Anne-Friederike Gehling | Imke Heidemann

„Das wünsch‘ ich sehr!“

Hoffnung auf wundersame Erfüllung
Hoffnung auf wundersame Erfüllung, © wetwater / photocase.com

Anne-Friederike Gehling | Imke Heidemann

Das Bewegende am Wünschen entdecken

Thematischer Schwerpunkt
Wohin geht die Reise sowohl gesellschaftlich als auch individuell? Zu dieser Frage lässt sich ein angemessener Zugang für den Doppeljahrgang 5/6 über das Wünschen finden. Religionsdidaktisch ist, neben der Frage nach dem Wesen und der Bedeutung der Wünsche und den Prozess des Wünschens, auch die Frage nach der Form ihrer Formulierung, nach dem Adressaten und letztlich der Erfüllbarkeit relevant. Ihre Thematisierung eröffnet einen ästhetischen, reflexiven und auch ethischen Lernprozess. Denn das Fragen nach den eigenen Lebenswünschen und damit verbundenen Hoffnungen weist auf Missstände hin und kann zum Handeln bewegen. Didaktischer Aufhänger dieser Sequenz ist der in zwischenmenschlichen Beziehungen und Begegnungen aller Art und jeder Orts oft zu hörende oder zu lesende Spruch „Wir sind hier nicht bei ‚Wünsch Dir was, sondern bei ‚So isses!. Die dem Spruch innewohnende, oft keck formulierte Haltung lässt bei genauem Hinhören aufhorchen und kann dazu herausfordern, etwas dagegenzuhalten, das Wünschen nicht als Naivität und Rea-litätsferne stehen zu lassen.
Der in diesem Beitrag dargestellte Lernweg möchte die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, sich nach einem Spontanurteil begründet zu dieser Aussage zu positionieren und das dem Wünschen inhärente Hoffnungs- sowie Aktionspoten-zial zu entdecken. Im Zentrum steht dabei das Lied „Wünsche der Gruppe Pur, das eine dem Inhalt sowie den Lernvoraussetzungen angemessene Erarbeitungsgrundlage bietet und eine Brücke zu der religiösen und ethischen Dimension des Wünschens schlägt. Sprachlich nimmt es zahlreiche religiöse Bilder z.B. aus Psalm 23 auf und enthält gesellschaftskritische Denkanstöße, die ein Anbahnen einer christlichen Haltung ermöglicht: ein kritisches Wahrnehmen der Welt, ein Artikulieren von Wünschen sowie ein Handeln im Vertrauen und Hoffen Grundsäulen für einen ermutigenden Blick auf die Zukunft.
Lernsituation
Der Zeitpunkt, zu dem Schülerinnen und Schüler dieses Alters tatsächlich aufgefordert sind, ihre Wünsche zu formulieren, ist vor allem die Weihnachtszeit. Auf Wunschzetteln teilen sie in der Regel ihre individuellen sowie materiellen Wünsche mit. Diese Wünsche sollten ernst genommen, darüber hinaus aber ein erweiterter Blick auf weitere Arten, Qualitäten und Ziele gerichtet werden. Das Motiv des Wünschens und dessen oftmals wundersame Erfüllung begegnen ihnen darüber hinaus häufig in aktueller Kinder- und Jugend-literatur und in Märchen. In diesem fiktiven Rahmen lassen sich die Kinder problemlos auf Gedankenspiele rund um Wunschmaschinen, Feen oder besondere Begabungen ein.
Angesichts einer brüchigen Welt und einer überall vernehmbaren negativen Sicht auf die Zukunft, mag die Haltung des Wünschens mit Blick auf Immaterielles jedoch in der realen Welt nahezu naiv wirken. Im Sinne eines stärkenden, die Sprachfähigkeit der Lernenden fördernden Religionsunterrichts bietet es sich an, das Wünschen als religiöse Haltung neu zu entdecken, dem Artikulieren von Wünschen im Religionsunterricht Raum zu geben und das bewegende, aktive Moment des Handelns der Resignation entgegenzusetzen.
Anforderungssituation
Als didaktischer Rahmen der Sequenz dient eine jedes Jahr wiederkehrende Situation der Vorweihnachtszeit: das Besorgen von kleinen Geschenken für Familienmitglieder und Freunde. So stellt sich bei einem Einkaufsbummel zwei Kindern die Frage, ob nicht der Button mit dem Engel und dem Spruch: „Wir sind hier nicht bei ‚Wünsch dir was! sondern bei ‚So isses!‘“ (s. M1 ) ein gutes Geschenk für die Mutter sei. Diese Ausgangsfrage fordert zu einem eigenen Spontanurteil heraus und stößt ein Verstehen sowie Hinterfragen dieses Ausspruchs an. Am Ende der Sequenz wird die Situation auf Grundlage des Lernweges erneut und somit differenzierter bewertet.
Lernarrangement
1. Lernschritt
„Wir sind hier nicht bei ‚Wünsch dir...

Friedrich+ Religion

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 35 / 2019

Zukunft – Wohin geht die Reise

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 5-6