Jan Woppowa | Mirjam Zimmermann

Konfessionelle Identitätsmarker?!

Religiongsunterricht in einer 6. Klasse einer Berliner Schule mit dem Erzbischof Dr. Heiner Koch und dem evangelischen Bischof Dr. Markus Dröge nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Kooperation im Religionsunterricht
Religiongsunterricht in einer 6. Klasse einer Berliner Schule mit dem Erzbischof Dr. Heiner Koch und dem evangelischen Bischof Dr. Markus Dröge nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Kooperation im Religionsunterricht, Foto: © imago/Ulli Winkler

Jan Woppowa | Mirjam Zimmermann

Die Chancen des konfessionell-kooperativen Unterrichts

Auch wenn an manchen Schulen schon seit einiger Zeit konfessionsübergreifender oder sogar multireligiöser Religionsunterricht angeboten wird nicht selten aus pragmatisch schulorganisarorischen Gründen , gibt es nun mit dem konfessionell-kooperativen Religionsunterricht eine Basis für gemeinsames religiöses Lernen, das die Schülerinnen und Schüler sprach- und pluralitätsfähig machen will.

Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht ist in jüngster Zeit nach übereinstimmender Auffassung der römisch-katholischen Bistümer wie der evangelischen Kirchen in Deutschland eine weitere Regelform von Religionsunterricht auf der Basis von Art. 7.3 GG geworden. Das ist das Ergebnis einer Entwicklung, welche durch unterschiedliche Wegmarken bestimmt wurde, die hier kurz beschrieben werden sollen. In einem zweiten Teil werden die Chancen des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts dargelegt.
Welche Kompetenzen Lehrkräfte für diese Unterrichtsform brauchen, wird knapp skizziert, um dann didaktisch-methodische Leitlinien zu umreißen, die einen Unterricht etablieren helfen, bei dem Schülerinnen und Schüler möglicherweise auch konfessionell „zweisprachig werden. Zweisprachigkeit heißt, die jeweils anderen Konfessionen als eine andere Art, sein Christsein zu leben, wahrzunehmen und aus beiden Perspektiven heraus sprachfähig zu werden und zwar so, dass „das Eigene und „das Fremde nicht in Konkurrenz tritt und ab- bzw. aufgewertet werden muss.
Ein Blick zurück: Entwicklungslinien des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts
Noch 1996 hatten die deutschen Bischöfe in ihrer Erklärung „Die bildende Kraft des Religionsunterrichts ein Plädoyer für den konfessionellen Religionsunterricht gehalten, das besonders durch die Auseinandersetzung mit dem Fach Lebensgestaltung Ethik Religionskunde bestimmt war und nachdrücklich die Einhaltung der konfessionellen Trias (konfessionell gebundene Lehrende, Lernende und Lehre) forderte. Die EKD dagegen betonte in ihrer vorausgegangenen Denkschrift von 1994 „Identität und Verständigung zwar ebenfalls die Konfessionalität des Religionsunterrichts, räumte aber die Öffnung für alle interessierten, auch nicht-evangelischen, Schülerinnen und Schüler ein. Dies wurde in der Denkschrift „Religiöse Orientierung gewinnen von 2014 mit Betonung eines auf Pluralitätsfähigkeit ausgerichteten Religionsunterricht bestätigt und ausgeweitet.
In der Praxis wurde in den letzten zwei Jahrzehnten nicht zuletzt aufgrund von religionsdemografischen Entwicklungen (Abnahme der getauften und Zunahme konfessionsloser Schülerinnen und Schüler), aber auch aus organisatorischen bzw. schulpragmatischen Gründen vielerorts ein sogenannter ökumenischer bzw. sogar multireligiöser Religionsunterricht im Klassenverband erteilt, ohne dezidiert einen solchen auszuweisen und die Zustimmung der Kirchen und Bistümer dazu einzuholen. Auch wurde dies in Theorie und Praxis kaum didaktisch reflektiert und etablierte sich trotz mancher kirchlicher Proteste und Interventionen mit der Kraft des Faktischen. Gleichzeitig reagierten die Kirchen mit der Einrichtung von Schulversuchen und schulform- oder schulstufenbezogenen Lösungen.
2016 veröffentlichen die katholischen Bischöfe ihre Erklärung „Die Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts. Empfehlungen für die Kooperation des katholischen mit dem evangelischen Religionsunterricht, in der sie sich für eine „erweiterte konfessionelle Kooperation aussprechen, die eine „Bildung von gemischt-konfessionellen Lerngruppen über einen längeren Zeitraum vorsieht.1 Auch hier wird nun angesichts veränderter Rahmenbedingungen auf das Ziel einer „pluralitätsfähigen Identität“ 2 verwiesen.
Theologische Grundlage ist die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche von 1999 und die gegenseitige...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 32 / 2018

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