Ilona Kracheletz | Annike Reiß

Geld oder Leben?

Herausfinden, was mir wichtig ist ...
Herausfinden, was mir wichtig ist ..., © reinobjektiv / photocase.com

Ilona Kracheletz | Annike Reiß

Schüler reflektieren Kriterien der Berufswahl

Thematischer Schwerpunkt
Die Planung einer Berufsbörse ist nicht unbedingt ein Betätigungsfeld, das dem schulischen Religionsunterricht zugeordnet wird. Schaut man jedoch genauer hin, muss man feststellen, dass Beruflichkeit sehr wohl ein religionspädagogisches Thema ist: Begriffe wie „Berufsleben, „Traumberuf, „Berufung, „Berufsbiografie deuten die enge Verknüpfung von Leben und beruflicher Arbeit an.
Auf Luther geht ein weit gefasstes Berufsverständnis zurück, demnach jeder Christ seinen „Beruf hat verstanden als Platz, den Gott ihm zugewiesen hat und wo er für den Nächsten tätig wird. So gesehen gehört zum Beruf die Erwerbsarbeit ebenso dazu wie die sogenannte „Familienarbeit bzw. Kindererziehung. Es geht also um die Berufung „vocatio zu einem christlichen Leben, verwurzelt im weltlichen Alltag.
Mit dem Aufkommen der Industriegesellschaft hat der Berufsgedanke an Relevanz verloren, aus dem Beruf ist oftmals ein „Job geworden. Eine aktuelle EKD-Denkschrift arbeitet demgegenüber wieder den Zusammenhang von Beruf und protestantischer Tradition heraus, zumal die Industriearbeit nicht mehr dominierend für die (westliche) Berufswelt ist. Demnach gelte es, eine Identifikation mit der eigenen Arbeit anzustreben sowie ihrer Sinnhaftigkeit nachzuspüren, was insbesondere über kooperative Elemente der Arbeit gelingen kann.
Die Kirchenrätin Andrea Wagner-Pinggéra, die auch im vorliegenden Beitrag zu Wort kommt, nennt Jeremia als biblisches Beispiel für eine Berufung, als ein Mensch, der eigentlich andere berufliche Pläne hatte und überraschend von Gott berufen wird und der dieser Berufung unter widrigen Umständen nachgeht.
Auf dieser Grundlage vermag die Idee einzuleuchten, berufliche Planungs- und Entscheidungsprozesse (auch) religionspädagogisch zu verantworten. Im Religionsunterricht können die Dimensionen von Beruflichkeit reflektiert werden, die die übrigen Schulfächer eher nicht im Blick haben: Wozu fühle ich mich berufen? Wer oder was beruft mich dazu? Was verleiht meiner Arbeit einen Sinn? Vor wem habe ich meine Arbeit zu verantworten? Wie gehe ich mit Widerständen in der Ausübung meines Berufs um? Und schließlich: Berufliche Zufriedenheit trägt maßgeblich zu der Einschätzung bei, ein „erfülltes Leben zu führen. Dabei gehört es zur Dynamik menschlichen Lebens dazu, dass sich die Kriterien beruflicher Zufriedenheit verändern können und von daher der wiederholenden Überprüfung bedürfen.
Lernsituation
Jugendliche in den Klassenstufen 9 und 10 stehen vor den ersten relevanten beruflichen Entscheidungen, die seit Längerem weit über die schlichte Alternative „Ausbildung oder Studium hinausgehen. Eine Vielzahl an Verknüpfungen von schulischer und betrieblicher Ausbildung ist ebenso denkbar wie die Entscheidung für ein FSJ oder ein Jahrespraktikum oder aber der Weg wird in Richtung Abitur mit anschließendem Studium fortgesetzt. Das Spektrum der beruflichen Möglichkeiten ist jedoch nicht nur hinsichtlich der Ausbildungswege groß; die Berufswelt erfährt auch eine Erweiterung bezüglich der beruflichen Tätigkeitsfelder aufgrund von zunehmender Komplexität und veränderter gesellschaftlicher Anforderungen. Junge Menschen stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, sich in diesem komplexen Gefüge zu orientieren, um sich für einen Weg nämlich ihren eigenen Weg entscheiden zu können. Dabei benötigen sie Unterstützungsangebote in Form von Informationen über Ausbildungswege und Berufsbilder ebenso wie Anregungen, sich der eigenen Begabungen, Interessen und Fertigkeiten bewusst zu werden.
Das Kennenlernen von Menschen, deren Berufsbiografien nicht geradlinig verlaufen sind, kann Jugendlichen die Sorge vor der beruflichen Entscheidung nehmen, da sie sie nicht als endgültig, sondern als veränderbar auffassen können.
Im Rahmen der hier vorzustellenden Unterrichtseinheit wurde eine Gruppe von 15-jährigen Schülerinnen und...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 35 / 2019

Zukunft – Wohin geht die Reise

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