Harmjan Dam

Was macht die Kirche mit ihrem Geld?

Das deutsche Kirchensteuersystem - weltweit einzigartig!
Das deutsche Kirchensteuersystem - weltweit einzigartig!, © iStock / ollo

Harmjan Dam

Eine Auseinandersetzung anhand von Zahlen und Fakten

Thematischer Schwerpunkt
Mehr denn je gilt heutzutage: „Geld regiert die Welt. Weil die Kirche Teil dieser Welt ist, spielt Geld auch hier unweigerlich eine Rolle. Dennoch ist der Umgang der Kirche mit Geld nicht so einfach. Zum deutschen Kirchensteuersystem gibt es sowohl kritische Stimmen als auch Argumente, die dafür sprechen. Hier ist es gut, einen sachlichen Blick auf die Fakten zu werfen, da die Debatte oft von Vorurteilen und Interessen geprägt ist.
Zunächst muss festgestellt werden, dass die finanzielle Seite der Großinstitution Kirche mit dem herkömmlichen „Klingelbeutel nicht mehr viel zu tun hat. Die sonntägliche Kollekte für bestimmte caritative Zwecke hat hier eher einen symbolischen Wert. Kritisch wird dann angeführt, dass die Kirche zum modernen Dienstleistungsunternehmen geworden ist, das sich in der Organisationsform und im Management manchmal kaum von weltlichen Organisationen unterscheidet. So hat etwa die Rheinische Landeskirche Finanzexperten angestellt, die mit den kirchlichen Geldern gewirtschaftet und diese in dubiose Aktien angelegt haben. Weil sie sich verzockten, führten die großen Verluste zu harten Sparmaßnahmen. Medial wirksam war der katholische Bischof von Limburg, der seinen Bischofssitz luxuriös renovieren ließ und sich wie der Vorstandsvorsitzende einer Großbank benahm. Sogar in Zeitungen in Brasilien wurde über den „Bling-Bling-Bishop berichtet.
Hier fragen Kritiker, ob für die Kirche nicht insbesondere die Warnung Jesu gilt, dass man nicht Gott und dem Geld dienen könne (Mt 6,24). Hat Jesus nicht, als er seine Jünger wegschickte, um in den Dörfern das Evangelium zu verkünden, gesagt, dass sie nicht viel mitnehmen sollten: keine zwei Hemden, nur ein paar Sandalen? Von diesem Ideal ist die Kirche öfters weit entfernt, auch wenn die innerkirchliche Kritik (wie z.B. bei Franz von Assisi) irritiert und zu Verbesserungen geführt hat.
In der deutschen Debatte über Kirche und Geld muss aber bedacht werden, dass die evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland zu den reichsten weltweit gehören. Das Kirchensteueraufkommen beider Kirchen betrug im Jahr 2016 11,6 Milliarden Euro. Dabei liegt der Kirchensteuersatz fast überall bei 9% der Einkommensteuer, das ist ca. 1% des Bruttolohns. Die Kirchen sind der größte private Arbeitgeber, haben einen großen Immobilienbesitz (oft denkmalgeschützt), viele Grundstücke und viel Vermögen.
Durch kirchennahe Banken und eine ethisch verantwortete Anlagepolitik ist kirchliches Geld auch ein Mittel, um „das Evangelium auf den Finanzmärkten präsent zu halten, so die evangelische Theologin Karin Bassler vom „Arbeitskreis kirchliche Investoren.
Die kirchlichen Einrichtungen „Diakonisches Werk und „Caritas nehmen wichtige gesellschaftliche Aufgaben wahr: Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Altenheime, Behinderteneinrichtungen, Beratungsstellen usw. Sie stehen dabei zwar in scharfer Konkurrenz zu anderen Anbietern im sozialen Bereich, aber durch dieses soziale Engagement genießt die Kirche ein großes Ansehen in der Gesellschaft. Die staatlichen Mittel, mit denen diese Einrichtungen refinanziert werden, decken nur teilweise die faktischen Kosten. Die Gehälter von hunderttausenden Mitarbeitern, die Rücklagen für Pensionen, die Verpflichtungen im Krankheitsfall, ein Finanzvolumen für Investitionen, arbeitsrechtliche Auflagen und Verpflichtungen usw. benötigen ein zeitgemäßes Management von gut ausgebildeten Betriebswirtschaftlern.
Diese großen gesellschaftlichen Leistungen hängen unmittelbar mit dem deutschen Kirchensteuersystem zusammen, das weltweit einzigartig ist. Das System ist einmalig, weil es direkt zurückgreift auf die enge Bindung von Kirche und Staat, die in Deutschland in modifizierter Form bis heute nachwirkt. Fast überall in Europa wurde nach der Französischen Revolution die direkte Bindung zwischen Kirche und Staat aufgelöst und die...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 30 / 2018

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