3 Grundsätze des Onlineunterrichts

Homeschooling in Zeiten von Corona

Live Onlineunterricht gehörte bisher wahrscheinlich bei den wenigsten Lehrerinnen und Lehrern zum Alltäglichen. Es genügt nicht, online das Gleiche umsetzen zu wollen, was wir aus dem Präsenzunterricht kennen. Es bedarf eines anderen Blicks auf die Didaktik und Methodik, um das virtuelle Klassenzimmer zu einem effizienten und angenehmen Lernort zu machen.

Lernen im virtuellen Klassenzimmer. Foto: © Aleksandra Suzi - stock.adobe.com

Der Praxisratgeber Digital unterrichten präsentiert 10 didaktische und methodische Grundsätze des Homeschooling. Drei Grundsätze finden Sie hier:

1. Eine gute Vorbereitung ist das A und O

Der erste – vielleicht sogar wichtigste Schritt – ist es, in Erfahrung zu bringen, ob alle Schülerinnen und Schüler in der Klasse am synchronen Unterricht teilnehmen können.

  • Haben alle die nötigen technischen Geräte zu Hause?
  • Können alle auf die Geräte problemlos zugreifen oder werden sie von anderen Familienmitgliedern (mit)genutzt?
  • Existiert für alle eine funktionierende Internetverbindung?

Nur wenn die Bildungsteilhabe aller Kinder und Jugendlichen gleichermaßen gesichert ist, können Sie Unterricht per Videokonferenz durchführen.

Planung im Klassenteam

Der nächste Schritt ist eine gute Absprache mit dem Klassenteam:

  • Wann findet der Onlineunterricht statt?
  • Wie viele Stunden am Computer sind den Schülerinnen und Schülern eines bestimmten Alters überhaupt zuzumuten?
  • Wie viele Pausen sollten dazwischenliegen?

Wenn der Stundenplan steht, können Sie mit der Unterrichtsplanung beginnen. Diese gehört zwar zum täglichen Handwerkszeug einer Lehrkraft, doch mit dem Einstieg in den synchronen Onlineunterricht ist es (wieder) besonders wichtig, genauer zu planen. Die Tendenz zur Passivität ist im virtuellen Raum höher als im Präsenzunterricht. Um die Lernenden bei der Stange zu halten, schreiben Sie sich für den synchronen Onlineunterricht am besten einen detaillierten Ablaufplan mit passenden Phasen- und Methodenwechseln, Energizern und interaktiven Elementen. Weiterhin ist zu überlegen, wie eine didaktische Reduktion bzw. eine Fokussierung auf bestimmte Themen gelingen kann. Im virtuellen Klassenzimmer haben Sie weniger Gefühl für Gruppenprozesse und können sich schneller thematisch verzetteln, wenn Sie Ihr didaktisches Ziel nicht immer klar im Blick haben.

Die 60:90-Regel

In der Planung ist es sinnvoll, genug Puffer einzubauen. Durch technische Schwierigkeiten verlieren wir immer wieder Zeit, die uns ohne vorige großzügige Planung am Ende fehlt. Hier hilft als Orientierung folgende Regel: Um 60 Minuten eines Präsenzunterrichtes als Onlineunterricht durchzuführen, sollten Sie 90 Minuten Zeit im virtuellen Klassenzimmer einplanen.

Vor- und nachbereitende Materialien im Homeschooling

Weiterhin ist zu überlegen, welche Materialien zur Vor- und Nachbereitung (Lernskript) sowie welche Hausaufgaben zwischen den einzelnen Einheiten – online oder präsent – stehen sollen. Insgesamt gilt es, noch durchdachter und selbsterklärender zu agieren, als wir es ohnehin schon im Präsenzunterricht handhaben.

7 Tipps zur Vorbereitung des Live Onlineunterrichts

Vorab können Sie den Schülerinnen und Schülern bereits folgende Tipps von Bob Blume (2020) zur Vorbereitung zukommen lassen:

  1. „Bereitet euer Handy / euren Computer auf die Konferenz vor. Dies kann bedeuten, dass ihr eine App herunterladet oder euch über einen Web-Browser (z. B. Google Chrome oder Firefox) einloggen müsst.
  2. Falls die Teilnahme nicht sofort funktioniert, überprüft, ob es mit einem anderen Browser geht. Diese können meist einfach aus dem Internet geladen werden.
  3. Geht an einen Ort, in der eure Privatsphäre gewahrt bleibt. Achtet dabei auf gute Lichtverhältnisse, falls die Kamera an sein soll (Lichtquelle nicht hinter euch).
  4. Sprecht mit den anderen ab, dass ihr eine Videokonferenz macht, damit keiner ins Bild geht, der das nicht will und keine Unruhe herrscht.
  5. Setzt euch am besten an einen Ort, an dem ihr für einige Zeit gemütlich sitzen könnt.
  6. Bereitet etwas zu schreiben vor, falls ihr euch Informationen merken müsst.“

Technik-Check

Planen Sie als Lehrkraft vorab einen Technik-Check, bei dem Sie sicherstellen, dass die wichtigsten Tools, wie Mikrofon und Kamera, bei allen Schülerinnen und Schülern funktionieren. Überprüfen Sie ggf., ob alle den Bildschirm oder andere Programme teilen können (Application Sharing).


Methodische und didaktische Grundsätze des Homeschooling:

Dieser Artikel präsentiert 3 methodische und didaktische Grundsätze des synchronen Onlineunterrichts aus dem Praxisratgeber Digital unterrichten. Dort finden Sie 7 weitere Grundsätze:

  1. Soziale Präsenz zeigen
  2. Partizipation und Interaktivität neu denken          
  3. Kooperation fördern
  4. Übersichtliche Gestaltung
  5. Abfragen oder Umfragen gestalten
  6. Feedback geben und nehmen
  7. Nachbereitung

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2. Richtig kommunizieren im Homeschooling

Um die soziale Präsenz als Lehrkraft zu stärken, gibt es auch für die Onlinekommunikation ein paar Tipps:

  • Agieren Sie non-verbal bewusst aktiver.
  • Seien Sie emotionaler als sonst beim Feedbackgeben, Motivieren, Hervorheben usw.
  • Geben Sie abgelenkten Schülerinnen und Schülern aktiv Feedback.
  • Sprechen Sie die Lernenden oft mit Namen an.
  • Geben Sie mit eigenen Worten wieder, was gesagt, geschrieben oder gezeigt wird, um einen Gruppenfokus herzustellen.
  • Sprechen Sie langsamer und klarer als im Präsenzunterricht.
  • Begrenzen Sie Redebeiträge auf ein bis zwei Minuten.

Vereinbarungen treffen

Doch es ist nicht nur wichtig die veränderte Kommunikation der Lehrkraft mit den Schülerinnen und Schüler zu beleuchten, sondern ebenso die Kommunikation der Kinder und Jugendlichen untereinander. Online greifen andere Verhaltensregeln als im Präsenzunterricht. Gemeinsam konsensierte Regeln sind immer nachhaltiger als Regeln, die allein von der Lehrperson kommen. Daher nutzen Sie die erste Online-Stunde dafür, Vereinbarungen für ein gutes Miteinander und für ein produktives Lernen zu treffen, z. B. :

7 Regeln fürs virtuelle Klassenzimmer

  1. Wenn wir Probleme beim Einloggen haben, geben wir Rückmeldung an folgende Nummer/E-Mail-Adresse: …
  2. Wer nicht spricht, schaltet das Mikrofon stumm, um Hintergrundgeräusche zu vermeiden.
  3. Wir teilen nur den Bildschirm oder andere Programme, wenn die Lehrkraft uns dazu auffordert.
  4. Wir machen uns gegenseitig im Chat freundlich darauf aufmerksam, wenn es in Diskussionen zu langatmig wird.
  5. Wir stellen Fragen im Chat und nutzen den privaten Chat auch nur für Belange des Unterrichts.
  6. Wir heben online die Hand, wenn wir etwas sagen möchten und werden dann nacheinander drangenommen.
  7. Wir machen keine Screenshots und nehmen weder Ton noch Bild auf (Recht am eigenen Bild, Datenschutzrecht).

Regeln sind niemals in Stein gemeißelt – und erst recht nicht in einem Lernraum, den alle erst neu für sich und gemeinsam entdecken müssen. Evaluieren Sie regelmäßig mit den Schülerinnen und Schülern, ob die Vereinbarungen stimmig sind und passen Sie sie ggf. gemeinsam an.

3 hilfreiche Kommunikationstools

  1. Audiokonferenz: Die Gruppe kann sich hören. Um Störgeräusche zu vermeiden, empfiehlt es sich, dass nur die Person das Mikrofon anschaltet, die gerade spricht.
  2. Videokonferenz: Die Teilnehmenden können sich per Video sehen. Stellen Sie sich die Frage, in welchen Situationen das Video eine hilfreiche Funktion hat (z. B. : Alle Schülerinnen und Schüler sollen sich sehen und als Gruppe wahrnehmen) und in welchen der Fokus nur auf der Stimme und damit auf dem Inhalt liegen sollte.
  3. Chat: Neben einer direkten Kontaktaufnahme zu allen oder zu einzelnen kann der Chat auch als Partizipations-Tool eingesetzt werden (s. Info „Kurzzeichen im Chat“). Überlegen Sie sich, ob Sie den privaten Chat unterbinden, z. B. um Störungen zu vermeiden, oder freischalten, um beispielsweise das soziale Miteinander in der Klasse zu fördern (vgl. Poitzmann, Nikola / Sobel, Martina (2020)).

Mit den Händen sprechen

Vielleicht eignet sich für Ihre Lerngruppe auch der Einsatz bestimmter Handzeichen zur nonverbalen Kommunikation, die Sie selbst mit den Lernenden entwickeln können.

Beispielhafte Handzeichen für nonverbale Kommunikation. Fotos: © filistimlyanin1 / stock.adobe.com

3. Soziales Miteinander im Onlineunterricht gestalten

Im virtuellen Klassenraum sind die Atmosphäre und die Stimmung der Lernenden nicht so gut spürbar wie im Präsenzunterricht. Mimik und Gestik sowie weitere nonverbale und paraverbale Signale (v. a. bei ausgeschalteter Kamera) werden nicht übertragen. Ironie zum Beispiel ist nur schwer zu erkennen, wenn die Körpersprache und ein ironisches Lächeln nicht mit übertragen werden. Auch gibt es, wenn wir im Live Onlineunterricht von einer synchronen Umgebung sprechen, immer noch – wenn auch kurze – zeitliche Verzögerungen, die den direkten Kontakt erschweren. Es ist technisch noch nicht möglich, einen virtuellen Raum zu schaffen, in dem Interaktionen zwischen allen Beteiligten wahrnehmbar sind. Auch die kleinen Austauschmöglichkeiten, Blickkontakte sowie Gestik und Mimik unter den Schülerinnen und Schülern fallen weg.

Die Lernenden gleich zu Beginn abholen

Doch auch online kann es gelingen, ein Gruppengefühl zu erzeugen und Bindung aufzubauen. In kurzen Ankommensrunden mit klarer Formatvorgabe werden ohne viel Zeitverlust alle Schülerinnen und Schüler gesehen, gehört und als Teil der Gruppe wahrgenommen, z. B. indem alle ihre aktuelle Stimmung als emotionale Wetterlage in zwei Worten (etwa „heiter bis wolkig“) z. B. im Chat wiedergeben. Die Lehrkraft kann auch mit verschiedenen Bildern arbeiten, die am besten den jeweils aktuellen Gemütszustand widerspiegeln.

Stimmung per Wetterbericht. Foto: © Prostock-studio - stock.adobe.com

Beziehung untereinander ermöglichen

Weiterhin ist es empfehlenswert, Kontakte und Austauschmöglichkeiten unter den Schülerinnen und Schülern zu fördern: Sei es, dass Sie den virtuellen Raum für informelle Gespräche früher öffnen oder ein bisschen länger offen lassen, Sie online Gruppenarbeiten einplanen („Breakout-Sessions“) oder dass Sie Aufgaben stellen, die online oder offline nur gemeinsam in der Gruppe lösbar sind. Auch gemeinsame Aktivitäten, bei denen die Schülerinnen und Schüler mehr voneinander erfahren, fördern das soziale Miteinander. Hierfür bieten sich verschiedene Energizer an.

3 gelungene Energizer zum Vertrauensaufbau

  • Mein Gegenstand: Jede bzw. jeder sucht sich einen Gegenstand, der sich gerade im unmittelbaren Umfeld befindet und vielleicht sogar eine persönliche Bedeutung hat. Der Gegenstand wird gezeigt und ein paar Worte dazu gesagt.
  • Geheime Komplimentendusche: Bei dieser Übung ist es besonders wichtig, eine bereits vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre zu haben, die nun intensiviert werden kann. Alle überlegen sich einige Komplimente, die sie einer anderen Person gern sagen würden. Eine Person schreibt ein Kompliment in einer geheimen Nachricht in den Privat-Chat einer anderen Person. Die empfangende Person macht trotz des schönen Kompliments ein „Poker Face“. Nun versuchen alle zu erraten, wer das Kompliment bekommen haben könnte. Die Lehrkraft notiert sich im allgemeinen Chat, wer bereits ein Kompliment erhalten hat. Die letzte Person, die übrigbleibt, bekommt ein geheimes Kompliment von allen.
    Variante: Wenn die empfangende Person es erlaubt, liest die gebende Person es allen vor. Hier bitte auf Freiwilligkeit achten.
  • Wo bin ich hier?: Die Lehrkraft benennt die Breakout-Räume um (z. B. Dachterrasse, Laube, Schwimmbad, Turnhalle, Wohnwagen, Veranda, Zelt, Spielplatz, Basketballplatz usw.). Die Schülerinnen und Schüler werden in Kleingruppen in die Räume geschickt und „erkunden“ den jeweiligen:
    ➥ Was nehmt ihr wahr? Wie sieht es hier aus? Wie riecht es hier? Was könnt ihr tasten/fühlen?
    ➥ Was fällt euch zu diesem Ort ein? Was assoziiere ich damit?
    ➥ Welches Abenteuer könnten wir an diesem Ort erleben?


Methodische und didaktische Grundsätze des Homeschooling:

Dieser Artikel präsentiert 3 methodische und didaktische Grundsätze des synchronen Onlineunterrichts aus dem Praxisratgeber Digital unterrichten. Dort finden Sie 7 weitere Grundsätze:

  1. Soziale Präsenz zeigen
  2. Partizipation und Interaktivität neu denken          
  3. Kooperation fördern
  4. Übersichtliche Gestaltung
  5. Abfragen oder Umfragen gestalten
  6. Feedback geben und nehmen
  7. Nachbereitung

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