Tanja Pütz

Schule im Zeitalter der Digitalisierung

Tanja Pütz

Zur richtigen Zeit und im richtigen Maß

Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass in den Bereichen der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft starke Veränderungsprozesse gesetzt wurden. Spätestens mit dem DigitalPakt sind auch die Schulen gezwungen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und einen pädagogischen Diskurs zu führen.
Dass in der digitalen Welt immer mehr alltägliche Handlungen vom Einkaufen über Bankgeschäfte bis zum Steuern der Haushaltsgeräte im sog. Smart Home online laufen, wird analoges, räumliches und körperliches Handeln zunehmend obsolet oder wenn man es anders betrachtet zu einem Luxuserlebnis. Ist vielleicht die Schule der letzte Ort, Kindern haptische Erfahrungen zu präsentieren und ihnen damit zu zeigen, dass man Wissen nicht durch Googeln erlangt?
Wissen braucht Qualitätsbewusstsein und Überprüfung
Im Internet finden sich qualitätsvolle Beiträge und absoluter Nonsens für den ungeübten Nutzer nicht erkennbar voneinander getrennt nebeneinander fatalerweise nur gefiltert durch eine Beliebtheitsskala, die nichts über die Qualität aussagt. Schülerinnen und Schüler brauchen Unterstützung im Aufbau eines Qualitätsbewusstseins, um Auswahlkriterien zu entwickeln. Bevor die Institution Schule verantwortet, dass Schülerinnen und Schüler sich im Internet bewegen, muss ich sicherstellen, dass sie mit einer Souveränität und Kompetenz ausgestattet sind. Es stellt sich die Frage, ob sich diese zwingend aus dem Gebrauch des Internets generiert oder ob sie nicht vielmehr in der analogen Welt aufgebaut und gefestigt werden muss, um langfristig zu einer Internetkompetenz zu führen. Bezogen auf dieses Beispiel hieße das: Bevor eine Schule einen „Internetführerschein anbietet, sollten ihre Schülerinnen und Schüler sich zunächst in aller Ausführlichkeit und Muße der Nutzung einer analogen Bibliothek widmen. Hier ist erfahrbar: Bildung und das Ringen um Wahrheiten bedeutet Mühe. Eine Demutserfahrung, die man als Primärerfahrung in einer Bibliothek frei Haus bekommt.
Medienkompetenz braucht Vorläuferkompetenzen, die analog zu erwerben sind. Medienkompetenz baut sich langsam auf und braucht vor allem ein pädagogisches Konzept. Dieser Verantwortung muss sich Schulleitung heute stellen. Für ein solches Konzept ist die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung und ihren Folgen unbedingt notwendig.
Smartphones, die 2007 eingeführt wurden, werden von über vier Milliarden Menschen genutzt. Bisher wurden mehr Smartphones produziert, als es Menschen auf der Welt gibt. Etwa die Hälfte aller Smartphone-Nutzer nutzt das Gerät etwa fünf Stunden pro Tag. Die 12- bis 17-Jährigen nutzen es davon fast drei Stunden in sozialen Netzwerken. Kinder werden in einem immer jüngeren Alter mit den digitalen Medien in Kontakt gebracht und nutzen diese. In der KIM-Studie (Kindheit, Internet, Medien) von 2016 (hier wird seit 1999 der Medienumgang von Kindern zwischen sechs und 13 Jahren erfasst) wurden 1.229 Kinder sowie deren Haupterziehungsberechtigten befragt. Diese Studie liefert einen empirischen Beleg dafür, dass digitale Medien im Leben der in Deutschland aufwachsenden Kinder und Jugendlichen eine so zentrale Rolle spielen, dass sie mitunter symbiotisch mit ihren digitalen Endgeräten verbunden leben . Kindheit in Deutschland heute ist geprägt von digitalisierten Medien (vgl. Frieling 2010).
Für Schulen stellt sich die Frage, an welcher Stelle sie junge Lernende abholen und wofür sie Geld (Digitalpakt 5 Milliarden Euro) sinnvoll ausgeben. Das Ziel ist klar: Die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen sollen im späteren Erwachsenenleben salopp gesagt gut zurechtkommen und gut drauf sein. Doch wie erreicht Schule das?
In der Entwicklung von Unterricht geht es darum, ausgehend von den Bildungs- und Entwicklungsbedürfnissen junger Lernender ein Angebot vorzubereiten, das dem einzelnen Menschen entspricht und einen Schlüssel zur Welt darstellt. Dieses materialisierte Angebot...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 21 / 2020

Herausforderungen – Der ganz normale Wahnsinn

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-10