Imke Heidemann

„Und was gönnst du dir Schönes?!“

Die umstrittene Bischofsresidenz in Limburg
Die umstrittene Bischofsresidenz in Limburg, Foto: © travelview/shutterstock.com

Imke Heidemann

Maßlosigkeit und Intransparenz im Kontext Kirche

Thematischer Schwerpunkt
Luxus und Kirche? Wie passt das zusammen? Mit dem Fall Tebartz-van Elst wurde eine nicht nur innerkirchliche Auseinandersetzung mit der Frage nach dem richtigen Maß im kostspieligen Umgang mit dem Schönen besonders virulent. Denn nicht nur beispiellose Maßlosigkeit, sondern auch der intransparente Umgang mit Kirchensteuern für private Räumlichkeiten ließen Menschen so an der Institution Kirche zweifeln, dass sie mit Kirchenaustritten reagierten. Zu groß waren die Widersprüchlichkeiten eines hohen Kirchenrepräsentanten mit Luxusallüren und der christlichen Ethik der Hinwendung zu den Hilfsbedürftigen und der Abwendung vom „Mammon.
Wieder aktuell wurde 2019 die Frage nach einem reflektierten Umgang mit dem Fall „Tebartz-van Elst durch die Nutzung der Räumlichkeiten der Luxuswohnung für das Diözesanmuseum in Limburg. Für die Besucher wird hier zum einen erfahrbar, welcher Luxus für den privaten Bereich geplant war und wie die Räumlichkeiten heute genutzt werden, zum anderen aber auch, wie an diesem Ort mit dem Fall umgegangen wird.
Im Rahmen der Entwicklung eines fundierten Standpunktes im Fall Limburg bedarf es einer Auseinandersetzung mit der grundlegenden Frage, ob Christen generell auf Luxus und die Faszination für das Schöne verzichten müssen. Der Blick in die Bibel zeigt unterschiedliche Antwortversuche auf: Kohelet ruft dazu auf, angesichts der Endlichkeit sein Leben zu genießen, während im Neuen Testament u.a. zum Nachdenken darüber, was man zum Leben braucht, angeregt wird. Mit Anselm Grüns Gedanken zu einer Spiritualität der Schönheit kann eine maßvolle, aufrichtige und zugleich wertschätzende Haltung aufgezeigt werden, die eine Faszination für Schönheit mit dem christlichen Glauben vereint.
Lernsituation
In Zeiten von Corona sind erhebliche Veränderungen in der Lebensgestaltung auch für die Jugendlichen dieser Altersstufe spürbar. Debatten über Nachhaltigkeit, Umgang mit Verzicht und Vorteilen eines „Weniger ist mehr sind in Gesellschaft und Familie angesichts der persönlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen unüberhörbar und für die Jugendlichen bedeutsam. Lebensstandards und Wünsche für die eigene Lebensgestaltung sind nunmehr nicht selbstverständlich. Gleichzeitig befinden sich die Jugendlichen dieser Altersgruppe in einer Phase, in der vieles auf dem Prüfstand steht und hinterfragt wird. Dies gilt auch für Institutionen und glaubwürdige Sinnangebote, wie es der Anspruch der Kirche ist.
Der Fall Tebartz-van Elst wird bei den Jugendlichen sicherlich diesbezüglich auf Ablehnung stoßen. Ebenso kann eine gegensätzliche, auf Verzicht basierende Lebensweise, die dem Christentum gerne zugeschrieben wird, auch nicht ansprechen.
Die Unterrichtssequenz greift diese entwicklungsbedingten Lernvoraussetzungen auf und macht sie zum Thema. Zum einen setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Frage nach dem rechten Maß auseinander, ohne zu persönlich eigene Bedürfnisse und Ansprüche zu thematisieren. Zum anderen hinterfragen sie, im Sinne einer reflektierten christlichen Haltung, exemplarisch Verhaltens- und Denkweisen christlicher Kirchenvertreter und Theologen, setzen diese mit ethischen Grundprinzipien und spirituellen Perspektiven in Beziehung.
Lernimpuls
Zu Beginn der Sequenz steht die Frage: „Was gönne ich mir Schönes? Indem die Jugendlichen zunächst bei sich ansetzen und ihr Verhalten und Denken im Umgang mit Schönem bewusst wahrnehmen, kann die Dimension der maßlosen Gestaltung der privaten Wohnung Tebartz-van Elsts im Bischofssitz auf Kosten der Kirchensteuerzahlenden im Kontrast zu dem, was sie sich gönnen, hervortreten bzw. in Relation dazu gesetzt werden. Gleichzeitig ermöglicht der Impuls eine Erhebung der Lernausgangslage in Bezug auf die Haltungen der Schülerinnen und Schüler.
Lernarrangement
1. Lernschritt
Was gönne ich mir Schönes? Eine Umfrage
Ein Fragebogen (M1...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 40 / 2020

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