Julie von Schachtmeyer

Mit gebremstem Schaum

Julie von Schachtmeyer

Schulische Digitalisierung aus der Perspektive einer Lehramtsstudentin

Digitalisierung als Aspekt in der Universität
Digitalisierung ist in aller Munde. Überall kommen Neuerungen auf den Markt, die die Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler im Unterricht weiter verbessern sollen. Wir Lehramtsstudenten betrachten diesen Aspekt noch aus einer ganz anderen Perspektive als die Lehrkräfte vor Ort. Wir sind noch im Bereich der unbegrenzten Möglichkeiten unterwegs. In unseren Seminaren, in denen wir als Masterstudierende immer mehr Unterricht planen sollen, ist dieser Aspekt stets ein Thema und kaum mehr wegzudenken.
So ist es für uns ganz normal, den Unterricht digital zu planen. Unsere Dozenten erwarten von uns Kreativität in der Stundenplanung. Da wir oft nur für fiktive Klassen planen, haben wir also den Spielraum, uns auszuleben und brauchen uns keine Gedanken darüber zu machen, ob dieses oder jenes Gerät vorhanden ist oder der Raum auch frei sein wird und im besten Fall die Geräte auch funktionieren. Wir kennen noch keinen Unterricht mit dem Schulbuch oder mit dem mühsamen Zusammenschneiden und Kopieren von Arbeitsblättern.
An unserer Universität wurde die „Kieler Forschungswerkstatt eingerichtet, die über sämtliche digitale Medien verfügt, von Tablets, elektronischen Whiteboards über Kameras bis hin zum Geocaching-GPS-Empfänger. So konnten wir interessante Stunden für Schülerinnen und Schüler entwickeln, die auch besonders gut ankamen. Auf diesen „Luxus müssen wir größtenteils in den Schulen verzichten, denn wir haben in unseren bisherigen Praktika erlebt, was in den meisten Fällen zur Verfügung steht.
Digitalisierung in Schulen
Die Realität sieht nun meist ganz anders aus, als wir uns das als Studenten wünschen bzw. vorstellen würden. Ich habe bisher drei Schulen während meiner Praktika im Bachelor- und Masterstudiengang besucht und arbeite derzeit an einer weiteren Schule als Nachmittagsbetreuung. So kann ich den Vergleich zwischen vier Schulen ziehen. Zwei meiner Praktikumsschulen waren gut ausgestattet. Viele Räume verfügten über ein interaktives Whiteboard, welches auch funktionierte. An einer der beiden Schulen gab es einen Computerraum, den die Lehrkräfte mit ihren Klassen nutzen konnten. Im Vergleich zu dem, was ich sonst kennengelernt habe, kann ich diese Ausstattung als gut bezeichnen. In den anderen Schulen befand sich so gut wie keine Ausstattung. Ein Smartboard suchte man dort vergeblich, wenn man Glück hatte, befand sich in einigen Räumen ein Beamer. Nicht einmal Over-Head-Projektoren waren zu finden, die ich nicht zu digitalen Medien zählen würde. Die Lehrerinnen und Lehrer haben es in diesen Schulen also schwerer, mit digitalen Medien zu arbeiten, da es an der richtigen Ausstattung mangelt.
Das wohl bekannteste Problem an Schulen (aber auch an Universitäten) ist das Nichtfunktionieren der Technik. Man möchte seine Stunde beginnen, hat am Tag vorher noch alles ausprobiert, möchte nun seine Präsentation oder ein Video starten und plötzlich geht gar nichts mehr. Alles, was gestern noch funktionierte, scheint heute wie ausgelöscht zu sein. Dann sind auch schon 15 Minuten der Stunde herum und man hat diese nur damit verbracht, seine Präsentation zu öffnen. Das macht es unattraktiv.
In meinen Praktika habe ich festgestellt, dass es Lehrerinnen und Lehrern, die schon lange im Berufsalltag sind, schwerfällt, sich mit den neuen Medien zu beschäftigen, und sie lieber auf ihre alten Lehrmethoden zurückgreifen wollen, auch wenn die technische Ausstattung in den Schulen gut ist.
Bei jüngeren Lehrkräften und besonders Referendaren fiel mir auf, dass diese die Digitalisierung selbstverständlich in ihren Unterricht miteinbauen, so erlebte ich in einem Praktikum eine Referendarin, die das Whiteboard wie selbstverständlich als Tafel und für den individualisierten Unterricht nutzte. Die Schülerinnen und Schüler schienen dadurch viel motivierter, z.B. nach vorne zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 17 / 2019

Digitalisierung – Nicht nur irgendwas mit Medien

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13