf Lernumgebungen, wie z.B. eine Schule, übertragen.
1. Einrichtung
Ein guter Lernort bietet Sitzgelegenheiten für verschiedene soziale Konstellationen: Einzelplätze auf Hockern, bevorzugt mit Blick nach draußen....

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 15 / 2019

Lernumgebungen – Räume, Rhythmen, Regeln

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13