Emel Rochdi | Amin Rochdi

Die Schönheit des Islam entdecken

Eine besonders schön gestaltete Ausgabe des Korans
Eine besonders schön gestaltete Ausgabe des Korans, Foto: © Amin Rochdi

Emel Rochdi | Amin Rochdi

Eine interreligiöse Unterrichtssequenz zur Ästhetik des Islam

Thematischer Schwerpunkt
In einer dem Propheten Mohammed zugeschriebenen Überlieferung heißt es: „Gott ist schön und er liebt die Schönheit. Darauf stützt sich auch der Glaube, dass im Islam ästhetischer Genuss untrennbar von religiöser Andacht sei. So stellen das ästhetische Erleben des Korans sowie die Verbindung zur islamischen Kunst die zentralen Bezugspunkte des Textes zur Ästhetik dar.
Bereits in der Frühzeit des Islam, ab dem 7. Jahrhundert, haben sich künstlerische Zweige in islamisch geprägten Gesellschaften herausgebildet. Man wollte der schönen inneren Botschaft des Korans in verschiedenen Kunstformen eine äußere, sichtbare bzw. hörbare Schönheit verleihen. Dadurch entstanden verschiedene unterschiedliche Schreibstile, um Gebetshäuser, Gärten und Privatanwesen sowie Koranausgaben zu schmücken. Auch das gelesene Wort des Korans entwickelte über die Jahrhunderte bestimmte Regeln und Ausformungen, die gepaart mit Melodien der Schrift einen klangvollen und nicht selten auch einen emotionalen Rahmen bieten.
Gott als schön zu bezeichnen, findet sich nicht nur in Aussagen Mohammeds über den Schöpfer, sondern ist auch koranischen Ursprungs. Die Vokabel für „schön im Sinne von „Schönheit im Koran leitet sich vom arabischen „hassan ab und hat gleichzeitig die Bedeutung „gut. So ist das Gute stets auch schön und gottgefälliges Handeln sowie das gute Miteinander werden in den Mittelpunkt einer verbindlichen Ethik gestellt.
Gleichzeitig ist der Nukleus des islamischen Glaubens, der Glaube an den einen Gott, eng mit Schönheit verknüpft, die sich u.a. in den schönsten Namen, bekannt als die „99 Namen Gottes, manifestieren. Dabei umfassen diese Attribute oft Superlative positiv konnotierter Adjektive und sollen die Vielschichtigkeit der Gottesvorstellung wiedergeben. Sie schaffen damit unterschiedliche Zugänge zu den verschiedenen Gottesbildern der Musli-minnen und Muslime.
Lernsituation
Die interreligiöse Dialogfähigkeit ist heute eine Schlüsselkompetenz für das Heranwachsen in einer pluralen Gesellschaft. Gleichzeitig gehört dazu die individuelle religiöse Selbstverortung als unabdingbar, die selbstverständlich im Laufe des Lebens eine Veränderung erfahren kann, aber in der Adoleszenz grundgelegt wird.
Die Unterrichtssequenz ist in der Hauptsache für christliche Lerngruppen konzipiert, kann aber unter Anpassung der Kompetenzen und Arbeitsaufträge entsprechend für Lerngruppen des Ethikunterrichts oder im Religionsunterricht anderer Religionsgemeinschaften Verwendung finden.
Der Zugang zum Islam ist wie die generelle Beschäftigung mit einer „fremden Religion für Lernende meist faktenlastig und sehr abstrakt. Hier divergieren nicht selten theoretisches Wissen über den Islam mit der praktischen Lebenswelt ihrer muslimischen Mitschülerinnen und Mitschüler. Diese Diskrepanz kann den interreligiösen Dialog blockieren, anstatt diesen zu fördern. Gleichzeitig ist ein Großteil der inneren Bilder über den Islam stark medial geprägt und diese lassen den Islam nicht selten in einem negativen Licht erscheinen. So ist oft von einer „Gesetzesreligion die Rede, in der alles nur verboten „haram ist und von einem strafenden Gott beherrscht wird. Dieses Bild wird zudem von muslimischen Schülerinnen und Schülern bekräftigt, die zwar ästhetische Elemente wie den Gebetsruf oder die intonierte Lesart des Korans kennen, aber den Islam in ihrer Sozialisation nur selten als etwas Sinnliches und hochgradig Ästhetisches erleben.
Die vorliegende Unterrichtseinheit geht deshalb einen bewusst anderen Weg und ermöglicht den Schülerinnen und Schülern durch die themenbasierte Schwerpunktsetzung und Aufgaben zum ästhetischen Lernen einen veränderten Zugang zum Islam und schafft ausgehend von genuin islamischen Quellen und Phänomenen eine subjektive Bearbeitung und Kontrastierung zur jeweils eigenen Religiosität bzw....

Friedrich+ Religion

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Religion!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Religion 5-10 und entwurf
  • Umfassendes Archiv mit über 300 didaktischen Beiträgen, Unterrichtseinheiten, Arbeitsblättern, Grafiken, Filmen, Aufgaben, Differenzierungsmaterial, Methodenkarten, Spielen  u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge mit Unterrichtseinheiten zu lehrplanrelevanten Themen

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Religion

Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 40 / 2020

Schön und gut?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht Schuljahr 7-8