Hartmut Lenhard

Kurzfilme im Religionsunterricht

Foto: © Felix Pergande/stock.adobe.com

Hartmut Lenhard

Was sie leisten, wo man sie findet und wie man mit ihnen arbeitet

Seit dem Anspruch des digitalen Zeitalters liegen Kurzfilme aller Art im didaktischen Trend. Waren es noch vor 40, 50 Jahren wenige, mühsam erstellte „Trickfilme, die gelegentlich mithilfe eines Filmprojektors im Religionsunterricht präsentiert wurden, so wächst die Zahl mit geeigneter Animationssoftware oder mit marktgängigen Videokameras produzierter Filme nahezu exponentiell an. Ihre Verbreitung etwa durch Plattformen wie YouTube oder vimeo garantiert auch für Amateurfilme eine leichte Verfügbarkeit, wenngleich die Rechteproblematik nicht immer zweifelsfrei geklärt ist und auch die Qualität mancher Angebote gelegentlich zu wünschen übrig lässt.
Was Kurzfilme auszeichnet
Zunächst einmal ist bei der Kategorisierung von Kurzfilmen die grobe Unterscheidung in Animationsfilme und Kurzspielfilme hilfreich. Während animierte Filme in einer virtuellen, digital konstruierten Welt spielen, bieten Kurzspielfilme einen situativen Ausschnitt aus der realen Welt, der gleichwohl diese Welt in einer bestimmten Weise „stellt und problematisiert. Kurzfilme lassen sich am besten mit literarischen Kurzgeschichten vergleichen: Ähnlich wie diese verdichten die Filme alltägliche Realitätserfahrungen, verfremden sie, zeigen ihre Doppelbödigkeit auf und stellen den Zuschauer bzw. die Zuschauerin vor existentiell bedeutsame Fragen. Sie haben in aller Regel ein offenes, gelegentlich auch tragisches Ende, geben einer Situation oder einer erzählten Geschichte eine überraschende, auch verstörende Wendung, sie provozieren und fordern den faszinierten, verwirrten, betroffenen Zuschauer heraus, sich zu dem Erzählten zu verhalten: Sei es, dass er sich selbst in Frage gestellt sieht, sei es, dass gesellschaftliche Zustände auf dem Prüfstand stehen in jedem Fall bietet der Kurzfilm keine befriedigende Lösung eines Problems, sondern wirft mehr Fragen als Antworten auf. Denn Kurzfilme irritieren Zuschauer in ihren gewohnten Denk- und Lebensweisen und laden sie zu einem Perspektivwechsel ein, ermutigen sie, Wirklichkeit anders sehen zu lernen.
Warum Kurzfilme gerade im Religionsunterricht?
Viele gute Kurzfilme haben manches mit biblischen Geschichten und Gleichnissen gemein. Man denke nur an das Gleichnis, das der Prophet Nathan dem schuldig gewordenen König David erzählt, das ihn seiner Untat überführt und ihn selbst ein Urteil über sein eigenes Verhalten sprechen lässt. Dieser doppelte Boden vieler Kurzfilme prädestiniert sie geradezu für den Religionsunterricht, in dem es immer auch um Grundfragen menschlicher Existenz, um den Umgang mit Kontingenzerfahrungen, um Herausforderungen durch ethische Konflikte und Orientierung bei der Suche nach Sinn und Wert des Lebens geht. Schließlich stehen manche Kurzfilme auch insofern in Analogie zur Bibel, als in ihnen von Gott, vom Himmel, von Transzendenz in metaphorischer Bildsprache die Rede ist.
Warum Kurzfilme unterrichtlich besonders geeignet sind
Es ist nicht nur die Kürze, die Kurzfilme als für den alltäglichen Religionsunterricht besonders geeignet erscheinen lässt. Natürlich bieten Kurzfilme auch eine motivierende Abwechslung vom Schulalltag, viel wichtiger ist aber, dass sie an den inzwischen allgegenwärtigen Sehgewohnheiten der Schülerinnen und Schüler anknüpfen, deren Lebenswelt weitgehend von filmischen Medien bestimmt ist. Schließlich steht für die Erschließung und Auseinandersetzung mit Kurzfilmen eine große Bandbreite an produktiven Methoden zur Verfügung, die weit über früher übliche analytische Verfahren hinausgehen. Allerdings gilt auch hier wie beim Medieneinsatz allgemein:Die Methode folgt der didaktischen Funktion! Es ist etwas völlig anderes, einen Kurzfilm als unterrichtseröffnenden Einstieg, als problematisierenden Zwischenruf oder als Mittel der Lernerfolgsüberprüfung einzusetzen.
Ohne dass die unterschiedlichen Methoden hier im Einzelnen erläutert werden könnten...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 34 / 2019

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Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-10
  • Thema: Mensch
  • Autor/in: Hartmut Lenhard