Ferdinand Stipberger

Flipped Classroom

Beim Flipped Classroom sollen sich Lernende eigenständig Lernstoff erarbeiten und im anschließenden Unterricht vertiefen.Dafür eignen sich nicht alle Inhalte, auch die Lernenden müssen dafür gewisse Voraussetzungen erfüllen.
Beim Flipped Classroom sollen sich Lernende eigenständig Lernstoff erarbeiten und im anschließenden Unterricht vertiefen.Dafür eignen sich nicht alle Inhalte, auch die Lernenden müssen dafür gewisse Voraussetzungen erfüllen., © imago images/Westend61

Ferdinand Stipberger

Individualisiertes und selbstständiges Lernen mit digitalen Medien

Die Gemeinschaft der „flippenden Lehrkräfte wächst stetig. Beim „umgedrehten Unterricht werden Teile der Erarbeitungsphase und die Ergebnissicherung nach Hause verlagert, sodass während der Präsenzphase mehr Zeit für Aktivität und Üben bleibt. Durch den Einsatz digitaler Medien ermöglicht es, einen schülerzentrierten Unterricht zu gestalten und so auch auf die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzugehen.

Flipped Classroom was ist das?
Flipped Classroom ist ein Konzept, das durch das  „Umdrehen des Unterrichts eine schülerzentrierte Arbeitsweise ermöglichen soll. Seine USA-amerikanischen „Erfinder Jonathan Bergmann und Aaron Sams beschreiben in ihrem Buch „Flip Your Classroom, wie sich die Schülerinnen und Schüler Unterrichtsinhalte selbstständig zuhause aneignen, um diese dann in den folgenden Unterrichtsstunden zu vertiefen. Die Lehrperson kann dadurch Zeit im Unterricht gewinnen, um so besser auf die individuellen Probleme und Bedürfnisse ihrer Schüler und Schülerinnen einzugehen und zu reagieren. Ihre Rolle verschiebt sich dadurch vom reinen Wissensvermittler hin zu einem Coach, der die Jugendlichen bei ihrem eigenverantwortlichen Lernen unterstützt.
Die digitalen Medien helfen, dieses Konzept zu tragen: Sie bieten der Lehrkraft die Möglichkeit, individualisierte Lernwege zu gestalten, Hilfen anzubieten genau an den Stellen, an denen sie benötigt werden, aber auch (digitale) Kompetenzen zu vermitteln, die jeder im Alltag brauchen kann.
Und genau hier liegt der entscheidende Punkt. Einen Unterricht in dieser Art zu öffnen ist nicht nur für die jeweilige Lehrkraft ungewohnt und ggf. auch fordernd, sondern auch für die Lernenden oftmals noch ein neues Szenario. Flipped Classroom ist demnach nicht das Wunderkonzept, mit dem alle Bildungsprobleme und Herausforderungen gelöst werden können, sondern vielmehr eine sinnvolle Methode unter vielen.
Oftmals wird der Flipped Classroom auch als Videolehre oder Videolernen abgetan. Das Konzept auf das Video zu reduzieren wäre sicher falsch. Der Flipped Classroom kann das Lernen in der Lerngruppe auch nicht ersetzen ganz im Gegenteil. Ein essenziell wichtiger Bereich ist eben das Lernen im Klassenverband, der Austausch, die Kommunikation, das Reflektieren, das gemeinsame Erarbeiten und das Hinterfragen. Und auch deshalb macht der Flipped Classroom die Lehrperson nicht überflüssig, sondern zu einem entscheidenden Bestandteil dieser Methode.
Wie gelingt der Einstieg?
Den Unterricht zu flippen bedarf bei der Lehrkraft einiger Vorüberlegungen. Dazu stellen sich unter anderem folgende Fragen:
  • Welche Medien, Plattformen usw. stehen zur Verfügung?
  • Wie soll geflippt werden?
  • Was soll geflippt werden bzw. eignen sich alle Themenbereiche gleich gut für dieses Konzept?
  • Ist die Klasse bereit dazu, sich auf das Konzept einzulassen?
Aber auch bei wirklich ausgiebiger Vorbereitung und Vorüberlegungen hängt der Erfolg des Konzepts tatsächlich von der Motivation und von der Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler ab, sich auf etwas Anderes, Neues einzulassen. Zudem spielen auch die Eltern eine bedeutende Rolle. Denn sie sind es, die dann zuhause den „Er-Lernprozess verfolgen und womöglich nicht mehr sofort nachvollziehen können, was genau gerade gemacht, besprochen oder gelernt wird. Sie vorab über den Ablauf zu informieren ist daher ein fester Bestandteil für das Gelingen des Konzepts.
Um ein zeit- und ortsunabhängiges sowie schülerzentriertes, kompetenzorientiertes und individualisiertes Lernen zu schaffen, bedarf es Plattformen, auf denen den Schülerinnen und Schülern alle Inhalte zur Verfügung gestellt werden können. Viele Bundesländer bieten landeseigene Lernplattformen an, die rechtssicher sind und in die entsprechende Inhalte eingepflegt und wieder abgerufen werden können. Auch externe Angebote (wie z.B. Videos aus YouTube)...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 91 / 2020

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