Rebekka Brouwer

Von biblischen Grundlagen, Mascara und dem hohen Lied der Individualität

Schön sein - welche Vorbilder prägen?
Schön sein - welche Vorbilder prägen?, © Motortion Films/shutterstock.com

Rebekka Brouwer

Eine Annäherung an den Begriff der Schönheit

Schönheit ist mehr als Äußerlichkeit und Selbstoptimierung. Im Alten Testament verweist Schönheit auf das Wesen des schönen Menschen und kann positiv oder negativ konnotiert sein, als Gottesebenbildlichkeit, aber auch als Quelle der Versuchung gesehen werden. Im Neuen Testament ist Schönheit kein Gegenstand der Betrachtung. Einen Überblick über den ambivalenten Begriff gibt der nachfolgende Beitrag.

Seit 2006 flimmern Heidis „Mädchen über die Bildschirme. Und jeder Satz eine Wertung: „Gorgeous!, „Langweilig., „Ich liebe dein Gesicht., „Tolle Proportionen! Tolle Haare! Tolle Haut!, „Abgehackt. Und was sollen sie alle? Schmunzeln. Wie der Schmunzelhase. Bitte niedlich, kommerziell verwertbar und der Norm entsprechend.
Fünfzehn Jahre, in denen jungen Frauen und Männern ein bestimmtes Ideal vorgeführt wird. Personality ist wichtig klar, aber nur, solange die Maße stimmen. Und so üben Kids vor ihren Spiegeln im Kinderzimmer den richtigen Walk, kennen ihren BMI, zerbrechen sich den Kopf über Kohlenhydrate. Bibi und Co. zeigen seit nun fast acht Jahren auf YouTube, wie das Make-up sitzt. Auf TikTok kann man sich als neue Selena Gomez inszenieren. Auf Instagram sitzt jedes Selfie.
Die Helden und Heldinnen der Neuzeit sind schön und gepflegt und perfekt gestylt. Und selbst die, die gegen den Strom schwimmen, Billy Eilish lässt grüßen, haben perfekt manikürte Fingernägel und einen perfekten Lidstrich und eigenwillig, aber natürlich professionell, gefärbte Haare.
Wenn dann eine junge Frau die (Welt-)Bühne betritt, mit rundem Kindergesicht und langem, ungestyltem Haar, einfach zum Zopf gebunden, dann suchen alle nach neuen Kategorien für diese Erscheinung, für diese Jugendliche, die so offensichtlich ihre Persönlichkeit und ihr Anliegen wie einen Schild vor sich herschiebt und wenig Wert auf Mascara, stylische Klamotten oder hippe Schuhe legt. Sie wird zur Heldin derer, die mit den bisherigen Schönheitskategorien nichts anfangen oder auch schlicht nicht mithalten konnten. Und die, die mit ihren politischen Positionen nichts anfangen können, kommentieren hämisch ihr Aussehen.
Jede Schulstunde wird zur Bühne für unterschiedliche Positionen da gibt es die unauffälligen Mitschwimmerinnen, die sich den geltenden Normen so gut wie möglich anpassen, in dezenten Pastelltönen und schwarzen, engen Hosen und dem richtigen Markennamen am richtigen Platz. Daneben die Extrovertierten, die das Ideal feiern oder boykottieren und denen jede Fensterscheibe als Spiegel dient und jede Pause Zeit gibt, die Haare zu stylen oder das Make-up zu kontrollieren und die still Leidenden, die entweder nicht das Geld haben, um die Statussymbole selbst zu tragen, die die schlichte Unauffälligkeit ermöglichen, oder denen die Hormone gerade mächtig einen Strich durch die Rechnung machen, sodass sie dem Ideal von reiner Haut und seidigem Haar wie in einem Zerrspiegel ausgeliefert sind. Dazu die Begabten, die aus Worten Verse schmieden und deren Talent solche Kunst in den Raum zu stellen vermag, dass ihr eigenes Aussehen ganz von ihrer Wirkung bestimmt und wahrgenommen wird.
Was ist schön?
Talent versus Gene? Ist Schönheit mehr als Äußerlichkeit? Ist Schönheit im Wesen und oder im Schein verankert? Wie viel Wert rechnen wir der Tatsache zu, dass Millisekunden darüber entscheiden, mit welcher Haltung wir einem Menschen entgegentreten, und dass unsere Wahrnehmung sinnlich beeinflusst wird? Ist Schönheit gleichzusetzen mit Perfektion, Qualität oder Stimmigkeit,1 oder um es ganz fromm zu sagen ein Abglanz der Liebe, die uns ins Leben rief und jedem und jeder von uns zu eigen die wir doch die Ebenbildlichkeit in uns tragen (Gen 1,27)?
Was ist schön? Wer ist schön? Und wer kann, darf und wird das beurteilen?
Begriffsgeschichtlich ist die Antwort im theologischen Lexikon schnell gefunden. Schönheit wird als das Erwecken einer positiven sinnlichen Wahrnehmung beim...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 40 / 2020

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