Christiane von Schachtmeyer

Die Schulen und die digitale Transformation

Christiane von Schachtmeyer

Oder: Man lernt nicht schwimmen, wenn man nicht im Wasser ist.

Digitale Revolution
Die digitale Revolution des 21. Jahrhunderts führt zu ähnlichen Bewegungen und Reaktionen in der Gesellschaft wie die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert, die von Mechanisierung und Massenproduktion geprägt war. Auf der einen Seite beobachten wir eine wachsende Faszination daran, was Technik ermöglichen und wie sie das Leben erleichtern kann. Auf der anderen Seite stehen Sorge und Furcht von den kulturellen und gesellschaftlichen Risiken und Nebenwirkungen und vielleicht die Hoffnung, diesen enormen Transformationsprozess noch aufhalten zu können. Dabei zeigte sich schon früher deutlich, dass sich der technische Wandel nicht aufhalten lässt. Dies gilt für den digitalen Wandel umso mehr. Die ehemalige CEO von Hewlett Packard, Carly Fiorina, formuliert es so: „Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.
Die aktuellen Erfahrungen mit Facebook, Google, Amazon & Co. zeigen bereits, wie umgreifend der digitale Wandel in unserer Gesellschaft und in unsere Schulen spürbar ist. In der öffentlichen Debatte findet man daher einen neuen Kulturpessimismus. So entwirft z.B. der israelische Historiker Yuval Noah Harari in seinem lesenswerten Buch „Homo Deus eine düstere Vision des Technologiezeitalters.
Unternehmen wie Google sind für Harari eine moderne Form des Geheimdienstes oder vergleichbar mit der katholischen Kirche, die die Bürger diszipliniert. Im mittelalterlichen Europa, so Harari, hätten Priester und Eltern die Macht, den Ehepartner auszuwählen. In einer dataistischen Gesellschaft bäte man Google auszuwählen. Im Glauben, mehr Gewissheit zu haben und Risiken zu minimieren, ließen wir uns von einer Maschine die Partnerwahl diktieren. Dieser sog. Dataismus entmündige die Bürger und werfe sie zurück in einen geistigen Feudalismus, in der man sich nun statt von Pfaffen von Maschinen bevormunden lasse. Zwar glaube der Nutzer im Moment einer Suchanfrage, Herr über die Suchmaschine zu sein und einen Befehl zu erteilen. Doch vollstrecke er dabei nur die Sachlogik eines Algorithmus, den Entwickler im Silicon Valley programmiert haben und werde dabei zu einem Informationsmündel, weil er nur noch eine Art gelenktes Wissen erwerbe.
Was ist der Auftrag der Schulen?
Wenn man dieser Logik folgt, was muss dann der Auftrag von Schule im digitalen Zeitalter sein? Wie sollen sich Schulen in diesem Spagat zwischen Nutzen und Schaden der digitalen Transformation bewegen? Schulen nutzen digitale Medien und spüren die Vorteile einerseits, andererseits stehen sie täglich angesichts neuer Cybermobbingvorfälle vor großen pädagogischen Herausforderungen. Doch wenn man ebenso der These folgt, dass der digitale Wandel nicht aufzuhalten ist, dann ist klar, dass sich die Schulen diesen Herausforderungen stellen müssen und ein neues Konzept zum Lernen mit und über Medien aufstellen müssen. Nicht zuletzt müssen die Schulen die Schülerinnen und Schüler für die Berufswelt 4.0. fit machen. Das bedeutet, dass der Aufbruch in die digitale Welt an den Schulen nicht vorbeigehen kann. Doch wie kann er gelingen?
Der Aufbruch in die digitale Welt
Der Schweizer Bildungsforscher Nando Stöcklin z.B. plädiert für einen handlungsorientierten Ansatz, denn man lernt nicht schwimmen, wenn man nicht im Wasser ist. Er schlägt die folgenden sechs Schritte vor, die sowohl für die einzelnen Personen im System Schule gelten als auch für die Organisation als solche (vgl. Stöcklin 2018):
„Ich vernetze mich digital. So lege ich die Grundlage für meine Identität im digitalen Raum und beginne das Potenzial der Digitalität zu nutzen.
Ich teile, was ich habe, denn die digitale Netzkultur lebt vom Teilen. Ich teile Informationen in Blogs, Sozialen Netzwerken oder Chats. So beginne ich den Wert des Gebens und Nehmens in Netzwerken zu erkennen.
Ich versuche Probleme mit Hilfe des Internets zu lösen. So erkenne ich...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 17 / 2019

Digitalisierung – Nicht nur irgendwas mit Medien

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13