Juliane Ta Van

„Wer bin ich? Sie sagen mir oft …“1

Ólafur Arnalds —Near Light (Ausschnitt aus dem offiziellen Musikvideo)
Ólafur Arnalds —Near Light (Ausschnitt aus dem offiziellen Musikvideo), Foto: Ólafur Arnalds —Near Light stills taken from the official music video by Lam Ho Tak. Printed with permission. © 2011 Erased Tapes Records Ltd.

Juliane Ta Van

Das menschliche Streben nach Perfektion und der Zuspruch Gottes

Thematischer Schwerpunkt
Die Reihe richtet sich an Schüler und Schülerinnen des siebten und achten Jahrgangs im evangelischen Religionsunterricht. Der Fokus liegt auf der Frage: Wer bin ich und wer will ich sein? Das Gedicht „Wer bin ich? von Dietrich Bonhoeffer steht dabei im Zentrum, da es sich besonders für die Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdwahrnehmung eignet. Geschrieben aus der Gefangenschaft heraus, reflektiert Bonhoeffer seine Wirkung auf andere und seine Sicht auf sich selbst. Das Gedicht mündet in dem Satz: „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott! Hiervon ausgehend lässt sich mit Ps 139 eine weitere Stimme hinzufügen, die davon ausgeht, von Gott erkannt und wunderbar gemacht worden zu sein. Schöpfungstheologisch mündet die Reihe in dem Zuspruch Gottes „Und siehe, es war alles sehr gut, der sowohl die Einzigartigkeit und damit auch Verschiedenheit der Menschen als auch ihre Vollkommenheit in der Ebenbildlichkeit zum Ausdruck bringt. So soll mit der Reihe ein Beitrag zur Identitätskonstruktion geleistet werden, indem Erfahrungen von An- und Überforderung, persönliche Zielsetzungen sowie Selbst- und Fremdwahrnehmungen der Schülerinnen und Schüler reflektiert werden.
Lernsituation
Schüler und Schülerinnen dieser Jahrgangsstufen erleben entwicklungsbedingt eine Zeit des Umbruchs. Auf der Suche danach, was, wie und wer sie sein sollen, können und wollen, steht alles auf dem Prüfstand und muss neu eingeordnet werden. Dabei zählen sie selbst zu ihren schärfsten Kritikerinnen und Kritikern. Das Gefühl, nicht zu genügen und sich deshalb stets weiter optimieren zu müssen, ist für die meisten von ihnen in dieser Phase ihres Lebens allgegenwärtig.
Eine Reihe, in der sich die Jugendlichen mit dem Streben nach Anerkennung und (Selbst-)Perfektion beschäftigen und den Zuspruch Gottes „Es war alles sehr gut in den Blick nehmen, bietet eine Möglichkeit der kritischen Auseinandersetzung, lädt ein zur Reflexion und dient der Schärfung des eigenen Kompasses.
Anforderungssituation
Für einen Tag der offenen Tür ist eine fächerverbindende Ausstellung zu „Wer bin ich? zu konzipieren. Die Lernenden im Religionsunterricht erhalten den Auftrag, Beiträge aus evangelischer Perspektive für diese Ausstellung zu erarbeiten. Eine Kooperation u.a. mit den Naturwissenschaften, Kunst und Musik oder Sport wären denkbar. Ab dem zweiten Unterrichtsschritt werden parallel zum Unterrichtsgeschehen Plakate für die Ausstellung erarbeitet.
Weitere Optionen für eine Anforderungssituation stellen die Gestaltung einer Social-Media-Themenwoche zu „Wer bin ich und wer soll ich sein? oder das Produzieren eines Musikvideos zu „Near Light2 aus der Sicht der Jugendlichen dar.
In jedem Fall erfordert diese Reihe eine sensible Herangehensweise an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Erforderlich ist eine ständige Aufmerksamkeit für ihre persönlichen Belange und Selbstdeutungen. Ziel ist es, sie zu einer unterstützten Selbstreflexion zu befähigen und ihnen einen Baustein für ihren persönlichen (Lebens-)Kompass anzubieten.
Lernarrangement
1. Unterrichtsschritt
Der erste Unterrichtsschritt soll den Schülerinnen und Schülern ein Ankommen im Lernkontext ermöglichen und ihr Vorwissen aktivieren. Dazu gehört, dass sie sich mit der Aufgabe auseinandersetzen sowie erste Fragen und Gedanken notieren. Für die Gestaltung einer Ausstellung wird nun die Ausschreibung mit einem konkreten Arbeitsauftrag ausgegeben.
Als Einstieg eignen sich Lieder, die das Streben nach Anerkennung und Perfektion oder das Zerbrechen an Anforderungen thematisieren. Mögliche Musikstücke wären: Madsen „Du bist, wie du bist, Christina Stürmer „Du bist perfekt oder Tim Bendzko „Keine Maschine. Gut geeignet ist das Musikvideo zu „Near Light vom Isländer Ólafur Arnalds, welches u.a. Überforderung thematisiert. Arnalds instrumentale...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 39 / 2020

Warum an Gott glauben?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8