Hartmut Lenhard

Kirche und Politik – igitt?

Diskussion unterschiedlicher Standpunkte im Rollenspiel
Diskussion unterschiedlicher Standpunkte im Rollenspiel, © iStock.com / FatCamera

Hartmut Lenhard

Kirche bezieht Position

Thematischer Schwerpunkt
Das Verhältnis von Kirche und Politik in einem demokratischen Staat ist nicht nur ein Dauerbrenner im gesellschaftlichen Diskurs, sondern auch innerhalb der theologischen Selbstreflexion der Kirche. Zwischen den Polen „Religion ist Privatsache bzw. „Kirche soll sich nicht in die Politik einmischen und „Kirche ist nur Kirche, wenn sie politisch ist suchen Theologie und Kirche Wege, um zu einem ausbalancierten Verhältnis zu finden. Dass dies im Einzelfall außerordentlich schwierig ist, liegt auf der Hand, denn in der Kirche selbst werden höchst unterschiedliche politische Optionen vertreten und in der Theologie reicht die Spannbreite der Ansätze ebenfalls von einer „Politischen Theologie etwa im Sinne der Befreiungstheologie bis zu Konzepten, die sich auf die Beziehung des Einzelnen zu Gott beschränken. Für letztere steht die Rechtfertigung des Sünders als Grundlage für ein befreites Handeln im Sinne der Nächstenliebe im Mittelpunkt. Einigkeit besteht zumindest darin, dass die Kirche eine gesellschaftliche Institution ist, die bestimmte ethische Positionen vertritt und diese auch in einem demokratischen Gemeinwesen zur Geltung bringen kann und soll.
Eine aktuelle Herausforderung für Kirche und Theologie ist die Etablierung der Partei Alternative für Deutschland, die als drittstärkste Partei im Bundestag vertreten ist. Ihre Wähler stammen auch aus Kirchengemeinden; zudem gibt es eine Gruppe „Christen in der AfD, die sich in einer Grundsatzerklärung profiliert hat. Eindeutig vertritt die Partei eine deutsche Leitkultur, der sich alles und jeder unterzuordnen hat. Eine Reihe ihrer Vertreter und Vertreterinnen haben sich inzwischen mit rassistischen, islam- und fremdenfeindlichen sowie antisemitischen Provokationen zu Wort gemeldet, sodass führende Amtsträger wie der Berliner Bischof Dröge oder Kardinal Reinhard Marx sich energisch von der AfD distanzieren. Insbesondere im Blick auf die Flüchtlings- und Asylpolitik sind keine Gemeinsamkeiten zwischen den Kirchen und der AfD erkennbar.
Durch die beträchtlichen Erfolge in Landtagswahlen und der Bundestagswahl 2017 verschärft sich das Problem. Denn nun sind Vertreterinnen und Vertreter der Partei Repräsentanten des demokratischen Systems und seiner Organe und genießen prinzipiell dieselben Rechte wie andere Parlamentarier. Wie sich die Partei in diesem System positionieren wird, welche Strömungen sich in ihr durchsetzen werden, in welche Richtung sie dieses System zu verändern suchen wird und ob sie damit Erfolg haben wird, ist noch nicht absehbar. Deutlich ist hingegen, dass die Existenz der AfD für die christlichen Kirchen eine Herausforderung darstellt, der sie begegnen müssen.
Lernsituation
Die Schülerinnen und Schüler einer Jahrgangsstufe 10 sind durchaus interessiert daran, die politische Meinungsbildung zu verfolgen und für sich selbst politisch Position zu beziehen. Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl 2017 wurden etwa Jugendwahlen in vielen Schulen durchgeführt, bei denen die Grünen rund 17% der Stimmen erhielten, die AfD immerhin noch 7% (in Sachsen und Thüringen 15%). Was es mit dieser Partei auf sich hat und wie sie sich weiter entwickeln wird, dürfte daher die Jugendlichen bewegen.
Im Religionsunterricht kann am Beispiel der AfD das Verhältnis von Kirche und Politik grundsätzlich in den Blick genommen werden. Diese zentrale theologisch-ethische Problematik vor allem in theoretischer Perspektive bleibt zwar der Oberstufe vorbehalten (Zwei-Reiche-Lehre, Freiheitsverständnis Luthers, Bonhoeffers Ansatz, politische Theologie), aber am Ende der Sekundarstufe I können bereits leitende Kriterien für ein politisches Handeln der Kirche erarbeitet werden.
Es ist damit zu rechnen, dass sich je nach Lerngruppe kontroverse Diskussionen entwickeln werden. Verfehlt wäre es allerdings, würde die Lehrperson versuchen, eine einlinige Beurteilung zu forcieren. Hier gilt...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 30 / 2018

Wofür ist die Kirche gut?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 9-10