Geschichten vom Anfang

Sonnen und Planeten sind aus dem Urknall erwachsen und wir stammen vom Affen ab wie passt die Schöpfung in dieses Bild? In den hier vorgestellten Büchern und Filmen werden ganz unterschiedliche Antworten versucht und verschiedene Aspekte von Schöpfung und unserem Umgang mit ihr beleuchtet.

Wolf Erlbruch
Die große Frage
Wuppertal 2004/Sonderausgabe 2007
Der vielfach ausgezeichnete Autor und Künstler Wolf Erlbruch beschäftigt sich in seinen Werken mit den zentralen Themen des Lebens.
In „Die große Frage wird die Frage, auf die im Titel annonciert wird, nicht formuliert, sondern lässt sich erst aus den 21 Antworten des Buches erschließen: „Warum bin ich auf der Welt?
Kurze und griffige Antworten darauf geben verschiedene Menschen (Bruder, Großmutter, dicker Mann, Vater, Blinder, Schwester, Mutter), Tiere (Katze, Vogel, Hund, Ente, Kaninchen), Berufe (Pilot, Soldat, Matrose, Gärtner, Bäcker, Boxer), Dinge (die Drei, Stein) und der Tod. Alle zeigen, dass es auf diese wichtige Frage nur sehr persönliche Antworten geben kann.
Den Illustrationen ist der typische Erlbruch-Stil eigen, der sich durch einen Mix aus Collage, Zeichnung und Malerei auf weißem Hintergrund auszeichnet. Das vorliegende Buch ist eine Auftragsarbeit des französischen Départements Val de Marne aus dem Jahr 2003 (Titel: „La grande question), es wurde jedem Neugeborenen seitens des Départements zur Geburt geschenkt.
Die Antworten auf „Die große Frage sind auf den ersten Blick nicht religiös geprägt, allerdings bietet diese existentielle Grundfrage die Möglichkeit, Perspektiven des Glaubens einzutragen, die Antworten des Buches daraufhin zu befragen und darüber theologische Gespräche zu führen. Die anthropologischen Aussagen bieten überdies auch die Basis, schöpfungstheologische Aspekte zu bedenken.
Wunderbar lässt sich die große Frage auch von den Kindern selbst kreativ beantworten und entsprechend bebildern oder im Sinne der Perspektivenübernahme auf weitere Personen wie einen Pfarrer bzw. eine Pfarrerin erweitern.
Bart Moeyaert/Wolf Erlbruch Am Anfang
Wuppertal 3. Aufl. 2003
Die von Bart Moeyaert verfasste eigenwillige Schöpfungserzählung ist von Wolf Erlbruch in anfangs sparsamer und damit dem Schöpfungsprozess entsprechender Weise bebildert.
An der biblischen Vorlage orientiert entfaltet das Buch humor-voll sowie originell den eigentlich bekannten Inhalt. Die Betrachter werden von einem Erzähler, der mit Gott die Schöpfung erlebt, angesprochen und in das Geschehen und die Zusammenhänge der diversen Schöpfungsstationen mit einbezogen, die er ausführlich kommentiert.
So bedenkt er das „Nichts des Anfangs, ist skeptisch gegenüber der Tagwerdung und entgegnet Gott, dass die Land- und Wassertrennung Zufall sei. Während Gott die Pflanzen und anschließend die Tiere erschafft, ist der Erzähler desorientiert und sucht seinen angemessen Platz, den er mit Gott diskutiert. Er ist von der Tierwelt überwältigt und bedenkt selbstkritisch Gott gegenüber, ob er nicht etwa nur ein Fehler sei. Aber Gott verneint das und schafft eine Frau. Im Anschluss ist Gott sehr müde und ruht sich aus.
Im Dialog mit dem Erzähler werden Spuren Gottes beschrieben, zugleich ist er anthropomorph, teilweise fast karikiert abgebildet.
Diese Definitionsansätze kann man konstruktiv nutzen, um über Gottesbilder der jungen Leserinnen und Leser ins Gespräch zu kommen und selbst in der Rolle des Erzählers mitzufragen und mitzudiskutieren.
Ein schöner Impuls zum Theologisieren mit Kindern findet sich am Ende des Buches: Gott schläft am letzten Tag der Woche vor lauter Erschöpfung ein. Wie kann das sein? Wovon ist Gott so müde? Und kann Gott überhaupt müde sein und schlafen? Nach der gesamten Lektüre kann es fruchtbar sein, die biblische Grundlage heranzuziehen und im Vergleich Ähnlichkeiten und Veränderungen im Bilderbuch festzustellen und über Gründe dafür zu spekulieren.
Marcus Pfister
Mats und die Wundersteine Hamburg 1997/...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 31 / 2018

Schöpfung – ist da Gott im Spiel?

Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 5-10