Udo Klinger

Schule in der digitalenCorona-Welt

Udo Klinger

Versäumnisse und Disparitäten, Herausforderungen und Aufgaben
Immer wieder hört man: Corona ändert alles! Danach ist nichts mehr, wie es war. Das ist in dieser Pauschalität natürlich Unsinn. Aber die Krise zeigt uns gnadenlos die bestehenden Defizite, Baustellen und Disparitäten auf. Von Zukunftsfähigkeit und Krisenfestigkeit sind viele Schulen weit entfernt.
Dabei ist eigentlich relativ klar, wo man nach den tieferen Gründen für die schleppende, irgendwie nie so richtig ernst genommene Entwicklung in vielen Schulen suchen muss. Wer eine (echte) Verpflichtung ausspricht, muss erstens auch die Einhaltung der (gesetzlichen) Vorgaben überprüfen, ggf. an- und abmahnen sowie Versäumnisse sanktionieren und zweitens den Rahmen schaffen, Ressourcen bereitstellen, Qualifizierung und Unterstützung organisieren, Nachhaltigkeit sicherstellen usw. Das ist personalintensiv und kostet vor allen Dingen eine Menge Geld! Beispiele:
  • technische Ausstattung, jeweils auf aktuellem Stand, inkl. Breitbandanschluss, stabilem WLAN, Endgeräten,
  • neue Stellen für Wartung und Support,
  • verpflichtende Qualifizierungsmaßnahmen und Fortbildung für alle Lehrkräfte,
  • funktionierende digitale Infrastruktur wie Lernplattformen, eigene Cloudlösungen, qualitätsgeprüfte OER.
Wenn kreatives Lehren und Lernen mit digitaler Unterstützung noch nicht weit genug verbreitet ist, liegt dies nicht nur an den Schulen selbst, erst recht nicht an deren mangelnder Motivation. Es liegt an der Komplexität, die sich vor allem an zwei Fronten zeigt: Zum einen sind es die vielfältigen, miteinander verflochtenen oder auch sich widersprechenden Aufgaben und Herausforderungen, zum anderen die Vielzahl der involvierten Personen und Institutionen, ein jeder mit eigenen Interessen, wahren oder nur vorgeschobenen inneren Notwendigkeiten, Traditionen usw. Zu nennen sind die bildungspolitischen Akteure, Schulträger und
Schulaufsicht, die Einrichtungen der Lehrerbildung und -fortbildung, die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern mit ihren Vertretungen auf allen Ebenen. Dazu kommen die Interessenvertretungen der Wirtschaft und der Lehrkräfte, politische Parteien, Kirchen, Medien u.v.a.m.
Sie alle haben Interessen und folgen einer jeweils eigenen inneren Logik. Aber es gehört zum Wesen unserer Demokratie, dass wir auf demokratischen Pfaden zu einem Konsens kommen. Was heißt das konkret? Entscheidet der Schulträger über die Ausstattung? Machen die Bildungsministerien ausreichend Gebrauch von ihrem Weisungsrecht? Wird die Schulaufsicht ihrem Namen gerecht? Gibt es Vielfalt auch in schulischen Konzepten zum „digitalen Lernen oder eine gemeinsame Linie?
Spätestens hier sieht man die Bedeutung, die neben Technik, Personal und Ausstattung den inhaltlichen, den fachlichen Konzepten zukommt. Worum hat sich also Schule zu kümmern? Mindestens um:
  • Technik und Ausstattung
  • Qualifikation des Personals
  • den Faktor Mensch in der „digitalen Schule
  • „digitales Lernen und digitalen Unterricht
  • Veränderungen in Kommunikation und Kollaboration
  • Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und Sozialstrukturen
1. Technik und Ausstattung
Auch wenn andere zahlen und Verantwortung für die Rahmenbedingungen haben, etwa Breitbandanschluss und stabiles WLAN, muss die Schule sich konzeptionell zu Technik und Ausstattung verhalten. Whiteboards, Tabletklassen, Computerräume, Makerspace, BYOD usw. kann und muss man konzeptionell diskutieren und entscheiden. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit u.a. mit dem Schulträger selbstverständlich und es wird vor allem bei knappen Kassen auch darauf ankommen, Prioritäten zu setzen, um das Wesentliche zu sichern.
Zwei zentrale Probleme sind besonders hervorzuheben: die schiere Menge an notwendiger Ausstattung und die kurze Lebensdauer. Sollen die Lernenden ihre eigenen Geräte nutzen (BYOD)? Dann ist darauf zu achten, dass soziale Disparitäten nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. In dem Maße, wie evtl. Schulbücher...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 91 / 2020

Unterricht digital

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13