Birgit Eickelmann

Herausforderungen und Perspektiven

Birgit Eickelmann

Lernende Schule in der digitalen Welt

Die Schullandschaft könnte in Bezug auf die Digitalisierung und die Nutzung digitaler Medien in Lehr-Lernprozesse nicht heterogener sein: Neben Schulen, die schon seit mehr als 20 Jahren die Potenziale neuer Technologien für das Lehren und Lernen erproben und nutzen, gibt es vielerorts Schulen, in denen das Thema noch nicht angekommen ist. Letzteres hat diverse Gründe: unzureichende Rahmenbedingungen, Zufriedenheit mit dem Status Quo des Lernens „ohne Computer, fehlende Impulse und fehlende curriculare Verankerung. In einem Zwischenbereich liegen Schulen, in denen oft nur ein Teil des Kollegiums digitale Medien nutzt und in denen die konzeptionelle Verankerung als Gesamtkonzept auf der Schulebene fehlt.
Jedoch zeichnen sich in den letzten zwei bis drei Jahren deutliche Veränderungen ab: Hat die Studie ICILS 2013 (International Computer and Information Literacy Study; Bos et al. 2014) noch aufgezeigt, dass Deutschland hinsichtlich der regelmäßigen Nutzung von Computern und anderen Technologien im Unterricht im internationalen Vergleich Schlusslicht ist (vgl. dazu Eickelmann, Schaumburg, Lorenz & Drossel 2014), konnten in der Folge die Befunde des Länderindikators „Schule digital (Bos et al. 2016 )auf einen Anstieg der schulischen Nutzungshäufigkeit digitaler Medien hinweisen. Auch zeigt sich nach einer langen Phase der zunächst sehr kritischen, dann aber zumindest ambivalenten Einstellung von Lehrpersonen gegenüber dem „Mehrwert digitaler Medien, dass Lehrerinnen und Lehrer zunehmend die Potenziale digitaler Medien zur Unterstützung von Lernprozessen, zur Verbesserung von Lernergebnissen und zum Erwerb von Kompetenzen im Umgang mit neuen Technologien und digitalen Informationen schätzen. Viele Bundesländer haben zudem entsprechende Konzepte für Unterstützungsstrukturen entwickelt. Weiterhin werden Wege eingeschlagen, Best- bzw. Good-Practice-Beispiele z.B. in Modellprojekten oder als Referenzschulen auszuweisen. Demgegenüber steht, so die Ergebnisse der Lehrerbefragung des Länderindikators, dass im Jahr 2016 nur die Hälfte (50,9%) der Schulen über ein schulisches Medienkonzept verfügt (Lorenz, Endberg & Eickelmann 2016). Ob eine Schülerin oder ein Schüler Gelegenheit hatte, mit digitalen Medien in der Schule zu lernen, war in Deutschland quasi Glückssache. Eine flächendeckende Verankerung, wie man sie in anderen Ländern findet, war weder vorhanden noch angedacht.
Derzeit gibt es jedoch eine Trendwende: Die Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche stellt Schulen weltweit vor neue Herausforderungen und diese Entwicklungen kommen nun auch in Deutschland an. Wichtiger denn je scheint es zu sein, Heranwachsende zu kompetentem und reflektiertem Handeln in der „digitalen Gesellschaft zu befähigen. Aspekte wie Chancengerechtigkeit spielen hierbei genau wie die Förderung von leistungsstarken, interessierten Schülerinnen eine Rolle. Letztlich stellt sich die Frage, welche „neuen Kompetenzen Schülerinnen und Schüler jetzt und zukünftig benötigen. Diese Frage wird erstmals für Deutschland mit einem Gesamtkonzept, der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt, umfassend aufgearbeitet. Mit der Verabschiedung dieser Strategie im Dezember 2016 haben sich die Bundesländer gemeinsam dazu verpflichtet, einen im Rahmen der Strategie ausgearbeiteten Kompetenzrahmen für alle Schulformen und -stufen umzusetzen und zudem geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Kompetenzrahmen, der den Kern des KMK-Strategiepapiers bildet, besteht aus sechs Bereichen (vgl. Abb. 1), wobei jeder einzelne Bereich in Teilaspekte ausdifferenziert ist (KMK, 2016):
In den Teilaspekten finden sich u.a. Bezüge zu Datenschutz und Nutzungsrechten, das Erkennen und Formulieren von Algorithmen sowie die wirtschaftliche Bedeutung des Agierens in der digitalen Welt. Neben der insgesamt positiven Bewertung des Beschlusses in der öffentlichen Diskussion wurde auch Kritik...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 79 / 2017

Digitalisierung in der Schule

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13