hartmut lenhard

Beruf: BundeswehrMach, was wirklich zählt?

 Jugendliche werden vor die Frage gestellt, ob sie als Christen in der Bundeswehr dienen sollen
Jugendliche werden vor die Frage gestellt, ob sie als Christen in der Bundeswehr dienen sollen, Foto: © Jörg Hüttenhölscher/stock.adobe.com

hartmut lenhard

Thematischer Schwerpunkt
Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Diktatur wurde 1949 in Art. 4, Abs. 3 Grundgesetz die Bestimmung aufgenommen:
„Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz. Abb. 1
Nach der Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 galt bis 2011 die allgemeine Wehrpflicht, nach der jeder Wehrpflichtige seinen Dienst in der Bundeswehr abzuleisten hatte. Von 1956 bis 1983 (mit einer Unterbrechung 1977/78) musste jeder Verweigerer den Ernst seiner Gewissensentscheidung sowohl in schriftlicher Begründung als auch in mündlicher Anhörung und Befragung zuerst vor einem Prüfungsausschuss, bei Ablehnung vor einer Prüfungskammer (Zweite Instanz) glaubhaft machen. 1983 wurde die Kriegsdienstverweigerung neu geregelt: Ein förmliches Verfahren war nur noch bei Soldaten erforderlich, die während oder nach ihrem Dienst den Wehrdienst verweigerten, bei ungedienten Wehrpflichtigen reichte ein schriftlicher Antrag mit einer persönlichen ausführlichen Begründung. Allerdings wurde die Dauer des Zivildienstes gleichzeitig deutlich verlängert. Da die Entspannungspolitik Früchte trug, die Möglichkeit einer Gewissensentscheidung grundsätzlich in Frage gestellt wurde und überdies die Zahlen der Verweigerer stark anstiegen und sich damit das Problem der Wehrgerechtigkeit stellte, wurde die allgemeine Wehrpflicht 2011 ausgesetzt. Damit entfiel auch die Notwendigkeit einer förmlichen Verweigerung. Allerdings kann diese Aussetzung theoretisch wieder zurückgenommen werden, auch wenn das praktisch nur sehr schwierig sein dürfte. Das Recht, den Wehrdienst zu verweigern, besteht nach wie vor und kann von freiwillig dienenden Soldatinnen und Soldaten in Anspruch genommen werden. In einem solchen Fall müssen aber alle Studien- bzw. Ausbildungsgebühren an die Bundeswehr zurückgezahlt werden.
Seit der Aussetzung der Wehrpflicht ist die Bundeswehr als Berufsarmee aus Freiwilligen bestrebt, Jugendliche für den soldatischen Beruf zu motivieren. Dies geschieht nicht nur durch professionelle Medienauftritte inklusive Videospots, sondern auch durch Plakataktionen, die nicht selten auch vor Schulen präsentiert werden. Zudem können geschulte Jugendoffiziere in den Schulen über die Bundeswehr informieren. Dabei steht im Mittelpunkt der Friedensauftrag, dem die Bundeswehr als demokratisch kontrollierte und an die Verfassung gebundene Armee verpflichtet ist.
In den Kirchen ist die Friedensethik seit 1945 kontrovers diskutiert worden. In lutherischen Kirchen wirkte die Schrift Luthers „Ob Kriegsleute im seligen Stand sein können von 1526 nach und begünstigte die Einrichtung der Militärseelsorge. Dagegen hatte das Plädoyer Bonhoeffers für eine kompromisslose Absage an Krieg (Fanö 1934) eine langfristige ökumenische Wirkung.
Mit den Heidelberger Thesen erkannte die EKD 1959 die Wehrpflicht und das NATO-Konzept der militärischen Abschreckung prinzipiell ebenso wie den Waffenverzicht als mit dem christlichen Glauben vereinbar an. Dabei spielte der von Friedrich von Weizsäcker entwickelte Gedanke einer Komplementarität beider Positionen eine entscheidende Rolle.
1982 formulierte die Evangelisch-reformierte Kirche ein „Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen und erklärte in ihrer Schrift „Das Bekenntnis zu Jesus Christus und die Friedensverantwortung der Kirche diese Frage zur Bekenntnisfrage, vgl. https://www.reformiert-info.de/15273-0-12-2.html (20.01.2019).
1983 initiierte die Vollversammlung des Weltkirchenrates in Vancouver einen „konziliaren Prozess gegenseitiger Verpflichtung auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, der 1989 zu einer gesamtkirchlichen Ökumenischen Versammlung in Basel unter dem Thema „Frieden in Gerechtigkeit und zu „Zehn Grundüberzeugungen christlicher Kirchen auf der Weltversammlung 1990 in Seoul führte, vgl.online unter: https://de.wikipedia.org/wik...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 34 / 2019

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