KatHrin S. Kürzinger

Das Bild meiner selbst

Bildkarten
Bildkarten, © Körber-Stiftung / David Ausserhofer

KatHrin S. Kürzinger

Selbstinszenierung und Identitätsfindung

Selfies bieten als aktuelles mediales Phänomen eine neue Form der Auseinandersetzung mit der eigenen Identität: Auf bildlicher Ebene werden diverse Rollen sowie das eigene Ich und insbesondere der eigene Körper nicht selten gendertypisch inszeniert. Auf Selfies tritt das Subjekt ähnlich wie vor einem Spiegel  – sich selbst gegenüber und wird so gleichzeitig sowohl zum Akteur als auch Betrachter der eigenen Identität. Analog zum oftmals kritischen Blick in den Spiegel, gibt das Selfie als moderne und jederzeit verfügbare Form des Selbstporträts Anlass, über das eigene Ich nachzudenken sowie darüber, wie man sich selbst sieht und ggf. auch möchte, dass einen andere sehen. Der nachfolgende Beitrag thematisiert dieses Phänomen für die Sekundarstufe II.

Insbesondere technische Spielereien, wie Wahl des Ausschnitts, Filter und Optionen der Nachbearbeitung, bieten gezielte Möglichkeiten zur Inszenierung der eigenen Identität. Selfies und Selbstporträts gewähren daher einen idealen Zugang zu Identitätsarbeit für Jugendliche. Da es sich bei Selfies und auf Social Network Sites gepostete Selbstporträts um von Jugendlichen selbst gefertigte Medienprodukte handelt, erscheint es lohnend, diese als medialen Selbst-Ausdruck der Jugendlichen auch religionspädagogisch fruchtbar zu machen.
Selfies ermöglichen es Jugendlichen, probeweise in diverse Rollen zu schlüpfen und diese zu testen: Passt das zu mir? Fühle ich mich darin als Ich? Im Sinne eines role taking geht es darum, sich selbst in verschiedenen Rollen zu versuchen und unmittelbar die Reaktion der Umwelt in Form von Clicks, Likes und Kommentaren zu erhalten.
Angesichts der Pluralisierung von Lebensformen sind Identitäts- und Sinnfindung immer häufiger Aufgabe jedes Einzelnen. Statt wie früher eher in vorgefertigte Rollen hineinzuwachsen, stehen Heranwachsende heute vor einer unübersichtlichen Vielzahl an Möglichkeiten, die zur Auswahl und Entscheidung aufruft. Gleichzeitig gilt die Entwicklung einer eigenen Identität als lebenslanger Prozess, der auch im Erwachsenenalter noch nicht abgeschlossen ist. Prinzipiell wird Identität heutzutage weniger als etwas Stabiles oder Einheitliches, sondern vielmehr als etwas Wandelbares, Dynamisches oder  – nach Henning Luther als Fragmentarisches gesehen. Dabei ist es Luther zu verdanken, dass das Fragmentarische von Identität positiv in Anschlag gebracht wird und als wesentliches Kennzeichen christlicher Identität gilt: So versteht Luther das Streben nach Perfektion und Ganzheit in Bezug auf Identität als Sünde, wohingegen die Akzeptanz des Unvollkommenen und Fragmentarischen christliche Identität auszeichnet.
Hinsichtlich der Genderthematik sind v.a. die reproduzierenden Geschlechter-stereotype auf Selfies auffallend: Inszenieren sich Mädchen und junge Frauen als hübsch und sexy in Flirt- und Modelposen, findet man bei Jungen und jungen Männern eher Do-it-yourself-Posen oder Körperinszenierungen, die Stärke und Macht demonstrieren. Insofern laden Selfies zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Schönheitsidealen und Perfektionsstreben ein. Problematisch erscheint daran weniger der Wunsch, sich selbst gut getroffen auf Selfies zu inszenieren, sondern der Druck zur stets optimierten Selbstdarstellung, der davon ausgehen kann. Die immer gleichen typischen Geschlechterposen wirken dabei stark heteronormativ und letztlich limitierend.
Unterrichtsbausteine
Baustein 1: Selfies als Selbstbildnisse Identität auf Selfies
Baustein 1: Selfies als Selbstbildnisse Identität auf Selfies, 1 Doppelstunde
Einstieg
Die SuS scrollen in EA in ihren Smartphones oder auf ihren Facebook-Accounts durch ihre Selfies bzw. fotographischen Selbstporträts und bearbeiten folgende Fragen: Entdecken Sie eine Art Muster bzw. persönliche Vorlieben für bestimmte Selfie-Posen? Welchen Eindruck erhielte jemand, der Sie nicht persönlich kennt, anhand Ihrer...

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 2 / 2018

Auf der Suche nach Sinn

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13