Soll ich mein Christsein zeigen?

Soll ich mein Christsein zeigen?

Religion 5-10 | Ausgabe Nr. 37/2020

In Deutschland ist jeder frei vom Zwang zu religiösen Bekenntnissen; dies gilt auch für die Schule und für den Religionsunterricht. Aber zwischen dem Zwang zu einem religiösen Bekenntnis und einer religionsfreien Zone gibt es die positive Religionsfreiheit. Religionsunterricht bietet einen Raum, in dem Positionalität eingeübt wird und in dem junge Menschen ihr Christsein zeigen können. Wenn es darum geht, dass Schülerinnen und Schüler kompetent werden im Umgang mit Religion, lernen sie hier, mit konträren religiösen Positionen umzugehen.

Inhaltsverzeichnis
Bild: © nadia_Bormotova–/–istockphoto.com
Religiöse Bildung setzt voraus, dass man tatsächlich mit Religion in Kontakt kommt.
Eine Spurensuche zum Religionsunterricht zwischen öffentlicher Positionalität und eigener Religiosität Soll ich mein Christsein zeigen?
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Fachwissen Schuljahr 5-10

Die Schule hat die übergeordnete Aufgabe, Bildung in einem umfassenden Sinn zu ermöglichen. 

Bildungsprozesse betreffen das individuelle Verhältnis sowohl zur Welt als auch zum Individuum selbst. 

Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sich Menschen in der Auseinandersetzung mit Inhalten bilden. 

Im Religionsunterricht geht es dabei vor allem um Religionsfreiheit: Die Schülerinnen und Schüler 

sollen lernen, reflektiert von ihrem Grundrecht Gebrauch zu machen.

Foto: © Peter Kristen
Der Hahn – ein Symbol, sich zum Christsein und zur Kirche zu bekennen
Christ sein wie Simon Petrus Wie kommt der Hahn auf den Kirchturm?
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 5-6

Simon Petrus ist eine wichtige Identifikationsfigur für die frühe Christenheit. Im Markusevangelium begegnet er uns in 15 Episoden, gleich am Anfang und prominent am Ende der Jüngergeschichte (1,16; 16,7). Inhaltlich im Zentrum und räumlich in der Mitte steht sein „Christusbekenntnis“ (Mk 8,29). Er ist eine Art paradigmatischer Nachfolger Jesu.

Die Schülerinnen und Schüler werden angeregt, lebensbedeutsame Fragen auf sich selbst zu beziehen: Nachfolge, Heilung, Mut, Bekennen, Versagen, Neubeginn. An der Geschichte des Simon Petrus entlang geht die Lerngruppe der Frage nach, wie der Hahn auf die Kirche kommt. Dabei kommentieren die Schülerinnen und Schüler das bei Markus Erzählte in acht Schritten auf einem selbst gebauten (Wachs-)täfelchen aus der Perspektive seines Bruders Andreas und aus ihrer eigenen. Am Anfang und am Ende der Einheit werden sie eine Antwort auf die Frage gefunden haben, wie ein Hahn auf die Kirche kommt. In der Beschäftigung mit Simon Petrus, einem zutiefst widersprüchlichen Menschen, der zwischen himmelhoher Begeisterung und totalem Versagen schwankt, entwickeln sie ihre eigene Haltung zum Christsein weiter.

Foto: © imago images / UPI Photo
Zerstörte Kirche in Colombo, Ostersonntag 2019
Christenverfolgung heute und damals „Kein Problem mehr!?“
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 5-6

In Deutschland ist es heute möglich, offen und frei zu sagen, dass man Christin oder Christ ist. In anderen Zeiten und in anderen Ländern kann es unerwünscht oder sogar gefährlich sein. Christen werden verfolgt oder sogar getötet. John L. Allen (The Global War on Christians, New York 2013, Gütersloh 2014, S. 1) spricht von etwa 100 Millionen verfolgter Christen und 70 000 Getöteten jährlich. Diese Bedrohung und die Gewalt können vom Staat ausgehen, aber genauso von bestimmten Bevölkerungsgruppen.

Die im Grundgesetz garantierte positive und negative Religionsfreiheit ist ein sehr hohes Gut, das momentan zwar in Deutschland nicht bedroht ist, aber dessen Verteidigung auch zum Bildungsauftrag der Schule gehört. Dieser Wert kann in einer 5. oder 6. Klasse am einfachsten thematisiert werden, wenn dargelegt wird, wo und wann es diese Freiheit nicht gab, und was das dort und damals für die Christinnen und Christen bedeutet oder bedeutet hat.

Foto: © epd-bild / Stefan Arend
Eingeladen
Schülerinnen und Schüler zum Gottesdienst einladen Ansprechen. Erklären. Begeistern?
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 7-8

In einer Zeit, in der jugendliche Religiosität immer seltener in kirchlich verfassten Praxisformen Gestalt gewinnt, während gleichzeitig religiöse Sozialisationseffekte stark rückläufig sind, stellt sich mehr denn je die Frage, ob der evangelische Gottesdienst auf Schülerinnen und Schüler überhaupt (noch) einladend wirkt. Kirchliche Angebote scheinen immer seltener zu den religiösen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler zu passen – und werden womöglich auch deshalb als wenig einladend wahrgenommen.

Die Unterrichtssequenz nimmt aktuelle Formen der Einladung vornehmlich kirchenferner Menschen zum evangelischen Gottesdienst kritisch unter die Lupe. Ausgehend von jüngsten evangelisch-kirchlichen Bezügen auf das englische Konzept des Back to Church Sunday, wirft das Lernsetting die Fragen auf, wie einladend Schülerinnen und Schüler den Gottesdienst erleben, wie sie selbst zu einem Gottesdienst einladen würden und wie ein aus ihrer Sicht einladender Gottesdienst gestaltet sein sollte. Im Unterrichtsverlauf wird hierfür eine situierte Projektaufgabe etabliert, die Formen religiöser Selbstverortung im Schutz zuvor bereitgestellter Rollen ermöglicht.

Foto: © Look and Learn / Illustrated Papers Collection / Bridgeman Images
Missionsarbeit in Afrika – Die Nähklasse von Mrs Shaw (19. Jahrhundert)
Weg damit oder jetzt erst recht? Mission
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 7-8

Die Geschichte der Mission ist aus heutiger Perspektive allerdings in weiten Strecken eher unrühmlich. Gewaltanwendung und die Instrumentalisierung des Christentums für machtpolitische Zwecke haben sich mehr in das kollektive Gedächtnis eingebrannt als die ebenfalls vorhandenen positiven Begleiterscheinungen der Mission wie Wissens–transfer, medizinischer Fortschritt oder der Einsatz für unterdrückte Völker. Die Lernenden kennen in der Regel die negativen Begleiterscheinungen der Mission aus dem Geschichtsunterricht.

Dass Mission etwas mit ihnen zu tun haben könnte, würden die meisten Jugendlichen wohl nicht unterschreiben.

Um eine eigene Position zur Mission heute zu finden, können die Schülerinnen und Schüler mit den vorliegenden Materialien zuerst eine differenzierte Kenntnis von der Geschichte der Mission erlangen und anschließend neue Konzepte kennenlernen, die aufzeigen, dass Mission heute vielen Menschen ein Bedürfnis ist, auf biblische Grundlagen zurückgeht, dass Missionswerke aus der Geschichte gelernt haben, dass es teilweise sogar ganz „frische“ Konzepte von Mission gibt.

Ein modernes Missionskonzept wie Fresh X geht davon aus, dass Gott überall am Werk ist, auch dort, wo Menschen keinen Bezug zu Kirche haben. 

Bild: © FLHC 39 / Alamy Stock Foto
Das erste Konzil von Nizäa
Wie in Glaubensbekenntnissen Christsein gezeigt wird Was glauben andere, was glaube ich?
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 9-10

Glaubensbekenntnisse sind zeitbedingt, da sie den Glauben ihrer jeweiligen Kultur und Zeit ausdrücken. Ebenso sind sie zeitlos, da sie Worte, Bilder und Motive enthalten, die stets als Inhalte des christlichen Glaubens gelten.

Bekenntnistexte bewegen sich zwischen Individualität und Gemeinschaft. 

Glaubensbekenntnisse stellen eine in Sprache ausgedrückte Seite des Christseins dar, die Schülerinnen und Schüler zunächst entdecken und anhand von Bekenntnissen aus verschiedenen Zeiten analysieren. Danach setzen sie sich reflektiert damit auseinander, was sie glauben können, und bringen dies durch die Formulierung eines eigenen Credos gestalterisch zum Ausdruck

© Landeskirchliches Archiv Stuttgart, U 180, Fotograf: Paul Hommel
Kinderheim Mistlau bei Kirchberg/Jagst in den 1950er-Jahren
Die Schattenseiten der Heimerziehung Christsein zwischen Nächstenliebe und Schuld
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 9-10

In der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts gab es einige Geschehnisse, wofür wir uns als evangelische Christinnen und Christen schämen. Dazu gehören auch u. a. Aspekte der Heimkindererziehung. Als dies um 2008 ein öffentliches und politisches Thema wurde, formulierten die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und das Diakonische Werk Hannover ein Schuldbekenntnis. 

Durch eine Recherche der Erziehungswirklichkeit in christlichen Kinderheimen lernen die Schülerinnen und Schüler die Motive und die Schattenseiten des diakonischen Engagements kennen. Gleichzeitig entdecken sie, wie die Kirche ihre Fehler eingesteht und Schuld bekennt, und lernen,  inwiefern dies zum Christsein dazugehört.

Foto: © ibravery / stock.adobe.com
Wie lässt sich die Internetrecherche zielführend vermitteln?
Internetrecherche und Beurteilung von Informationen aus dem Internet Internetrecherche anleiten
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Methode & Didaktik Schuljahr 5-10

Wer kennt das nicht? Man möchte, dass die Lerngruppe zu einem bestimmten Themengebiet recherchiert, bucht den Computerraum, hat sich eine konkrete Aufgabenstellung überlegt … Und dann stürmen die Jugendlichen an die Rechner, arbeiten mitnichten zielorientiert, klicken herum, landen auf Seiten wie www.jw.org („Jehovas Zeugen“) und sind ganz überrascht, wenn das, was sie dort zu einem Thema herausfinden, von der Lehrkraft als nicht verlässliche Information bewertet wird. Wie lässt sich die Internetrecherche zielführend vermitteln?

Anders als in Büchern angesehener Verlage kann im Internet jeder alles veröffentlichen. Es gibt oft keine Qualitätskontrolle. Es ist nicht immer leicht zu erkennen, ob Texte im Internet informierende Sachtexte sind, oder ob mit ihnen bestimmte Interessen verfolgt werden. Eine genaue Bewertung der Quellen ist also nötig. 

Der Beitrag gibt praxisnahe Tipps für eine gelingende Internetrecherche.

Bild: © Bitter–/–stock.adobe.com
Zeigen, wofür man steht!
Politische Positionen in der Schule: unbedingt!
Premium-Beitrag aus "Religion 5-10" Hintergrund Schuljahr 5-10

Haltung zu zeigen ist für alle am Unterricht Beteiligten persönlich und inhaltlich geboten. Aus einer Meinung und einem Vor-Urteil ein fundiertes und reflektiertes Urteil zu machen, ist eines der obersten Ziele jeglicher demokratischer Bildung. Indoktrination und Missionierung sind damit nicht vereinbar. Doch dient es der am Diskurs ausgerichteten Bildung, sein Sein zu zeigen – anstatt eine kritisierbare Position zu artikulieren?

Ein Plädoyer für eine klare Positionalität - nicht nur im Religionsunterricht.