Hartmut Lenhard

Was man religionspädagogisch gegen Antisemitismus tun kann

© imago images / Steffen Schellhorn

Hartmut Lenhard

Schülerinnen und Schüler zu befähigen, selbst aktiv, argumentativ, empathisch und mutig Antisemitismen zu widersprechen: Das ist ein anspruchsvolles Ziel, aber ein in jeder Hinsicht unerlässliches, das den Kern des Religionsunterrichts berührt.

Judenfeindschaft: Was ist das?
Judenfeindschaft: Was ist das?
Judenfeindschaft ist ein Chamäleon. Sie nährt sich aus unterschiedlichen Quellen und passt sich in immer neuen Formen den zeitgeschichtlichen Gegebenheiten an. Ihre unterschiedlichen Gestalten sind häufig miteinander verknüpft. Methodisch zu unterscheiden sind:
  • Klassische Formen der Judenfeindschaft der religiöse Antijudaismus; der soziale Antisemitismus; der politische Antisemitismus; der nationalistische Antisemitismus; der rassistische Antisemitismus
  • Neuere Formen der Judenfeindschaft
der sekundäre/Post-Holocaust-Antisemitismus;
der antizionistische/israelbezogene Antisemitismus
Ausführlicher dazu: Unabhängiger Expertenkreis Antisemitismus (Hg.), Antisemitismus in Deutschland aktuelle Entwicklungen, Berlin 2017, S. 26 ff.
Weitere informative Darstellungen:
EZW, Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen, Materialdienst 11/13, online unter: https://www.ezw-berlin.de/downloads/Materialdienst_11_2013.pdf
Hartmut Lenhard, Antisemitismus was geht mich das an? Braunschweiger Beiträge zur Religionspädagogik, 157, 2/2019, S. 17-30; Vielfalt und Schule. Hrsg. ARPM, Schriftleitung Heiko Lamprecht / Imke Heidemann
Den Grundtenor pädagogischer Arbeit hat bereits 1966 Theodor W. Adorno in einem Rundfunkbeitrag „Erziehung nach Auschwitz angeschlagen1:
„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. [] Man muss die Mechanismen erkennen, die die Menschen so machen, dass sie solcher Taten fähig werden, muss ihnen selbst diese Mechanismen aufzeigen und zu verhindern trachten, dass sie abermals so werden, indem man ein allgemeines Bewusstsein solcher Mechanismen erweckt.
Welche besonderen Aspekte dieser Querschnittsaufgabe aller Fächer nimmt der Religionsunterricht wahr?
Die Perspektive des Religionsunterrichts resultiert zum einen daraus, dass der moderne Antisemitismus in seinen unterschiedlichen Facetten aus dem Wurzelgrund einer fast 2000-jährigen Geschichte christlicher Judenfeindschaft erwachsen ist. Zum andern ist das Verhältnis von Juden und Christen nach der Shoah in beiden großen Kirchen einer tiefgreifenden theologischen Revision unterzogen worden.
In der evangelischen Kirche war es die Evangelische Kirche im Rheinland, die 1980 einen wegweisenden Beschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden2 fasste. Der Schlüsselsatz lautet: „Wir glauben die bleibende Erwählung des jüdischen Volkes als Gottes Volk und erkennen, dass die Kirche durch Jesus Christus in den Bund Gottes mit seinem Volk hineingenommen ist. Zudem bekennt sich die Synode zu der Einsicht, dass „die fortdauernde Existenz des jüdischen Volkes, seine Heimkehr in das Land der Verheißung und auch die Errichtung des Staates Israel Zeichen der Treue Gottes gegenüber seinem Volk sind. Hinter diese Einsichten kann die evangelische Kirche nicht zurück. Im Gegenteil: Die Konsequenz daraus ist die pointierte und kategorische These der EKD: „Antisemitismus ist Gotteslästerung.3
Was folgt daraus für den Religionsunterricht?4
Judenfeindschaft als Unterrichtsthema
Judenfeindschaft als Unterrichtsthema
Folgende zehn Thesen zum Umgang mit dem Thema im Religionsunterricht können als Leitlinien dienen, aber auch z.B. in Religionsfachschaften diskutiert werden:
  • Gegenüber dem Antisemitismus gleich in welcher...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 38 / 2020

Judenfeindschaft – Was hab' ich damit zu tun?

Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 5-10