Corinna Langelotz

Ein medizinisch-chirurgischer Blick

„Smiley“: Ein freundlicher OP-Schnitt wird meist akzeptiert.
„Smiley“: Ein freundlicher OP-Schnitt wird meist akzeptiert., Fotos: © PD Dr. med. C. Langelotz – Chirurgie Berlin

Corinna LangelotzIst Schönsein wichtig?

Fast alle Menschen wünschen sich, schön zu sein. Manche, die sich nicht von der Natur ausreichend beschenkt fühlen, erwägen einen chirurgischen Eingriff. Die Zahl wächst.

Fast alle Menschen wünschen sich beim Blick in den Spiegel bzw. mittlerweile beim Blick in die Selfiekamera, dass das, was da zurückschaut, schön ist. Das Bedürfnis, keine unschönen Narben, keine Pickel, keine Falten, keinen Gesichtsausdruck mit hängenden Mundwinkeln zeigen zu müssen, ist völlig natürlich. Dabei spielt aber auch die Erwartung der Umwelt bis hin zu dem Druck der Umgebung eine große Rolle. Im Ideal sieht eine Person jugendlich frisch und kraftvoll aus und strahlt Gesundheit und Leistungsfähigkeit aus. Damit ist es leichter, in Gruppen und in der virtuellen Welt der schönen Bilder aufzutreten. Deshalb fragt nahezu jede und jeder, der oder die sich operieren lassen muss: Wie groß wird die Narbe sein? Was kann ich beitragen, um sie möglichst unsichtbar werden zu lassen? Eine der Antworten wäre heutzutage: Man kann schlüssellochtechnisch operieren. Hier wird beispielsweise bei einem entzündeten Blinddarm oder einem Leistenbruch mit möglichst kleinen Schnitten am Körper von nur fünf bis zehn Millimetern (minimalinvasiv) mit Arbeitsstäbchen im Körperinneren operiert und damit der früher übliche große Schnitt mit größerer Narbe vermieden.
Wenn Chirurginnen und Chirurgen eine schlüssellochtechnische Bauchoperation machen oder direkt am Nabel z.B. bei einem Nabelbruch operieren müssen, ist es auch wichtig, darauf zu achten, wie der Schnitt am Nabel gemacht wird, damit die anschließende Narbe eine gute Akzeptanz findet. Ein Beispiel: Theoretisch gibt es die Möglichkeit, einen Nabelbruch mit vier verschiedenen Schnittführungen (Abb. 1– 4) zu operieren.
Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein abwärts gerichteter Schnitt (Abb. 1) Patientinnen und Patienten Unbehagen bereitet und eine solche Narbe im Spiegel zu einer negativen Körperwahrnehmung führt, weil er wie ein übellauniges Emoji wirkt. Obgleich medizinisch gleichwertig, machen solche Narben aller Erfahrung nach auch medizinisch mehr Beschwerden ein Zeichen, dass die seelische Komponente bzw. das postoperative Erscheinungsbild nicht vernachlässigt werden sollte. Vielmehr sollte in einem solchen Fall eine andere Schnittführung bevorzugt werden. Das weitestgehende „Verstecken der Narbe (wie in Abb. 3) ist, sofern medizinisch nichts dagegen spricht, die beste Lösung.
Abgesehen von der medizinischen Notwendigkeit, eine Operation durchführen zu lassen, kommen Patientinnen und Patienten auch mit dem Wunsch nach einer Narbenkorrektur bei unansehnlich bis hässlich geratenen Narben in eine chirurgische Praxis. Gerade bei Komplikationen nach einer Operation oder einer als Notfall dringlich durchgeführten Operation wird die Narbe mitunter länger, breiter, bekommt Einziehungen. Diese können neben den körperlichen Beschwerden (Schmerzen) auch psychische Beeinträchtigungen verursachen. Das eigene Spiegelbild erinnert dauernd an das belastende Ereignis und somit ist der Wunsch, daran etwas besser zu machen, ein völlig nachvollziehbares Anliegen.
Schwieriger kann es mit dem Wunsch nach mehr Schönheit werden, wenn die Patientin oder der Patient ein Bedürfnis nach noch volleren Lippen, mehr Jugend, makelloser glatter Stirn hat.
Was empfinden wir überhaupt als schön? Studien zeigen: Symmetrie, Ebenmäßigkeit, aber auch Durchschnittlichkeit im Sinne von „Das Gewohnte sehen machen die empfundene Schönheit aus. Diese empfundene Vertrautheit beim „Das-Gewohnte-Sehen stellt sich schlicht durch die Häufigkeit des Sehens ein. Das heißt: Wenn in den sozialen Medien immer wieder die gleichen Bilder von beispielsweise sehr üppigen Lippen oder besonders kleinen Nasen zu sehen sind, entsteht das Gefühl, dies sei die Bezugsgröße für Schönheit.
Wir Menschen passen unser Schönheitsempfinden an unsere Umwelt an. Da kann die geschönte (in den allermeisten...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 40 / 2020

Schön und gut?

Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-10