Andreas Wittmann

Süßer die Kassen nie klingeln

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Andreas Wittmann

Mit Schülerinnen und Schülern über die ökonomische Dimension des Weihnachtsfestes nachdenken

Weihnachten Christen feiern das Fest der Menschwerdung, das Fest, in dem sich Gott als Urbild des Schenkens offenbart. Im Wettlauf um die Deutungshoheit des Weihnachtsfestes scheint die christliche Vorstellung zunehmend zu verblassen. Der Zweck des Festes wird durch seine wirtschaftliche Bedeutung definiert.1 Die nachfolgende Unterrichtseinheit problematisiert diese Tatsache und zeigt, wie Schülerinnen und Schüler darüber reflektieren können.

Über 90 Milliarden Euro wurden 2017 in den letzten beiden Monaten im Jahr in Deutschlands Einzelhandel umgesetzt. Weihnachten entpuppt sich als der „brutalste und verheerendste Kaufrausch der Weltgeschichte2, das Fest, auf das die Gesellschaft „aus wirtschaftlichen Gründen schon gar nicht mehr verzichten kann3. Wenn das Weihnachtsfest aber seinen Sinn und seine Symbolkraft nur noch im Ankurbeln des Wirtschaftskreislaufes sieht, verkommt es zu einem Fest ohne spiritueller Substanz und ethischer Verpflichtung.
Unterrichtsbausteine
Baustein 1: When it is Christmas? / Lernstandserhebung
Baustein 1: When it is Christmas? / Lernstandserhebung 1 Stunde
Um möglichst viel vom weihnachtlichen „Umsatzkuchen abzubekommen, werden viele Unternehmen schon früh aktiv. Weihnachtsgebäck wird zum Herbstgebäck. Rein ökonomisch gedacht, scheint sich der frühe Start auszuzeichnen (M1 ). Die SuS lesen die Meldung vom 3. August 2018 und begründen, mit welchen Ereignissen für sie die Weihnachtszeit beginnt.
Baustein 2: Warum Weihnachten betriebswirtschaftlich schon im April beginnt
Baustein 2: Warum Weihnachten betriebswirtschaftlich schon im April beginnt 1 Stunde
Der frustrierte Weihnachtsmann (M2 ) kann dafür stehen, dass der Sinn des weihnachtlichen Schenkens und Konsumierens allein darin besteht, den Wirtschaftskreislauf anzukurbeln. Im Wettlauf einen tragenden, tieferen Sinn zu definieren, scheint der Mann mit dem Rauschebart verloren zu haben. Die SuS erarbeiten unternehmerische Überlegungen beim Planen des Weihnachtsgeschäftes anhand eines Interviews mit einem Prokuristen (M3 ). In vielen Unternehmen starten die Planungen früh.
Baustein 3: Weihnachten ein „Bescherfest
Baustein 3: Weihnachten ein „Bescherfest 1 Stunde
Das Kaufen und Austauschen von Geschenken ist wichtiger Bestandteil des Weihnachtsfestes. Beim Schenken werden Beziehungen gepflegt. „Es geht um den Kauf und den Tausch [] von Geschenken. [] Die Gabe kann Ausdruck von Anerkennung, Zuneigung, Liebe sein Zeichen dafür, dass der beschenkte Mensch gewünscht und willkommen ist in der Welt.4 Ein Geschenk kann aber auch Ausdruck von Verehrung und Unterwerfung sein oder gar als Versuch gesehen werden, die Gunst eines anderen zu kaufen. Mit Hilfe von M4 kann dies mit den SuS erarbeitet werden. Die SuS erarbeiten die Aufgaben mit Hilfe der Methode Ich Du Wir.
Baustein 4: Ist Weihnachten eigentlich eine Droge?
Baustein 4: Ist Weihnachten eigentlich eine Droge? 1 Stunde
Für Paketzusteller herrscht in den Wochen vor Weihnachten der Ausnahmezustand: Lieferdienste müssen alle Kräfte mobilisieren, um die zu erwartende Paketflut zu bewältigen. Nach Karl Marx erschafft sich der Mensch Religion, um den prekären Lebensumständen, wie sie zum Beispiel in der Paketdienstbranche herrschen (M5 ), zu entfliehen. Eine rein auf Konsum
und Geschenkeaustausch ausgerichtete Weihnachtszeit lenkt ab, wirkt beruhigend und stimmungsaufhellend: So ist Religion „Opium des Volkes.5 Margot Käßmann widerspricht einer Pauschalisierung: Welche Weihnachtsbotschaft müsste das Fest, ihre Überlegungen bedenkend, verkünden?6(M6 )
Baustein 5: Neue Geschäftsideen für das Weihnachtsgeschäft ein Rollenspiel
Baustein 5: Neue Geschäftsideen für das Weihnachtsgeschäft ein Rollenspiel (M7 ) 1 Stunde
Die SuS werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Sie versetzen sich in die...

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 4 / 2018

Im Kapitalismus leben

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