Jens-Peter Green

Was mein Leben reicher macht

Was macht dein Leben leichter? – Dankbarkeitsübungen © photocase_id_236919
Was macht dein Leben leichter? – Dankbarkeitsübungen © photocase_id_236919, © photocase_id_236919

Jens-Peter Green

Sinn erfahren Dankbarkeit üben

Vor einigen Jahren präsentierte die Theater-AG einer Schule die Stücke Reich und Schön von Eva Vieth und Nichts. Was im Leben wichtig ist von Janne Teller. In beiden Stücken geht es um Jugendliche, die in ihrer Sinnkrise allein gelassen werden. Nach der Aufführung des zweiten Stückes gab es Proteste aus den Reihen der Zuschauer. Es reiche nicht aus, den Jugendlichen immer wieder Sinnkrisen vor Augen zu führen. Man müsse den Schülerinnen und Schülern auch zeigen können, was im Leben zählt, was es reich und schön macht. Eine Möglichkeit dazu sind Dankbarkeitsübungen.

Didaktisch-theologische Einführung
Theologisch ist Dankbarkeit die Antwort des Menschen auf die erfahrene Güte Gottes (z.B. Ps. 106, Ps. 145, Lk. 17,11-19, 1. Thess. 5,1618). Psychologisch ist sie die Wertschätzung dessen, was man als wertvoll und wichtig (meaningful) erlebt (Sansonse & Sansone 2010). Dorothee Sölle empfiehlt, jeden Tag drei Sachen zum Loben zu finden, und nennt dies eine Übung von hohem geistlich-politischen Gebrauchswert. Für Maria Jepsen kommt dies einem Bußritual für Verzagte gleich (M1). Psychologen sehen in der Einübung einer dankbaren Haltung einen Weg, der entwicklungsgeschichtlich bedingten Überbewertung negativer Nachrichten (negativity bias) entgegenzuwirken und das Wohlbefinden zu steigern (M4).
Religiöse oder säkulare Dankbarkeitsübungen (z.B. Lob- und Dankgebete, Danktagebücher, Dankblogs) schärfen den Blick und geben Kraft, der Welt mutiger und zuversichtlicher zu begegnen (M1). Sie erfordern und fördern Achtsamkeit und relativieren das Leistungsdenken (M3). Besondere Bedeutung gewinnen sie, wo die Endlichkeit menschlicher Existenz in den Blick kommt (M2). Dankbarkeitsübungen in einer Gruppe, z.B. beim Abendessen der Familie oder in einer Klasse, erfordern gegenseitiges Vertrauen und stärken den Zusammenhalt. Gleichzeitig üben sie den sprachlichen Ausdruck. Man lernt, knapp und konkret über Erlebnisse und Gefühle zu sprechen, und erfährt dabei, dass anschauliche Details wirkungsvoller sind als blutleere Abstraktionen (Stevenson 2017).
Die im Folgenden vorgeschlagene Unterrichtseinheit zielt auf einen Austausch zum Thema „Was mein Leben reicher macht in der Schule und der weiteren Öffentlichkeit. Vorbild der Aktion ist die gleichnamige Kolumne der ZEIT, in der Leserinnen und Leser in maximal 1.000 Zeichen über besondere Momente und Erfahrungen in ihrem Leben berichten.
Literatur
Green, J.-P. (2016): Schulgemeinschaft gestalten. Ein Plädoyer für Assemblies. Schulmanagement 47(4), 33 – 35. Kabat-Zinn, J. (1990). Full catastrophe living: The program of the Stress Reduction Clinic at the University of Massachusetts Medical Center. New York: Delta.
Rozin, P. & Royzman, E.B. (2001): Negativity bias, negativity dominance, and contagion. Personality and Social Psychology Review 5(4), S. 296 – 320.
Sansone, R.A. & Sansone L.A. (2010): Gratitude and well being: The benefits of appreciation. Psychiatry 7(11), S. 18 – 22.
Schnell, T. (2016): Psychologie des Lebenssinns. Berlin, Heidelberg: Springer.
Stevenson, A. (2017): The Power of Words. Gratitude (16.3.2017). https://kidblog.org/home/the-power-of-words-gratitude/ [29.1.2018]
Baustein 1: Dankbarkeit als lebensförderliche Grundhaltung
Baustein 2: Schulweites Dankbarkeitsprojekt

Friedrich+ Religion

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 2 / 2018

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