Alessandra von Krause, Michel Schröder, Brian Zube

Über Cybermobbing, Liebe und Zinkwannen

Alessandra von Krause, Michel Schröder, Brian Zube

Ein Statement zu Handyverboten an Schulen

Dieses Zitat spiegelt die Konfliktlinie, an der sich insbesondere Schulen befinden, sehr gut wider. In ihr müssen Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern unterschiedlichster Generationen zusammenarbeiten und koexistieren. Besonders in Zeiten immer schnellerer Digitalisierung führt dies naturgemäß zu Konflikten. Wie integriert man digitale Medien in den Unterricht? Wie vermittelt man Medienkompetenz, wenn man selbst kein hundertprozentiger Digitalexperte ist? Sollte man Handys nicht einfach aus den Schulen verbannen und sich so des Problems entledigen?
Wir nehmen die letzte der drei Fragen in den Blick: Sind Handy- bzw. Medienverbote nach wie vor eine legitime Lösung? Dabei schauen wir auf die außerunterrichtliche Zeit von Schüler*innen an Schulen. Zum Unterricht selbst daher nur kurz: Hier stört es uns nicht, wenn Lehrende entscheiden, wann das Handy herausgeholt werden darf oder sogar sollte. Das wäre mehr eine Debatte über Nutzungsszenarien, nicht über Verbote.
Nun zur Sache: Handyverbote während Freistunden und Pausen. Zur Diskussion darüber gehört für uns zwingend, die Medien selbst in den Hintergrund zu stellen. Viel zu oft werden Schulen als zukunftsfähig bewertet, wenn viele Smartboards im Einsatz sind, wenn Tablets Hefte ersetzen. Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt und die Aufgabe von Schule aus dem Blick verloren. Die Regeln an Schulen müssen sich an den institutionellen Zielen orientieren, nicht andersherum. Warum diese Ziele oftmals (aber nicht ausnahmslos!) dafür sprechen, die Nutzung digitaler Medien zuzulassen, dazu nun ein paar Denkanstöße.
Cybermobbing
Cybermobbing ein oft angeführtes Argument für das Verbot von Smartphones in Schulen. Natürlich ist Cybermobbing ein großes Problem, jedoch wird zu oft der zweite Teil des Wortes vergessen. Mobbing muss per se angegangen werden, ob cyber oder nicht. Schüler*innen müssen lernen, dass Mobbing niemals richtig ist. Klar: Es kann wirklich übel enden, wenn Mobbingaktionen online verbreitet werden. Smartphones sind hier aber nur Mittel zum Zweck. Der Kern das Mobbing wird durch ein Verbot nicht gelöst. Schüler*innen, die andere mobben wollen, tun dies mit oder ohne Handy. Wer mobben will, lässt sich von einem Handyverbot nicht abschrecken, schließlich überschreitet er oder sie ohnehin eine Grenze. Ein Handyverbot verlagert das Problem höchstens in abgelegene Ecken und vor das Schultor aus der Welt ist es damit noch lange nicht. Ist damit den Schüler*innen geholfen? Sie sind besser aufgestellt, wenn der Schulalltag sie lehrt, Mobbing (online und offline) nicht zu tolerieren.
Wenn mit Cybermobbing für Handyverbote argumentiert wird, scheint es oft um Verantwortung zu gehen, die die Schule nicht tragen möchte als sei ein Verbot ein Alibi, falls etwas passiert. Wer das Ziel von Schule ernst nimmt, Schüler*innen für ihr Leben (das Leben da draußen) zu rüsten, handelt mit einem auf das Schulgelände begrenzten Verbot gerade verantwortungslos.
Bessere oder schlechtere Freizeitgestaltung?
(Nicht nur) die Pause gehört den Kindern. Jede*r Schüler*in sollte die Freiheit besitzen, sich in der Pause so auszuleben, wie er*sie möchte. Sei es Fußball spielen, toben, mit Freunden reden oder eben schreiben, online Artikel lesen oder Musik hören. Schüler*innen können und sollten nicht gezwungen werden, ihre Pause nach den Vorstellungen von Erwachsenen zu verbringen. Ein Handyverbot fördert nicht automatisch die Bewegung in den Pausen oder die Unterhaltung zwischen den Schüler*innen. Wieso wäre es ok, Schüler*innen das Musikhören zu verbieten, weil es Kommunikation lähmt? Niemand würde ihnen verbieten, in der Pause ein Buch zu lesen auch wenn sie sich damit genauso vom Umfeld abkapseln. Schüler*innen und ihre Hobbys sind unterschiedlich. Wir Großen sollten aufhören, eine Pausenaktivität als wertvoller als die andere anzusehen. Übrigens auch bei...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 17 / 2019

Digitalisierung – Nicht nur irgendwas mit Medien

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13
  • Thema: Digitale Schule
  • Autor/in: Alessandra von Krause, Michel Schröder und BrianZube