Paula Nowak, Timo Versemann

From #hateSpeech to #hopeSpeech

NetzTeufel
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Paula Nowak, Timo Versemann

Jugendliche im Umgang mit Online-Hass stärken

„Hass wird mehr geklickt, aber Liebe hält länger1 sagt der Rapper Eko Fresh zum Thema Hate Speech im Netz. 91 Prozent der Jugendlichen nutzen täglich Internetdienste, wobei der größte Anteil im Bereich Kommunikation via Messengerdienste (z.B. WhatsApp) und Social Media (z.B. Instagram)2 liegt. Diese Kommunikationswege beinhalten wie im analogen Leben auch Herausforderungen. Hassrede im Netz greift oft analoge Macht- und Diskriminierungsstrukturen auf. „Zwei Drittel sind () mit Hass im Netz konfrontiert worden.3 Wie macht man Jugendliche dafür fit? Welche Handlungsoptionen gibt man ihnen an die Hand? Der Artikel gibt Einblick in pädagogische Ansätze, die den Hass im Netz als Phänomen ernstnehmen und dennoch mit einem positiven Blick auf digitale Lebenswelten schauen. Es geht darum, das Netz als verantwortungsvollen Gestaltungsraum ernstzunehmen.

Hate Speech und toxische Narrative
Das Projekt NetzTeufel der Evangelischen Akademie zu Berlin hatte den Auftrag, aus christlicher Perspektive Hate Speech zu analysieren, Handlungsansätze zu entwickeln und die Ergebnisse für Bildungskontexte aufzuarbeiten. Eine klare Definition, was Hate Speech ist, wo sie anfängt und aufhört, gibt es allerdings nicht. Einen Versuch der Definition hat der Europarat bereits im Jahr 1997 formuliert. Demnach sind Hate Speech „[] alle Ausdrucksformen, die Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder andere Formen auf Intoleranz beruhendem Hass verbreiten, dazu anstiften, sie fördern oder rechtfertigen []4. Hier wird deutlich, dass es inhaltlich um Diskriminierung aufgrund der (scheinbaren) Zugehörigkeit zu einer Gruppe geht. Überspitzt kann gesagt werden, dass die Aussage „Ich hasse Dich nach dieser Definition gar kein Hate Speech ist. Es geht nicht um die Emotion Hass, sondern um die damit verbundene Verachtung, die auch im scheinbar gesitteten Ton auftreten kann.
Das Projekt NetzTeufel hat mit einer Social-Media-Analyse im Jahr 2017 Kommentare auf christlichen Facebookseiten analysiert, um herauszufinden, welche erzählerischen Elemente gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Namen des christlichen Glaubens vermittelt. Die Erzählelemente in den Kommentaren fügen sich zu Erzählungen zusammen, die die Diskussionskultur auf den Seiten zerstören bzw. vergiften. Unter dem Begriff „toxische Narrative finden sich die Ergebnisse auf der Projektseite5. Das verbindende Element ist das Heraufbeschwören von Angstbildern, die bis zur Endzeitstimmung reichen. Inhaltlich geht es um vermeintliche Bedrohungen durch den „Genderwahnsinn, „Wirtschaftsflüchtlinge und „den Islam. Dieser Artikel bezieht sich vor allem auf die untersuchten Debatten im Netz im Kontext der 2017 eingeführten „Ehe für Alle. Die analysierte Netzkommunikation ist geprägt von Erzählungen, die sich gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen richten. Diesen Narrativen liegt die diskriminierende Behauptung zu Grunde, die göttliche Ordnung sei durch sexuelle Minderheiten und „linke Ideologie bedroht. Die eigene sexuelle Identität wird als Norm und überlegen aufgewertet, wobei Lebens- und Liebesformen, die von einer vermeintlichen Norm abweichen, als Angriff auf die eigene Gestaltung von Sexualität und Familie gewertet werden.
From #hateSpeech to #hopeSpeech
Wenn das inhaltliche Problem der vergiftenden Kommunikation nicht zentral in der Emotion Hass, sondern im Schüren von Ängsten liegt, sollte eine Antwort darauf mehr sein, als ein digitaler Appell zur Versöhnung. Mit dem Kunstbegriff #hopeSpeech findet der Offline-Workshop6 Ansätze, die Hate Speech ursächlich begegnen und dabei mehr sind als reine Gegenrede an der Oberfläche. Die christliche Hoffnungs-Vorstellung durchzieht die biblischen Schriften u.a. mit dem immer wiederkehrenden Ausruf „Fürchtet euch nicht. In ihm wird der Begriff Hoffnung nicht zu einem blinden Vertrauen, sondern zur ermächtigenden Botschaft der...

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 3 / 2020

Digitalisierung im RU

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 8-13
  • Thema: Mensch
  • Autor/in: Paula Nowak / Timo Versemann