Frauke Peters

Externer Motor?

Frauke Peters

Schulinspektion und Qualitätsveränderung in Schulen

Was bisher geschah
Nach dem Pisa-Schock im Jahr 2005 wurden in allen 16 Bundesländern Qualitätsagenturen gegründet. In der föderalistischen Struktur bedeutet dies auch 16 unterschiedliche Verfahren. Auf einer regelmäßig stattfindenden Konferenz „Kodex = „Konferenz der deutschen Einrichtungen für die externe Evaluation von Schulen berichten die Bundesländer, aber leider nicht alle und auch nur im Überblick, über ihre Arbeit auf diesem Gebiet.
Die Qualitätsagenturen sollen den Schulen Instrumente zur Diagnose und zur Verbesserung ihrer Leistungen zur Verfügung stellen, sie sollen die Schulen extern begutachten und Empfehlungen aussprechen. Jedes Bundesland hat Referenzrahmen für die Schulqualität formuliert, die sich bei unterschiedlichem Wortlaut alle inhaltlich ähneln. Schulinspektionen oder Rückmeldungen an die Schulen sind nicht mehr in allen Bundesländern verbindlich, sondern können, beispielsweise in Schleswig-Holstein, auf Anfrage durchgeführt werden. Und nur wenige Bundesländer veröffentlichen die Evaluationsberichte, etwa Berlin und Brandenburg. Die externe Begutachtung nennt sich z.B. Schulinspektion, Schulevaluation, Fremdevaluation oder auch Schulfeedback. Eine oder vielmehr die zentrale Frage lautet: Hat sich die Unterrichtsqualität durch die Qualitätssicherungsverfahren verbessert? Sind die Schülerleistungen besser geworden?
Viele Schulen bereiten sich akribisch auf die Inspektoren- oder Evaluatorenbesuche vor und erarbeiten umfangreiche Materialien, in denen ihre Prozesse und Projekte ausführlich beschrieben werden. Je nach Bundesland und Verfahren werden Kurzbesuche im Unterricht vorgenommen und fließen neben der Dokumentenanalyse und der Analyse von Fragebögen sowie Interviews mit Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und gegebenenfalls Ausbildern in die Begutachtung ein. Im Fokus steht die Schule, nicht die einzelne Lehrkraft, was wenn man die Ergebnisse der Hattie-Studie ernst nimmt zu bedauern ist, denn die individuelle Lehrperson hat erheblichen Einfluss auf das Lernen.
Grenzen der Schulinspektion
Bei der Schulinspektion kann es zu kuriosen Auswüchsen kommen, wie die „Causa Bergius in Berlin zeigt. Der Friedrich-Bergius-Schule (Klasse 7 – 10) in Berlin-Friedenau gelang es, nachdem die Schülerzahlen stark rückläufig gewesen waren und der Ruf der Schule nahezu ruiniert war, durch eine konsequente Schulleitung und ein engagiertes Kollegium ein konstruktives Schulklima sowie eine optimale Lernzeitnutzung durchzusetzen unter anderem mithilfe von klaren Regeln, Disziplin und manchmal auch Strenge. Der Erfolg gibt dieser Schule, an die viele Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern kommen, Recht. Denn etwa ihre Durchfallquote bei der Abschlussprüfung liegt nun unter dem Berliner Durchschnitt. Gewalt gibt es im Gegensatz zu früher kaum mehr. Allerdings arbeitete das Kollegium zum Zeitpunkt der Schulinspektion mit althergebrachten Jahresplänen und nicht mit kompetenzorientierten Plänen oder einem Schulcurriculum. Auch eine erweiterte Schulleitung neben dem Schulleiter und der Konrektorin suchte man in dem etwa 40-köpfigen Kollegium vergebens. Die Schulinspektion Berlin vermisste bei ihrem Besuch 2018 eine pädagogische Fortentwicklung sowie einen demokratischen Ansatz an der Schule. Zu viel Frontalunterricht, zu wenig selbstständiges Lernen, antiquierte Betonung von Fachwissen. Der Bildungsjournalist Michael Felten kommentierte am 03.09.2018 im Deutschlandfunk dazu spitz: „Bildungsprozesse sind keine Brötchenbackstraßen zwischen Schülern und Lehrern lässt sich nicht alles messen.
Was haben Inspektionsverfahren bewirkt?
Was Inspektionsverfahren konkret zu leisten vermögen, ist nicht unumstritten. Mal wird die Standardisierung der Instrumente infrage gestellt, mal wird die Qualifikation der Evaluatorinnen und Evaluatoren kritisch betrachtet und ihnen eine gewisse...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 17 / 2019

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