Gerhard Naber

Was erzählen Stolpersteine?

Stolpersteine in Nordhorn, Hauptstr. 49
Stolpersteine in Nordhorn, Hauptstr. 49, Foto: © Gerhard Naber

Gerhard Naber

Ein lokalgeschichtliches Projekt zur Erkundung der Lebenswelt jüdischer Kinder in der NS-Zeit

Thematischer Schwerpunkt
Das Projekt „Stolpersteine wurde 1992 von dem Aktionskünstler Gunter Demnig von Köln aus initiiert und wird seitdem in zahlreichen Ländern durchgeführt. Inzwischen liegen über 75000 Steine an etwa 1300 Orten in 24 Ländern. Im Pflaster vor der letzten Wohnung eines Holocaust-opfers werden quadratische Messingtafeln eingelassen, die mit von Hand eingeschlagenen Lebensdaten beschriftet sind. So soll an Menschen erinnert werden, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. (Zur Kritik an dem Projekt vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine#Kritik)
Die Kinderakademie 2016 wurde vom Kloster Frenswegen für den Zeitraum 9. – 11. Juni 2016 für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren angeboten. Mitveranstalter waren die Niedersächsische Schulbehörde Abteilung Osnabrück und das Kultusministerium des Landes Niedersachsen. Unter dem Titel „Wege finden wurden sechs Workshops angeboten, u.a. der „Workshop Geschichtswerkstatt Spuren suchen, Wege finden. Zwölf Schülerinnen und Schüler teils aus Grundschulen, teils aus Oberschulen und Gymnasien nahmen an diesem Kurs teil.
Eine Dokumentation der Kinderakademie ist digital unter dem Link https://www.forum-juden-christen-nordhorn.de/forumsarbeit-2016-2018 verfügbar und sollte bei der Planung eines eigenen Projektes unbedingt angeschaut werden.
Das Projekt verfolgte einen lokalgeschichtlichen Ansatz, dessen Fokus allerdings nicht allein auf die Erhebung biografischer Daten gerichtet war, sondern den Kindern auch einen emotionalen Zugang zu den konkreten Personen bieten sollte. Angesichts der historischen Ferne und Fremdheit der Ereignisse, der Monstrosität der Shoah und der Entwicklungsstufe der Kinder leistet ein solcher Zugang eine behutsame, kindgemäße Annäherung an jüdische Menschen in der NS-Zeit. Die Ermordung der Juden wird nicht verschwiegen, steht aber nicht im Vordergrund; wesentlich ist dagegen, wie das Leben der jüdischen Kinder allmählich, jedoch immer massiver eingeschnürt wurde. Eine solche empathieförderliche Einführung in den Jahrgangsstufen 5/6 schafft Identifikationsmöglichkeiten und bietet eine notwendige Grundlage im RU, auf der unterschiedliche Aspekte der christlichen Judenfeindschaft, der Begegnung mit Juden heute und des Judentums als geschwisterliche Religion des Christentums entfaltet werden können.
Lernsituation
Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass bei Kindern dieses Alters kaum oder nur bruchstückhaftes Wissen um die Vorgänge der Shoah vorhanden sind. Gerade das spurenhafte Wissen kann aber bei Kindern Neugier und Interesse wecken.
Bei der Arbeit an den Zeitdokumenten kann erwartet werden, dass eine spontane Solidarität mit den jüdischen Kindern entsteht und sich Kinder in deren sich ständig verschlimmernde Lage hineinversetzen. Daraus können sich dann ethische Fragen entwickeln: Wie könnte Solidarität aussehen und gelebt werden? Gibt es Beispiele für Beistand in den schwierigen Situationen? Wo finden sich Maßstäbe für die Entscheidung, was Recht und was Unrecht ist?
Insgesamt kommt es darauf an, dass die Kinder so viel wie möglich ihre Forschungen selbst in die Hand nehmen; die Lehrperson sollte dabei auch das eine oder andere historisch Fragwürdige zunächst gelten lassen.
Anforderungssituation
Die „Stolpersteine stellen an sich schon eine Anforderungssituation dar: Beim Gang durch einen Ort stößt man plötzlich auf die glänzend auffälligen Messingplaketten, bleibt kurz stehen, liest den eingeprägten Text, macht sich darüber Gedanken und möchte eigentlich Weiteres über die erinnerte Person wissen. In manchen Kommunen hat man neben die eigentlichen Stolpersteine zur weiteren Information Steine mit QR-Codes eingelassen.
In unserem Projekt bilden die Stolpersteine den roten Faden für die Erschließung der Leidenswege der...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 38 / 2020

Judenfeindschaft – Was hab' ich damit zu tun?

Friedrich+ Kennzeichnung Projekt Schuljahr 5-6