Manuel Lillig

Anschluss an die Schülerwelt nicht verpassen!

Manuel Lillig

Ermunterung, aktuellen Herausforderungen zu begegnen

Schülerinnen und Schüler treten heute mit ihrer Umwelt über moderne Kommunikationsmedien in Kontakt mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie von Angesicht zu Angesicht interagieren. Längst muss daher das Beziehungsgeflecht zwischen Schule, Schülerinnen und Schülern und ihrem Umfeld um die Komponente moderner kommunikativer Medien erweitert gedacht werden (s. Abb. 1).
Im ersten Teil dieses Beitrags wird dies illustriert, indem aus psychologischer Perspektive einige wichtige Funktionen aufgezeigt werden, die moderne Medien (insbesondere Smartphone und Internet) für Schülerinnen und Schüler erfüllen. Der zweite Teil bietet orientierende Impulse für eine strukturelle Verankerung des Themenkomplexes in Schule sowie für das Erarbeiten passender Lösungen im Einzelfall.
Die Rolle der modernen Medien für Schülerinnen und Schüler
Die virtuelle Welt hat meist eine enorme persönliche Bedeutung für Schülerinnen und Schüler. Folgende Beispiele sollen dies illustrieren:
Die Frage des Zugangs zur WhatsApp-Gruppe der Freundinnen und Freunde entscheidet mit darüber, wie gut das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit befriedigt werden kann. Frank J. Robertz vom Institut für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie in Berlin spricht in diesem Zusammenhang von der „Nabelschnur zur peer group. Wer im Gegensatz zu den Klassenkameraden z.B. gar kein Smartphone besitzt, ist automatisch von einem Großteil des sozialen Lebens dieser Gruppe abgeschnitten.
Die Selbstdarstellung in sozialen Medien ist ein wesentliches Mittel, um die Wahrnehmung der eigenen Person durch andere zu beeinflussen (in der Sozialpsychologie als „impression management bezeichnet). Dies hat direkte Auswirkung auf die eigene Stellung in der peer group und beeinflusst damit die Beziehungen.
Die vielen Möglichkeiten der virtuellen (sozialen) Welt, sich Informationen zu besorgen und mit Identitäten und Selbstdarstellungen zu experimentieren, haben für Jugendliche eine besondere Funktion bei der Beantwortung der Frage „Wer bin ich?. Damit wird ein zentrales alterstypisches Bedürfnis nicht nur, aber zu einem beachtlichen Teil online befriedigt.
Handy und Internet sind damit also fester Teil der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern. Selbst wenn Probleme, wie z.B. Cybermobbing, auftreten, ist das komplette Ausschalten des Smartphones also oft keine gute Lösung, weil dies für die Betroffenen erstens mit hohen psychologischen Kosten verbunden wäre und zweitens die Probleme in der Regel nicht auf die mediale Interaktion begrenzt bleiben, sondern sich auch in der direkten (schulischen) Interaktion inszenieren. Da es keine rezeptartigen Lösungen gibt, sollten je im Einzelfall Lösungen erarbeitet werden, die beide Bereiche einbeziehen und dabei die Besonderheiten der virtuellen Welt berücksichtigen.
Hin zu schulischen Strukturen und individuellen Lösungen
Ob Cybermobbing, Pornografie, Gewaltdarstellung oder sogenannte Loverboys, die über das Internet vorgetäuschte Liebesbeziehungen zu Mädchen aufbauen, um diese hörig zu machen und sie dann z.  B. zum Drogenhandel oder zur Prostitution zu bringen manches, das in der Welt von Handy und Internet geschieht, kann neben der einzelnen Schülerin bzw. dem einzelnen Schüler eine ganze Klasse, eine Jahrgangsstufe oder die ganze Schule betreffen und seine Kreise auch über die Grenzen der Schule hinaus ziehen. So unterschiedlich die Phänomene sind und so einzigartig die Lösung in jedem Fall aussehen muss, Schulen sind gut beraten, Strukturen aufzubauen, die flexibel genug sind, um dann für den Einzelfall passende Lösungen zu entwickeln. Damit können Grundlagen für eine effektive Bewältigung von Problemen in Schule gelegt werden, lange bevor Probleme auftreten.
Handlungsideen und Ressourcen dafür können über folgende Fragen aufgespürt werden:
  • Wie können wir die Schulgemeinschaft für Gefahren aus dem virtuellen...
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Fakten zum Artikel
aus: Lernende Schule Nr. 79 / 2017

Digitalisierung in der Schule

Schuljahr 1-13