Michael Bigos

Bring Your Own Device

Michael Bigos

Ein Einstieg in digitales Lehren und Lernen?

Die Lebenswelt Jugendlicher ist stark von Smartphone, Tablet und digitalen Inhalten geprägt. Doch die private Mediennutzung von Schülerinnen und Schülern und die schulische Medienwelt liegen dabei oft weit auseinander. So hat die digitale Bildung in der Schule oft nur wenig Platz.
In der Vergangenheit waren Bildungsmedien wie Bücher, Karten, Labore oder Anschauungsmodelle vor allem in der Schule zu finden. Sie hatte sozusagen nicht nur das Personal, sondern auch in puncto Ausstattung die Nase vorne. Mit digitalen Medien ändert sich dies nun. Die Welt der Bildungsmedien steht Kopf. Informationsbeschaffung, Kommunikation und mediale Präsenz sind in der privaten Sphäre wesentlich weiter als im Bildungssystem. 97% der Jugendlichen ab 14 Jahren besitzen nach der JIM-Studie 2018 ein eigenes Smartphone. Hinzu kommt noch eine hohe Verfügbarkeit von PCs, Laptops oder Tablets im heimischen Haushalt.
Praktisch allen Schülerinnen und Schülern steht also vor, zwischen und nach dem Unterricht die digitale Welt über das eigene Gerät offen. Darin verbirgt sich ein Schatz für die schulische Mediennutzung, der nur darauf wartet, gehoben zu werden.
Das Konzept BRING YOUR OWN DEVICE (BYOD), also „bring dein eigenes Gerät mit, steht für diesen pädagogischen Zugriff auf die medialen Potenziale, die in Hosentaschen und Rucksäcken der Jugendlichen verborgen liegen.
Warum BYOD?
BYOD ist ein Konzept, um digitale Bildung ohne große finanzielle und technische Hürden bei Anschaffung und Instandhaltung an der Schule anzustoßen. Smartphones und Tablets, also mobile Endgeräte, sind für die Jugendlichen sehr wichtig und kaum aus ihren Händen wegzudenken. BYOD bedeutet nun, dass Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Geräte im Unterricht verwenden. Dadurch können auch Schulen ohne gute IT-Infrastruktur digitale Medien in den Unterricht integrieren.
Da die Welt (zumindest außerschulisch) zunehmend digital erscheint, sollte sich auch die schulische Bildung dem nicht verschließen. Je stärker mobile Endgeräte Teil der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler werden, umso unzeitgemäßer wirkt die analoge Schule als Prinzip. Wenn der Unterricht aber an die Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler ankoppelt, gewinnt er an Authentizität in unserer modernen Gesellschaft. Gleichzeitig kann dabei eine Bildung in der digitalen Welt einer unkritischen und rein rezipierenden Medienhaltung im Internet besser vorbeugen.
Vor- und Nachteile von BYOD
Auf den ersten Blick hat BYOD nur Vorzüge. Es ist schnell umgesetzt und löst einen bildungspolitischen Anspruch ein. Dennoch handelt es sich nicht um ein voraussetzungsfreies Konzept. BYOD bietet viele Vorteile, aber hält gleichzeitig auch Herausforderungen für die Schule und die Lehrkräfte bereit.
Die Pluspunkte von BYOD im Klassenzimmer sind u.a.:
  • Verfügbarkeit (alle haben ein Gerät, mit dem sie arbeiten können);
  • geringer Finanzbedarf für die Schule;
  • erweiterte Möglichkeiten für die Unterrichtsgestaltung,
  • Verbindung zwischen Schulalltag und Lebenswelt der Jugendlichen.
Und doch ist nicht alles einfach und BYOD ist kein Allheilmittel für die schlecht ausgestattete Schule, denn es gibt auch Nachteile, die mit dem Konzept einhergehen:
  • große Heterogenität der technischen Ausstattung (viele unterschiedliche Geräte, Betriebssysteme und Softwarelösungen);
  • unterschiedliche digitale Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, z.B. isolierte Kompetenzen für Apps, wie Instagram, große Streuung der Kompetenzen für die schulischen Anwendungsbereiche, wie Recherchieren oder Organisation von Daten (vgl. ICLIS 2013);
  • keine Kontrolle über die Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler;
  • Abhängigkeit vom Akku-Ladestand, Funktionsumfang und Software der mobilen Endgeräte der Schülerinnen und Schüler.
Nicht außer Acht lassen sollte man auch die Frage, ob in der Klasse alle Schülerinnen und Schüler mobile Endgeräten besitzen, trotz der großen...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 17 / 2019

Digitalisierung – Nicht nur irgendwas mit Medien

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13