Hartmut Lenhard

Die Schöpfung bewahren – eine alltägliche Herausforderung!

Wursttheke in einem Supermarkt
Wursttheke in einem Supermarkt, Foto: © U. J. Alexander/Shutterstock.com

Hartmut Lenhard

Oder: Was unser Konsum von Fleisch und Wurst damit zu tun hat

Thematischer Schwerpunkt
Der Konsum von Fleisch und Wurst in den westlichen Industrieländern steht seit einigen Jahren im Fokus der gesellschaftlichen und politischen Aufmerksamkeit, zeigt sich hier doch wie in einem Brennglas, welche komplexen Strukturen und katastrophalen Folgen ein globales Wirtschaftssystem zeitigt, das auf der uneingeschränkten Ausbeutung der Ressourcen und Lebensräume des Planeten Erde beruht. (s. Abb. 1 )
Der exorbitant hohe Fleischkonsum in Deutschland wie in anderen Ländern ist einerseits Resultat eines ganzen Bündels von Motiven und Interessen (etwas der Ernährungsindustrie), andererseits hat er bedrohliche und zerstörerische Effekte in Bereichen wie Gesundheit, Tierschutz, Folgen in Entwicklungs- und Schwellenländern, Klima, Wasserversorgung, Armut u.a.m.
Dabei stehen sowohl globale Handelsbeziehungen, Ausweitung von Landflächen für Futtermittel, Auswirkungen auf das Klima (Treibhausgase) und auf regionale Märkte etwa in Afrika (s. Abb. 2 ) in der Kritik als auch inländische problematische Entwicklungen wie Massentierhaltung, Gülleeinsatz, Monokulturen bei landwirtschaftlichen Flächen (Maisanbau), Konkurrenz der Supermärkte und schließlich auch gravierende gesundheitliche Risiken (spezifische Krankheitsbefunde, Antibiotikaeinsatz, der zur Resistenz von Keimen führen kann).
Einzelne Facetten dieses Problemfeldes tauchen immer wieder in Pressemeldungen und Medienberichten auf, sie werden zwar häufig wahrgenommen, lösen aber nur in kleineren Bevölkerungsgruppen gerade auch bei jüngeren Konsumenten ein Umdenken über die eigenen Konsumgewohnheiten aus. Den Großteil der Essenausgaben der privaten Haushalte machen dem Statistischen Bundesamt zufolge Fleisch und Fisch aus, gefolgt von Obst, Gemüse und Kartoffeln vor Brot und Getreideerzeugnissen sowie Molkereiprodukten und Eiern.
Die Tatsache, dass in Deutschland die Ausgaben für Nahrungsmittel gemessen am Einkommen außerordentlich niedrig liegen (10,3% im Vergleich z.B. zu Portugal mit 18% oder Äthiopien mit 56%) weist darauf hin, dass Nahrungsmittel besonders Fleisch und Wurst infolge des scharfen Konkurrenzkampfes der Supermarktketten hierzulande viel zu billig oder minderwertig angeboten werden.
Der permanente Preisdruck hat nicht nur ein Denken begünstigt, das in dem irritierenden Slogan „Geiz ist geil seinen Ausdruck gefunden hat, sondern verschärft die Situation in den landwirtschaftlichen Betrieben, von denen viele nur noch dank der Massentierhaltung überleben können (s. Abb. 4 ).
In theologischer Perspektive werfen diese Entwicklungen eine Reihe von tiefgreifenden ethischen Fragen auf, die nicht nur den Bereich der Umweltethik, sondern etwa auch die Wirtschaftsethik und die Tierethik betreffen. Der konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, der 1983 bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Vancouver begann, hat in den letzten Jahrzehnten deutliche Spuren in der Theologie und den Kirchen hinterlassen.
Die im ÖKR versammelten Kirchen haben sich verpflichtet, sich den zentralen Herausforderungen der Globalisierung zu stellen. Seit 2005 haben sie den Agape-Prozess initiiert, dessen Leitmotiv es ist, „Für eine Wirtschaft im Dienst des Lebens gegen die neoliberale kapitalistisch orientierte Weltwirtschaft einzutreten.
In dem Aufruf zur Teilnahme am Agape-Prozess heißt es u.a.: „Wir verpflichten uns, uns an Aktionen zugunsten von nachhaltigen und gerechten Methoden der Nutzung und des Abbaus von Ressourcen zu beteiligen, in Solidarität mit indigenen Völkern, die versuchen, ihr Land, ihr Wasser und ihre Gemeinschaften zu schützen.
Wir verpflichten uns erneut, den Konsumwahn in Wohlstandsgesellschaften zu hinterfragen, damit letztere sich zunehmend für Selbstbeschränkung und einen einfachen Lebensstil entscheiden. (ÖKR 2006)
Fleisch- und Wurstkonsum...

Friedrich+ Religion

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 31 / 2018

Schöpfung – ist da Gott im Spiel?

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