Felicitas Macgilchrist

Bildungsmedien digital

Am Isar Gymnaisum in München werden im Juni 2020 Homeschooling und Präsenzunterricht verbunden, sodass Kontakt zu allen in der Lerngruppe gehalten werden kann.
Am Isar Gymnaisum in München werden im Juni 2020 Homeschooling und Präsenzunterricht verbunden, sodass Kontakt zu allen in der Lerngruppe gehalten werden kann., © picture alliance/SZ Photo/Florian Peljak

Felicitas Macgilchrist

Diskurse und deren Wirkkraft in der Corona-Pandemie

Es gibt drei unterschiedliche Zugänge zu digitalen Medien und Schule, die auch bereits vor der Corona-Pandemie zu hören waren. Welche dieser „Diskurslinien weist innovative Wege der Schulentwicklung vor, und welche Wirkkraft könnte sich nach der Corona-Pandemie entfalten? Diese Fragen werden hier beantwortet.

Wurden in den letzten Jahren digitale Medien und Schule oder Digitalisierung und Schule besprochen, wurden didaktische Modelle, digitale Kompetenzen und technische oder infrastrukturelle Herausforderungen thematisiert. Vernachlässigt wurde bei diesen Debatten aber oft, dass wir bei der Gestaltung und beim Einsatz digitaler Bildungsmedien in der Schule auch die Zukunft der Schule und der Gesellschaft mitgestalten. Denn „Medien übertragen nicht einfach Botschaften, sondern entfalten eine Wirkkraft, welche die Modalitäten unseres Denkens, Wahrnehmens, Erfahrens, Erinnerns und Kommunizierens prägt (Krämer 1998).
Wirkkraft
Besonders relevant so die Grundannahme in diesem Beitrag ist also nicht in erster Linie die Wirkkraft der groß angekündigten technischen „Disruption, die dabei erwartet wird. Viel wichtiger scheinen die subtilen soziotechnischen Änderungen im schulischen Alltag. Bildungsmedien bestehen immer aus einer technischen Dimension (das Gerät, die Software, das WLAN) und einer sozialen Dimension (die Kommunikation, die Beziehungen zwischen Nutzer/-innen, die Autoritätsverhältnisse, die Entscheidungsmacht, die Sorgen, die Freuden, das gemeinsame Einüben von Praktiken). Ändert eine Schule die Technik, mit der sie arbeitet, ändert sie auch die sozialen Beziehungen, in der die Schülerinnen und Schüler, Lehrende und weitere Stakeholder eingebettet sind.
Digitale Bildungsmedien und die Corona-Pandemie
Auch der Diskurs über digitale Medien und Schule im Lehrerzimmer, in Konferenzen, in der Presse und auf sozialen Medien entfaltet eine Wirkkraft. Denn Wörter prägen das, was für uns vorstellbar, sinnvoll und wünschenswert erscheint (Žižek 2009). Sie prägen dadurch auch die konkreten Entscheidungen, die in Schulen über die Praxis gemacht werden. Drei „Diskurslinien über digitale Medien und Schule werden hier vorgestellt. Diese Diskurslinien zirkulieren seit einigen Jahren und spitzten sich während der SARS-CoV-2-Pandemie im Frühjahr 2020 zu, als der Druck auf Schulen stieg, gute Lösungen für das Lernen während der Schulschließungen zu finden. Ich zeige sie getrennt in diesem Beitrag auf, obwohl sie im Alltag oft miteinander verzahnt sind.
1. Medien der Übersetzung
In einer seit Jahren prominenten Diskurslinie wird die möglichst schnelle und möglichst umfassende „Digitalisierung propagiert. In Schlagzeilen wird die „Digitalisierung der Schule gewünscht. Es wird bemängelt, dass Deutschland „hinterherhinke und angesichts der Entwicklung in anderen Ländern „aufholen müsse. Während der Anfangsphase der Corona-Pandemie war vielerorts zu lesen, dass, wenn die Schulen nur besser ausgestattet gewesen wären mit besserer Infrastruktur, digital kompetenten Lehrkräften und deutlich mehr Praxiserfahrung mit digitalen Bildungsmedien das „Home Schooling leicht gewesen wäre. Auf einmal war die Frage des „Mehrwerts digitaler Medien leichter zu beantworten.
Als Unterstützung für Schulen und gleichzeitig als eine Marketingstrategie boten viele Anbieter ihre Lernsoftware oder Lernumgebung rasch für ein paar Monate kostenlos an. Durchaus erfolgreich: Die Server vieler Anbieter mussten wegen der Anfragenflut aufrüsten.
In den Nachrichten, sozialen Medien und in der Kommunikation der Anbieter mit potenziellen Nutzerinnen und Nutzern werden in dieser Diskurslinie digitale Bildungsmedien als Werkzeuge gesehen, die bekannte Formen des Präsenzunterrichts ins Digitale übersetzen. Erwähnt werden z.B. Videokonferenzen (die das Klassengespräch ersetzen), Lernplattformen (die Bücherregale und...

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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 91 / 2020

Unterricht digital

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13