Dirk Alpermann

Im Namen des Herrn unterwegs

Taufe eines Babys im Gottesdienst
Taufe eines Babys im Gottesdienst, Foto: © imago/epd

Dirk Alpermann

Zum Bild von Pfarrerinnen und Pfarrern im Fernsehen

Thematischer Schwerpunkt
Unterhaltungsformate mit Pfarrerinnen und (immer noch überwiegend) Pfarrern zählen zu den beliebten Genres der Fernsehunterhaltung. Als Vorabendserie eher leichtfüßig und amüsant („Herzensbrecher ), als Spielfilm zur Hauptsendezeit auch problemorientiert und konflikthaft („Im Zweifel, ARD 2016) gehören sie zu den Berufen, die eine Erkennbarkeit besitzen und sich als Haftpunkt für die Konstruktion kurzweiliger oder spannender Handlungen eignen.
Dabei wird das evangelische Pfarrhaus längst nicht mehr ausschließlich von der turbulenten Kleinfamilie (einschließlich Opa und emeritiertem Vorgänger in: „O Gott, Herr Pfarrer) bevölkert, es ist längst zur Heimat diverser Patchwork-Konstellationen („Herzensbrecher) mutiert.
Katholische Pfarrer bzw. Priester bilden, aus medialer Sicht, eine eigene Spezies und repräsentieren mit Soutane oder Priesterkragen einen Typus des Amtsträgers, der nicht nur für evangelische Christen schwer vermittelbar ist, sondern auch innerhalb der katholischen Kirche umstritten sein dürfte. Priester übernehmen im Fernsehen, anders als ihre evangelischen Kollegen, oft die Rolle von Ermittlern bei der Aufklärung von Verbrechen.
Sendeformate mit Pfarrerinnen und Pfarrern im Mittelpunkt dienen der Unterhaltung und unterliegen der Quote. Ihre Protagonisten agieren als Sympathieträger, die diverse Ent- und Verwicklungen stellvertretend erleben und für die Zuschauer als Projektionsflächen bzw. Identifikationsfiguren eigener Wünsche und Erfahrungen dienen. Im Idealfall entwickelt sich daraus eine Bindung, die bei TV-Serien für die Dauer der Ausstrahlung währt und durch die Quote auch unmittelbar über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Hier unterliegen TV-Formate mit kirchlicher Story den gleichen kommerziellen Gesetzen wie jede andere Geschichte im Krankenhaus-, Gerichts- oder Polizeimilieu.
Für den vorliegenden Unterrichtsentwurf können die vorhandenen Sendeformate nach folgenden Kriterien unterschieden werden. (Auf eine detaillierte Systematik und Typologie wird an dieser Stelle verzichtet, s. dazu die Analysen bei Adler, 2003/2010, und Tiemann, 2017).
  • Pfarrerinnen und Pfarrer als Hauptpersonen einer filmischen Handlung, in der sie als Teil eines Beziehungs- und Problemgeflechts agieren.
  • Pfarrerinnen und Pfarrer als filmische Staffage im Rahmen einer kirchlichen Amtshandlung (hier ist das pastorale Personal überwiegend männlich!).
  • Pfarrerinnen und Pfarrer als Gegenstand von Satire und Parodie (auch hier eignet sich der Pfarrer als Haftpunkt diverser Klischees offenbar besser als Witzfigur).
  • Pfarrerinnen und Pfarrer, die ihren Ver-kündigungsauftrag im Rahmen kirchlicher Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (Gottesdienstübertragungen, Wort zum Sonntag) ausüben.
Lernsituation
Die Gesetze der Unterhaltung (Personalisierung, Überzeichnung) gehen bei Fernsehpfarrern zu Lasten der Vielschichtigkeit des Originals. Wo die Kirche überwiegend durch Amtsträger agiert, wird eine Hierarchisierung suggeriert, die dem evangelischen Kirchenverständnis und der gemeindlichen Wirklichkeit widerspricht. Auch der Berufsalltag eines Pfarrers bzw. einer Pfarrerin kommt dabei zu kurz. So entwickeln sich Zerrbilder, durch die im ungünstigen Fall das Medium zur Folie für die Wahrnehmung der Pfarrerin oder des Pfarrers vor Ort wird. Diese Diskrepanz ist zu erkennen und kritisch zu reflektieren. Auf diese Weise ist die Behandlung des medialen Pfarrerbildes ein wichtiger Aspekt beim Unterrichtsthema Kirche.
Die implizite Medienkritik des vorliegenden Konzepts berücksichtigt dabei, dass sich die Mediennutzung in der Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen innerhalb weniger Jahre gravierend verändert hat. Das Internet hat dem Fernsehen als Unterhaltungs- und Informationsmedium längst den Rang abgelaufen, weil es eine fast unendliche Programmvielfalt bietet, die unabhängig von Ort und...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 30 / 2018

Wofür ist die Kirche gut?

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