Jörg Wollenburg

Unterschiedliche Lernvoraussetzungen im Sportunterricht

Foto: © BEMPhoto

Jörg Wollenburg

„Sport mit heterogenen Lerngruppen lautet der Titel einer 2016 vom Niedersächsischen Kultusministerium herausgegebenen Materialsammlung für den Sportunterricht. Auf dem Titelbild wird ein im Rollstuhl sitzender Junge von einem Mädchen durch eine Gerätelandschaft in der Turnhalle geschoben. Die Broschüre soll Sportlehrkräfte bei den durch die Inklusion gestellten Anforderungen unterstützen. Der Titel ließe schließen, Heterogenität spielte im Sport bislang eine eher untergeordnete Rolle, so wie auch in anderen Bereichen der Wunsch nach homogenen Lerngruppen besteht. Realistischer ist wohl folgender Gedanke: Heterogenität im Sportunterricht ist eine solche Selbstverständlichkeit, dass erst mit den Anforderungen der Inklusion neu über sie nachgedacht werden muss.
Heterogenität im Sportunterricht
Tatsächlich nehmen im Sportunterricht eine Vielzahl von Aspekten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler:
  • körperliche Voraussetzungen wie Gewicht, Größe, Alter und Geschlecht,
  • Vorerfahrungen im Sportverein,
  • Leistungssport
  • oder aber das Spielen auf Spielplatz und Straße.
Schon die soziale und religiöse Herkunft kann Einfluss darauf haben, welche Sportart bereits ausgeübt wurde oder welche Bedeutung der Sport an sich im Leben des bzw. der Einzelnen einnimmt.
Im Folgenden sollen zwei Möglichkeiten betrachtet werden, wie es gelingen kann, diesen unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht zu werden.
Vielfallt der Sportarten und Bewegungserfahrungen
Ein Schlüssel für einen freudvollen Sportunterricht mit möglichst vielen Erfolgserlebnissen liegt in der Gestaltung der schuleigenen Arbeitspläne. Zentral ist hierbei eine möglichst breite Auswahl von Sport- und Bewegungsformen, die erfahrene Vereinssportler vor neue Herausforderungen stellen oder Jungen und Mädchen dazu auffordern, sich mit sogenannten mädchen- bzw. jungentypischen Sportarten auseinanderzusetzen.
Aus meiner eigenen Schulzeit während der 1990er-Jahre habe ich noch folgende Erinnerungen: Im Winter spielten wir Volleyball oder Basketball. Ergänzt wurde dies durch Turnen und Kraftkreise. Im Sommer standen Leichtathletik und Fußball auf dem Plan. Wer in einem Schuljahr mit diesen Sportarten negative Erfahrungen sammelte, hatte gute Voraussetzungen, diese im darauf folgenden Jahr zu mehren.
An meiner derzeitigen Schule können sich Schülerinnen und Schüler in mehr als 20 Sport- und Bewegungsfeldern erproben, messen und beweisen. Diese umfassen weiterhin klassische Bewegungsfelder wie Turnen, Tanz, Schwimmen und die großen Sportspiele. Hinzu kommen jedoch Trendsportarten wie Waveboarding, Le Parcour, Ultimate Frisbee oder Flagfootball, ergänzt durch Bewegungsformen wie Akrobatik, Jonglage oder Step-Aerobik.
Teamsportarten mit unterschiedlichen Bedürfnissen
Eine besondere Bedeutung erhalten jene Bewegungsfelder, welche die klassischen Voraussetzungen für hohe sportliche Leistungen aufweichen. In der Partner- und Gruppenakrobatik beispielsweise ist es notwendig, dass sich Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen zu einer Gruppe zusammenfinden. Zierliche Mädchen brauchen kräftige Jungen, um gemeinsam eine Pyramide aufzubauen. Auch die starken und kräftigen Jungen sind auf feingliedrige Partnerinnen und Partner angewiesen, die sich leicht anheben oder stützen lassen. Im Flagfootball benötigt eine Mannschaft kräftige Spieler ebenso wie kleine und wendige.
Auch wenn diese Ausdifferenzierung des Sportartenkanons zunächst allen Schülerinnen und Schülern Anreize setzt, bleiben die eingangs beschriebenen Aspekte wie die verschiedenen körperlichen Voraussetzungen oder die Vorerfahrungen in einer einzelnen Sportart weiterhin bestehen. Womit wir die Frage aufwerfen, wie wir uns diesen Herausforderungen innerhalb der jeweiligen Unterrichtseinheit stellen können.
Differenzierung durch Öffnung des Sportunterrichts
Es wird kaum möglich sein, all unsere Schülerinnen und Schüler in ihrer...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 32 / 2018

Ökumene – wie verschieden sind wir?

Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-10
  • Thema: Mensch
  • Autor/in: Jörg Wollenburg