hartmut lenhard

Die andere Backe hinhalten? (Mt 5,39)So ein Unsinn … oder doch nicht?

Bildimpuls für spontane Äußerungen der Schülerinnen und Schüler
Bildimpuls für spontane Äußerungen der Schülerinnen und Schüler, Foto: © Hartmut Lenhard

hartmut lenhard

Thematischer Schwerpunkt
Der thematische Schwerpunkt wird im Beitrag „Wie du mir, so ich dir? (Jgst. 5/6) näher erläutert. In dieser Unterrichtsreihe liegt der Schwerpunkt altersgemäß auf der Dynamik und Funktionsweise des Gewaltzirkels, der durch eine sich ständig aufheizende Eskalation bestimmt ist. Wie dieser Zirkel durchbrochen werden kann und ob dabei die Weisungen Jesu in Mt 5,39ff. hilfreich sein können, steht thematisch im Mittelpunkt.
Lernsituation
Die Lernsituation der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8 hat sich im Vergleich zu den Klassen 5 und  6 (siehe die Hinweise dort) insofern verschärft, als mit der pubertären Phase Gewalt und Gewaltverhalten deutlich markanter in Erscheinung treten. Diese Phase ist einerseits durch Identitätsprobleme gekennzeichnet, die besonders bei Jungen auch um die Fragen der eigenen Stärke, (pseudo-)maskuliner Härte, Körperkraft, aber auch um Macht und Einfluss kreisen. Das übliche Imponiergehabe in der Peergroup äußert sich andererseits in „Hahnenkämpfen, Rivalitäten, Revierverhalten und Rangstreitigkeiten, die zuweilen auch unterschiedliche Formen von verbaler, psychischer und körperlicher Gewalttätigkeit annehmen kann. Wer in der Gruppe als besonders cool gilt, wird als Anführer aner-kannt, er gibt den Ton an und ihm ordnet man sich unter. Nicht selten nutzen Jugendliche auch ihr Smartphone, um gewalttätige Szenen aufzunehmen oder weiterzugeben.
Welchen Einfluss martialische Computerspiele auf die Psyche und das Verhalten von Jugendlichen haben, ist umstritten (vgl. Rubrik Tellerrand). Es spricht vieles dafür, dass kontinuierliche und extensive Spielleidenschaft nicht spurlos an ihnen vorübergeht, sondern Einfluss auf ihr eigenes Gewaltverhalten und den Umgang mit anderen hat.
Wie Kinder im Alter von 10, 11 Jahren, aber intensiver als diese, werden Jugendliche Zeugen globalisierter Konflikte, die mit unbeschreiblicher Gewalt einhergehen und medial in Echtzeit oder in zeitlicher kurzer Distanz präsentiert werden. Dazu trägt auch Neugier und Sensationslust bei, die dazu verführt, sich im Internet entsprechende Realsituationen etwa aus kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und im Irak anzuschauen.
In jeder Situation stellen sich ethisch relevante Fragen wie: Was nehme ich als Gewalt wahr? Wo fängt Gewalt an, wohin führt sie? Soll ich mich wehren, zurückschlagen, wenn ich angegriffen werde? Soll ich mitmachen oder eingreifen? Warum greife ich selbst zur Gewalt und wem gegenüber wende ich sie an?
Darüber hinaus geht es in diesen Jahrgangsstufen darum, dass die Schülerinnen und Schüler Einsicht erhalten in die Wirkungsweise eskalierender gewalttätiger Verhaltensweisen, die in einen sich selbst verstärkenden Kreislauf münden. Ob und inwiefern die Weisung Jesu ge-eignet ist, diesen Zirkel zu durchbrechen, und welche kreativen Verhaltensweisen dies möglich machen, ist die spezifische Fragestellung des Religionsunterrichts.
Anforderungssituation
Die Unterrichtsreihe basiert auf einer fiktiven, aber durchaus realistischen, Situation in einer Schulklasse. Ausgehend von einem Szenario ein neuer Mitschüler trägt ein Medaillon mit der furchteinflößenden Aufschrift „Expect no mercy , beschäftigt sich die Lerngruppe intensiv mit der Frage, wie mit dieser Drohgebärde umzugehen ist.1
Lernarrangement
1. Unterrichtsschritt:
Expect no mercy
Die Situationsbeschreibung (M  1 ) wird zunächst bis zu folgender Stelle vorgelesen: „Medaillon, das an einer langen Kette vor der Brust des Neuen hängt. An dieser Stelle wird das Foto des Medaillons projiziert (M2 , s. Abb.1 ) und eine kurze Spontanphase eröffnet. Die Jugendlichen äußern Vermutungen, wie das Medaillon auf die Lerngruppe wirken wird, wie die Geschichte weitergehen könnte und wie sie sich verhalten würden. Allerdings sollte diese Phase nicht in ein systematisches Unterrichtsgespräch münden, das die Arbeitsanregungen von M1 vorwegnimmt.
Anschließ...

Friedrich+ Religion

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Religion

Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 34 / 2019

Hilft nur Gewalt?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 7-8