Katharina Kraus

Unheimlich schön!

Bin ich schön?
Bin ich schön?, © giuletta73/photocase.com

Katharina Kraus Bärbel Husmann

„Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Diese biblische Einsicht macht Schönheit zu einem begehrten Gut, unabhängig von Alter, Bildung oder Geschlecht, und zu einem Dauerthema unzähliger Romane und Sachbücher. Die folgende Auswahl stellt einige davon vor.

Jugendbücher
Katharina Weiß: Schön!? Jugendliche erzählen von Körpern, Idealen und Problemzonen. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 2011. 22013. ASIN: B01A0XLVW2.
E-Book € 6,99.
„Eine Frau guckt bei der neuen Freundin des Ex ja nie zuerst auf deren Schulbildung oder Charakter. Da werden sofort Gesicht und Körper abgescannt, man vergleicht sich mit ihr und lässt sich von dem Gedanken runterziehen, dass sie hübscher ist.
Der Stil der Interviewgeschichten, der die Jugendsprache dokumentieren will, ist gewöhnungsbedürftig und die Frage, ob dokumentarisch sauber gearbeitet wurde, wie es suggeriert wird, lässt sich nicht leicht beantworten. Das Entscheidende aber ist: die Autorin lässt in ihren Geschichten Jugendliche über sich selbst sprechen. Über ihre Vorstellung von Schönheit, ihr Verhältnis zu ihrem Körper, ihre Wünsche und Sehnsüchte. Und diese Stimmen sind stark.
Katharina Weiß hat mit Teenagern und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 23 Jahren gesprochen und deren Geschichten gesammelt. In Schön!? sind 25 dieser persönlichen Erzählungen auf 234 Seiten zusammengetragen. Weiß, Jahrgang 1994, war beim Erscheinen des Buches selbst noch Schülerin. Vielleicht ist es gerade das Selbstvertrauen der jungen Autorin, das Gleichaltrige dazu bewegt, sich zu öffnen und sich ohne Beschönigungen zu äußern. Laut Vorwort hat sie mit „Fashionfreaks, Tattoomädchen, Paradiesvögeln und unscheinbaren Erscheinungen, Narzissten und Komplexbeladenen, BMI-Fetischisten und leidenschaftlichen Essern gesprochen. Damit ist die Auswahl vielstimmig. Die Jugendlichen gehören unterschiedlichen Subkulturen an, unterscheiden sich außerdem in ihren Hobbys, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft und Hautfarbe. Neben den Äußerungen von Jungmodeln, Jungdesignern und Balletttänzern geht der Blick des durchschnittlichen Mädchens, des normalen Jungen von nebenan allerdings ein wenig unter. Aus heutiger Perspektive fällt auf, dass Menschen mit Beeinträchtigungen nicht zu Wort kommen.
Besonders reflektiert scheint Julias Geschichte. Julia ist die Älteste der Interviewten und blickt bereits mit einem gewissen Abstand auf ihre Entwicklung und auf die vermeintlichen Erwartungen, die das andere Geschlecht als Jugendliche an sie stellte: „Aber so ab einem Alter von zwölf bis 25 ist es vor allem für schöne Jungs wichtig, dass ihre Freundin perfekt ist. Deswegen wäre ich damals nie ungeschminkt rausgegangen. Wenn ich verschlafen hatte und es einfach nicht mehr schaffte, mich zu stylen, ging ich einfach nicht in die Schule. Im Gespräch bekennt sie sich erstmals offen zu ihrer Bulimie. Diese und andere Geschichten laden ein, sich mit den ganz persönlichen Beweggründen für ein bestimmtes, vielleicht gefährliches Körperbild auseinanderzusetzen.
Eine Erzählung eines Jugendlichen geht selten über zehn Seiten hinaus. Manchmal sind die Geschichten an der Grenze zu Stereotypen, sind in ihren oberflächlichen Äußerungen nur schwer auszuhalten. Man hat das Bedürfnis, Stellung zu nehmen. Darin liegt der Reiz, dieses Buch im Unterricht einzusetzen: Jugendliche erzählen. Jugendliche lesen und reagieren. Dass bereits knapp zehn Jahre zwischen Erzählen und Lesen liegen, fällt dabei kaum ins Gewicht. Da die Geschichten nicht fiktiv scheinen, setzen sich die Jugendlichen unmittelbar in Beziehung mit dem bzw. der Interviewten. Die Fülle an Berichten ermöglicht es, dass sich jeder Schüler und jede Schülerin der Klasse mit einer Lebensgeschichte beschäftigen könnte. Aber auch ausgewählte kurze Abschnitte regen zur Diskussion in der Klasse an.
An Provokationen und kleinen Wahrheiten mangelt es in Schön!? jedenfalls nicht.
Stefanie Höfler: Tanz der Tiefseequalle....

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 40 / 2020

Schön und gut?

Friedrich+ Kennzeichnung Rezension Schuljahr 5-10