Sandy Albahri | Orkide Ezgimen

Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus KIgA

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Sandy Albahri | Orkide Ezgimen

Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten

Der Bildungsträger KIgA e.V. entwickelt innovative Konzepte für die pädagogische Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft. Seit 2003 erarbeitet KIgA modellhafte und lebensweltlich orientierte pädagogische Ansätze und Materialien für die politische Bildung und setzt sie in die Praxis um.

Projekte politischer Bildung in der KIgA e.V
Seit ihrer Gründung im Jahr 2003 arbeitet die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V) in den Bereichen der politischen Bildung und Antisemitismusprävention. Sie folgt dem Leitsatz, dass Probleme nur gemeinsam gelöst werden können, und entwickelt pädagogische Konzepte, welche an den Bedarfen einer diversen Gesellschaft ansetzen. Die Diskussionen um den Zuzug geflüchteter Menschen im Jahr 2015 waren ausschlaggebend für die Arbeit in den Projekten Vorurteile abbauen, Vielfalt schätzen und Discover Diversity Between the Present and the Past. Sie nahmen Herausforderungen der historisch-politischen Bildung für, von und mit jungen Geflüchteten in den Blick. Die Projekte verhandeln das Thema Antisemitismus verschränkt mit machtkritischen Perspektiven und Formen von Diskriminierung gegenüber Geflüchteten. Zielgruppenspezifische Angebote können sinnvoll sein, laufen aber auch Gefahr, gesellschaftliche Diskurse, die Antisemitismus als ein Problem „der anderen brandmarken, beispielsweise vornehmlich von Geflüchteten, zu reproduzieren. Es ist notwendig, stigmatisierende Diskurse nicht zu verstärken, gesamtgesellschaftliche Probleme aber zu benennen und Geflüchtete für Erscheinungsformen von Antisemitismus zu sensibilisieren.1
„Willkommensklassen Ankommen in einem neuen Land
Im Rahmen der Projekte wurde eine Qualifizierung für Peer-Trainer*innen durchgeführt. Geflüchtete wurden aktiv in die antisemitismuskritische Bildungsarbeit und Praxis der Entwicklung und Durchführung von Workshops für geflüchtete Jugendliche einbezogen. Die beschriebenen Erfahrungen sammelten wir als Projektmitarbeiterinnen und Trainerinnen mit Schüler*innen in sogenannten „Willkommensklassen. Häufig traten Lehrkräfte an uns heran mit der Erwartung, dass wir die Themen Antisemitismus, Holocaust und Nahostkonflikt bearbeiten sollten, weil ihnen Aussagen und Vorkommnisse in ihrer Klasse in Bezug auf jüdische Menschen und Israel begegnet waren. Die Zielgruppe variierte hinsichtlich Herkunft, Sprache, Alter, Status und Vorbildung. Mehrheitlich kamen die Schüler*innen, darunter Jugendliche palästinensischer Herkunft, aus arabischen Ländern, Westasien, den Ländern des Balkans. Was alle verband, war das Ankommen in einem neuen Land mit einer neuen Sprache, Umgebung, Geschichte und Kultur. Entsprechend gestaltete unser Team die Workshops flexibel und mehrsprachig. Kernthemen waren Vielfalt und Zusammenleben in der Geschichte und Gegenwart Deutschlands. Es wurde einerseits Wissen zum Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg erarbeitet, andererseits wurden Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung und Vorurteile aufgegriffen. Das Verhandeln persönlicher Erfahrungen und Identitäten der Jugendlichen bildete den Rahmen.
Zugänge Neue Erfahrungen vor Ort
Ein relevanter Aspekt ist die Art und Weise, wie wir die genannten Themen an die Jugendlichen herantragen. Zentrale Fragen in unserem Projekt waren immer wieder: Wieso sind unsere Themen relevant für unsere Zielgruppe? Wie können sie sich dazu in Bezug setzen? Aber auch: Inwieweit sind wir als Team bereit, uns auf neue Perspektiven einzulassen? Ein Zugang ist, den Jugendlichen einen neuen Blick auf ihre Umgebung zu ermöglichen. Dadurch werden Aspekte des Zusammenlebens vor Ort für sie erlebbar. Zu diesem Zweck konzipierten wir Exkursionen und Stadterkundungen. Wir wählten Orte und Menschen als Ankerpunkte, die etwas über die für uns relevanten Themen erzählten. Das waren Moscheen, Synagogen und Kirchen, Museen oder Begegnungen mit ganz...

Friedrich+ Religion

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 38 / 2020

Judenfeindschaft – Was hab' ich damit zu tun?

Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 5-10