Judith Heckel

Wahre Lebensschätze

Eine Schatzkiste für „wahre Lebensschätze“
Eine Schatzkiste für „wahre Lebensschätze“, Foto: Autor

Judith Heckel

Reflexion über Lebensziele und Inhalte anhand der „Erzählung vom reichen Jüngling (Mk 10, 17-22)

„Ich kann nicht leben ohne mein Handy. Das war die spontane Antwort einer Schülerin zum Impuls: „Ich kann nicht leben ohne …“. Dies verdeutlicht, wie wichtig es ist, diese Lebensinhalte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern (SuS) genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei sollen sie überlegen, welche Dinge sie wirklich benötigen, um ein glückliches und sinnvolles Leben zu führen und ihre Lebensziele zu erreichen. Machen mich diese Dinge wirklich glücklich, oder fesseln sie mich sogar und halten mich davon ab, glücklicher zu leben?

Anhand des Dialoges zwischen einem reichen Mann und Jesus, in dem existenzielle Fragen nach Glück und Sinn des Lebens thematisiert werden, sowie der Auseinandersetzung mit Personen, die sich in die Nachfolge Jesu begeben haben, sollen die SuS dazu angeregt werden, „Lebensschätze zu entdecken, die ihr Leben sinnvoll machen können. Ein erhobener, moralischer Zeigefinger ist hier nicht angebracht. Vielmehr geht es darum, die SuS und ihre Fragen und Aussagen ernst zu nehmen und sich gemeinsam auf Spurensuche zu machen, sodass am Ende der Unterrichtseinheit die Schülerin den Satz vielleicht anders fortsetzt. Sie dürfen gespannt sein, wie Ihre SuS diesen Impuls am Ende der Unterrichtseinheit beantworten.
Die theologische Frage nach dem Grund und Ziel unseres Daseins besteht, seitdem es Menschen gibt. Besonders drei Fragen beschäftigen dabei die Menschen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wie sollen wir leben? Daher begegnen uns auch in der Bibel viele Personen, die nach dem Sinn des Lebens fragen. So auch der reiche Mann, der kein geringeres Ziel als das ewige Leben hat. Diese Begegnung zwischen Jesus und einem reichen Mann findet sich in allen drei synoptischen Evangelien (Mk 10, 17-27; Mt 19, 16-26; Lk 18, 18-27). Bei meiner Unterrichtseinheit beziehe ich mich auf Markus 10, 17-22. Den zweiten Abschnitt des Bibeltextes behandele ich bewusst nicht, da er andere theologische Schwerpunkte setzt.
Der reiche Mann begegnet dem Leser hier als eine Person, die sich mit der Frage: „Wie sollen wir leben? intensiv auseinandergesetzt hat. Würde man das Leben des reichen Mannes in die maslowsche Bedürfnispyramide einordnen, so könnte man feststellen, dass dieser fast alle seine Lebensbedürfnisse bereits erfüllt hat. Lediglich die Selbstverwirklichung, also die Umsetzung seiner Ideen und Ziele, um die es ja in der Begegnung mit Jesus geht, fehlt ihm noch. Man könnte also sagen, dass der reiche Mann bereits ein glückliches Leben führt. Aber er ist nicht zufrieden, er möchte das ewige Leben „ererben (V17).
Mit diesem Ziel geht er zu Jesus und fragt ihn, was er dafür tun müsse.
Interessant an dieser Stelle ist die Überlegung, die auch viele SuS anstellen, was der reiche Mann unter ewigem Leben versteht und warum er sich dieses wünscht. Sieht er das Leben als ein Leben in der Nähe Gottes nach dem Tod, also im Jenseits, losgelöst von allen irdischen Gütern an? Oder betrachtet er dieses als ewiges Leben im Diesseits, bei dem er seinen Reichtum ewig behalten kann? Denn wenn er die Bedeutung des ewigen Lebens schon vor der Begegnung mit Jesus begriffen hätte, hätte er gewusst, dass er sich von seinem Reichtum trennen muss, sei es durch den Tod oder durch die Nachfolge, zu der ihn Jesus einlädt.
In einer ersten Antwort Jesu fordert dieser den Mann auf, die Gebote einzuhalten (V. 18-19). Darauf versichert der reiche Mann, dass er diese von Jugend auf gehalten habe (V. 20). In eigenartiger Spannung reagiert darauf V. 21: Einerseits heißt es, dass Jesus den Mann lieb gewann, andererseits stellt er ihn vor eine Forderung, die selbst seine Jünger schockiert: Er fordert den Mann dazu auf, alles zu verkaufen, es den Armen zu geben und ihm nachzufolgen. (V21). Als Leser wartet man an dieser Stelle gespannt auf die Reaktion des Mannes. Auch die SuS werden sich hier fragen, wie...

Friedrich+ Religion

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 2 / 2018

Auf der Suche nach Sinn

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6