Thomas Stierli

Gerüstet für die Krisenzeit

Ende Mai 2020 – während der Schulschließung – hält der Gymnasiallehrer Daniel Baltzer am Feusi Bildungszentrum in Bern seinen Geografieunterricht via Zoom. Was kann für den Vollbetrieb aus der Fernlernzeit mitgenommen werden?
Ende Mai 2020 – während der Schulschließung – hält der Gymnasiallehrer Daniel Baltzer am Feusi Bildungszentrum in Bern seinen Geografieunterricht via Zoom. Was kann für den Vollbetrieb aus der Fernlernzeit mitgenommen werden? , © picture alliance/KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Thomas Stierli

Digitale Medien in Schulorganisation und Unterricht

Der Lockdown im März 2020 traf viele Schulen unvorbereitet. In der Schweiz musste die eigentliche Umstellung auf Fernunterricht und Homeschooling über ein Wochenende organisiert werden. Doch die Schule Pfungen war gewappnet. Sie konnte auf einen längeren Schulentwicklungsprozess bezüglich digitaler Medien zurückblicken. So konnte sie schnell auf die Krise reagieren, wie der Schulleiter berichtet.

Schule im Krisenmodus
Schweizer Schulen wurden aufgrund der Corona-Pandemie mit einem plötzlichen und außergewöhnlichen Verbot des Präsenzunterrichts durch die Landesregierung unmittelbar in eine Krise versetzt. Kinder und Jugendliche durften die Schule nicht mehr besuchen. Mit dem Fehlen des Unterrichts war auch ein Verlust des sozialen Umfeldes verbunden. Eltern mussten sich den ganzen Tag um ihre Kinder kümmern und diese bestmöglich beim Fernunterricht unterstützen. Die Herausforderung von Kinderbetreuung und Homeoffice und die Balance zwischen Angst vor Jobverlust und Zuversicht belasteten viele Familien.
Die Kernkompetenzen der Lehrpersonen liegen klar beim Präsenzunterricht vor Ort und bei der direkten Begegnung und Interaktion. Doch nun sollten fünfjährige Kindergartenkinder genauso aus der Ferne unterrichtet werden wie die 15-jährigen der Sekundarschule I.
Der Schulleitung kam in dieser nie da gewesenen Lage eine anspruchsvolle und besonders wichtige Funktion zu. Als Teil des Krisenstabes der Schule hat sie sofort Arbeiten zur Bewältigung der Krise aufgenommen. Eine Krise ist immer mit vielen Unklarheiten und Ängsten verbunden. In einem ersten Schritt war es deshalb wichtig, alle internen und externen Anspruchsgruppen möglichst schnell, faktenbasiert und transparent zu informieren. Auf allen Ebenen hat die Schulleitung die Zuversicht vermittelt, dass wir als gute Schule die Krise solidarisch und bestmöglich bewältigen würden.
Die digitalen Medien spielten für die interne und externe Kommunikation und Kooperation wie für die Gestaltung des Fernunterrichts an unserer Schule eine wichtige Rolle. Dahinter steckt ein längerer Schulentwicklungsprozess in Bezug auf digitale Medien in Schulorganisation und Unterricht.
Leitsätze „Digitale Medien
Anfang 2017 hat die Schule Pfungen das Schulentwicklungsprojekt MIA (Medien-Informatik-Anwendung) gestartet. Wie alle Entwicklungsprojekte adressiert es die ganze Schule, also sämtliche Schulstufen wie auch die Schule als Organisation. Die Projektgruppe setzte sich aus Vertretungen der Schulleitung, aus Lehrpersonen aller Stufen, aus Fachlehrpersonen und anderen Fachpersonen zusammen.
Die zeitaufwendige und intensive Auseinandersetzung mit digitalen Medien in der Schule wurde von der Schulleitung geleitet und führte schließlich zu sechs eingängigen, leicht verständlichen Leitsätzen „Digitale Medien. Die Leitsätze wurden in einem partizipativen Prozess der Gesamtlehrerschaft (Schulkonferenz) vorgelegt, von dieser diskutiert, ergänzt und schließlich für verbindlich erklärt:
  • Wir nutzen digitale Medien als integralen Bestandteil im Unterricht in allen Zyklen.
  • Wir legen bei der Nutzung von digitalen Medien das Schwergewicht auf die Chancen für unsere Organisations- und Unterrichtsentwicklung.
  • Wir pflegen einen positiven Umgang mit Fehlern, die beim Einsatz von digitalen Medien entstehen (können) und greifen diese für die Weiterentwicklung auf.
  • Wir lernen, mit digitalen Medien kompetent umzugehen, und bilden uns laufend weiter.
  • Wir nutzen in Schulorganisation und Unterricht zeitgemäße, einsatzbereite Infrastruktur im Rahmen der vorhandenen Ressourcen.
  • Wir machen unsere Wertvorstellungen und Aktivitäten gegen innen und außen transparent.
Die Leitsätze stellen auf mehreren Ebenen eine Orientierungshilfe und Handlungsgrundlage aller Akteure unserer Schule dar. Die Aufgabe der Schulleitung ist nun darin zu sehen, diese Leitsätze immer wieder ins Bewusstsein zu rücken, sodass sie...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 91 / 2020

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