Juden, Israel und Antisemitismus

Foto : © Roman Yanushevsky
Foto : © Roman Yanushevsky

Die Vielfalt von Veröffentlichungen zum Themenbereich ist schier unübersehbar. Es ist nicht einfach, sich darin zurechtzufinden. Das Magazin stellt daher neben einem Jugendbuch sowie pädagogisch brauchbaren Filmen vor allem fundierte Literatur zu Israel vor, die es ermöglichen, sich grundlegende Informationen zu unterschiedlichen Aspekten des Landes, der Menschen und der Konflikte zu verschaffen.

Jugendbücher
Friedhelm Kraft: Grenzgebiete. Liebe in einem zerrissenen Land. Roman. Stuttgart: Calwer, 2018. 112 Seiten. ISBN: 978-3766844835. Broschiert € 9,95. Lehrermaterial: 40 Seiten. ISBN: 978-3766844859. Broschiert € 9,95. Kombipaket: ISBN: 978-3-7668-4486-6. € 10,95.
Der Autor, Oberkirchenrat in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz EKBO, hat den Israel-Palästina-Konflikt in eine Liebesgeschichte verpackt, die sich um eine deutsche Volontärin dreht, die zunächst in Berlin einen jüdischen Israeli kennenlernt, dann in Beit Jala einen arabischen Muslim. Sie arbeitet in ihrem Praktikum in der evangelischen Bildungseinrichtung Talitha Kumi (Beit Jala) im Kindergarten. Dem Autor kommt es offenbar darauf an, die beiden konträren politischen Perspektiven zur Geltung zu bringen, indem er der Protagonistin Mareike eine möglichst „neutrale, gleichwohl aber emotional hoch besetzte Beobachterrolle zuweist. Die Story wird daher durchgehend von einem allwissenden Erzähler erzählt, der natürlich genauestens über die emotionalen Schwankungen seiner Protagonistin auskunftsfähig ist. Diese Konstruktion und die damit verbundene Erzählweise wirken gekünstelt und aufgesetzt, die Liebesgeschichte, die gehörig bis zur Sexszene, Heirats- und Konversionsabsicht ausgewalzt wird, erscheint als Mittel zum Zweck, um letztlich Sachinformationen an den Leser bzw. die Leserin zu bringen.
Die innere Zerrissenheit der Hauptfigur, die hilflos zwischen ihren Gefühlen hin und her schwankt und verschiedenen Meinungen und verwirrenden Informationen ausgeliefert ist, soll offenbar die Situation der Schülerinnen und Schüler spiegeln, die sich mit dem Nahostkonflikt befassen. An keiner Stelle des Buches wird indes der Versuch gemacht, die subjektive Perspektive aufzulösen oder zumindest zu orientieren, etwa dadurch, dass ein Faktencheck angestellt und Behauptungen geschichtlich überprüft werden. Das Buch endet eben da, wo es inzwischen immer endet:
„Beide haben ihr die je eigene Sicht des Konflikts, der Situation gezeigt. Sie kann beide Seiten verstehen. Jede Erzählung hat ihre Berechtigung.
Es bleibt also bei den beiden Narrativen, ähnlich wie in der rheinischen Kirche, die sich inzwischen auf dieses Modell verständigt hat und damit m.E. in Gefahr steht, ihren ursprünglichen Beschluss von 1980 preiszugeben.
Zwar bietet das Begleitmaterial viele gute Informationen und Materialien, die eine historische und politische Aufarbeitung des Konflikts ermöglichen. Die Schüler sollen sich ein eigenes und kritisches Bild des Konflikts machen. Aber es gilt auch hier der Leitsatz:
„Hierfür müssen im Unterricht die beiden Positionen wertfrei und gleichrangig dargestellt und erarbeitet werden.
Drei zentrale Bedenken:
Ist es eine für den Religionsunterricht akzeptable Grundentscheidung, wenn im Buch immer wieder von arabischer muslimischer Seite behauptet wird, der israelische Staat habe keine Existenzberechtigung und die Märtyrer seien Helden ohne dass hier heftiger Widerspruch eingelegt wird? Kann und darf im RU so etwas wie eine Äquidistanz, eine vermeintliche Neutralität, gelten, wenn es um Juden und Israel geht?
Dazu passt, dass auf die theologische Problematik einer Christin zwischen Judentum und Islam eigentlich gar nicht eingegangen wird. Die inzwischen in fast allen Landeskirchen und der EKD erfolgte neue Verhältnisbestimmung von Judentum und Christentum spielt keine Rolle (etwa die Studie „Christen und Juden III). Das mag der wenig überzeugenden Konstruktion zu verdanken sein, nach der die...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 38 / 2020

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