Imke Heidemann

„Ich mach’ mich schön!“

Konfirmation - Was ist angesagt?
Konfirmation - Was ist angesagt?, © INTERFOTO/Sammlung Rauch

Imke Heidemann

Die Dimension des Schönseins bei besonderen Festen

Thematischer Schwerpunkt
Inszenierte Schönheit ist medial ein zentrales Thema Jugendlicher. Auch bei den ritualisierten Übergängen in vielen Kulturen und Religionen für die Aufnahme in die Gemeinschaft der Erwachsenen ist das Schönsein von großer Bedeutung. Viele Eltern scheuen bei der Ausstattung ihrer Kinder und der Festgestaltung keine Kosten: Alles soll schön aussehen und schön sein. Im mittel- und südamerikanischen Raum werden z.B. die Geburtstage fünfzehnjähriger Mädchen, die Quinceañera, in großem, opulentem Rahmen gefeiert. Die Mädchen bekommen teure Kleider, werden professionell geschminkt und es werden Fotoserien geschossen. Diese Feier ist das wichtigste Ereignis im Leben einer Frau, sogar wichtiger als die Hochzeit. Deshalb sparen ärmere Familien oft jahrelang dafür und verschulden sich erheblich. Diese Tatsache kann aus der Perspektive unserer Lebenswelt Unverständnis hervorrufen. Dabei lassen sich auch in unserem Kulturraum tendenziell vergleichbare Phänomene beobachten, die ähnliche Fragen wie die pompösen Feiern der Quinceañera aufwerfen:
  • Sind der Rahmen und Aufwand der Feierlichkeiten dem Anlass angemessen?
  • Worum geht es eigentlich bei solchen Feierlichkeiten?
  • Warum macht man sich zu solchen Anlässen schön?
  • Gehört Schönsein zum Erwachsenwerden dazu?
  • Hat Schönheit immer ihren Preis?
  • Worin zeigt sich das Schönsein überhaupt?
  • Oder: Ist Schönheit nur an Äußerlichkeiten gebunden?
Dies sind Fragen, die für Jugendliche in dieser Lebensphase von hoher Relevanz sind. Zum einen stehen für sie selbst oder für ihre Freunde Feste mit Übergangsritualen wie Firmung, Konfirmation, Bar/Bat-Mizwa etc. an. Zum anderen sind sie generell mit ihrer Selbstdarstellung, mit Fremdwahrnehmung und ihrem Selbstbild beschäftigt und z.T. verunsichert.
Lernsituation
Schülerinnen und Schüler dieses Doppeljahrgangs befinden sich mitten in einer herausfordernden Phase der Selbstfindung. Sie sprechen öffentlich ungern über Persönliches, wie es beim Thema „Schönheit der Fall ist. Gemäß einer aktuellen Studie1 des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel e. V. ist ein makelloses Aussehen für das instabile Selbstwertgefühl in der Pubertät von besonderer Bedeutung. Der Gebrauch von Schönheitsprodukten, Kleidungswahl, Hairstylings oder auch die Praxis digitaler Bildbearbeitung und damit verbundene Selbstoptimierung über Apps sind dabei Strategien der Stärkung des Selbstvertrauens.
Einige Jugendliche haben großen Gefallen am Erproben und Zelebrieren von äußerlichen Markern des Erwachsenseins, andere hingegen fühlen sich überfordert und empfinden die Kleidungs- und Gestaltungskonventionen gerade im Rahmen von Übergangsfesten wie Firmung oder Konfirmation als ungewohnt und fühlen sich unter Druck gesetzt. Sich nun gerade mit seinen als defizitär oder auch zu kindlich empfundenen Äußerlichkeiten öffentlich zu präsentieren und bewusst in Szene zu setzen, kann folglich bei einigen Jugendlichen große Unsicherheiten und Unwohlsein hervorrufen. Andere wollen sich bewusst in Szene setzen und proklamieren klare Kleidungsstandards, gegen die man sich zu behaupten wissen muss.
Die vorliegende Unterrichtssequenz gibt daher am Beispiel der Übergangsfeste den Schülerinnen und Schülern Denkanstöße für reflektierte und respektvolle Haltungen sich selbst und anderen gegenüber. Sie möchte den Blick schärfen, dass ein sich „Sich-schön-Machen auch das innere Outfit betrifft, Schönheit unterschiedliche, auch widersprüchliche Formen annehmen kann und sich keinesfalls auf den äußeren Schein beschränken darf.
Lernimpuls
Der Auftakt der Sequenz entführt die Jugendlichen in zweifacher Weise in fremde Welten, denn in der Reportage werden zwei unterschiedliche mexikanische Feiern der Quinceañera und die Dimensionen des „Sich-schön-Machens für den Übergang zum Erwachsensein gezeigt. Die Feier der in bescheidenden Verhältnissen lebenden Jennifer wirkt...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 40 / 2020

Schön und gut?

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