Uwe Hauser

Franz von Assisi

Älteste bekannte Darstellung des Heiligen Franz. Fresko, 1228, St. Gregoriuskapelle des Sacro Speco (Kloster S. Benedetto) in Subiaco
Älteste bekannte Darstellung des Heiligen Franz. Fresko, 1228, St. Gregoriuskapelle des Sacro Speco (Kloster S. Benedetto) in Subiaco , © akg images

Uwe Hauser

Imitatio Christi Auf den Spuren Jesu

Franz stammt aus Umbrien, dem Herzen Italiens. Eine reiche und gesegnete Landschaft, die sich im 12. Jahrhundert aufgrund einer schnell wachsenden Bevölkerung und eines blühenden Fernhandels rasch verändert. Die städt-ischen Zentren entwickeln sich zu Orten, in denen reiche Adelige, die es aufgrund ihres großen Grundbesitzes zu Einfluss und Macht gebracht haben, einer aufstrebenden Schicht von erfolgreichen Kaufleuten häufig feindlich gegenüberstehen. Wer war dieser Mann, der einen solch weitreichenden Einfluss entwickelte?

Weitgehend von Wohlstand und Mitsprache ausgeschlossen, erlebt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die aus Kleinbauern, einfachen Handwerkern und vielen Tagelöhnern besteht, täglich ihre Ohnmacht. In den Städten kommen noch die Armen hinzu, die vom Landbesitz ausgeschlossen sind: Chronisch Kranke, Bettler und Vaganten. Frauen und Kinder spielen eine völlig untergeordnete Rolle. Immer wieder kommt es aufgrund der starken sozialen Differenzen zu Unruhen und Aufständen, die aber zu keiner nachhaltigen Veränderung der Zustände führen.
Ungeachtet aller sozialen Spannungen richten sich die reichen Kaufleute an den ritterlichen Idealen des Adels ihrer Zeit aus. Den sozialen Aufstieg, der für ihn in einer guten militärischen Ausrüstung, höfischen Manieren, einer verfeinerten Minnekultur besteht, will auch der erfolgreiche junge Kaufmann Giovanni, genannt Francesco aus dem Hause Bernadone erreichen. Auch wenn sich aus den legendarischen Lebensbeschreibungen seiner späteren franziskanischen Ordensbrüder keine schlüssige und historisch exakte Biografie ablesen lässt1, scheint doch so viel sicher zu sein, dass Francesco sich intensiv bemüht, nach der Art der „Cavaliere zu leben. Er nimmt Ende 1202 mit der Streitmacht seiner Heimatstadt Assisi an einem Gefecht bei Collestrada gegen die Nachbarstadt Perugia teil. Er überlebt, da er für einen Adeligen gehalten wird, wird eingekerkert und erst ein starkes Jahr später als kranker und innerlich erschütterter Mensch aufgrund der Lösegeldzahlung seines Vaters freigelassen. Die Folgen seiner Gefangenschaft treten bald zutage: Seine bisherige Lebensdeutung und -planung haben während der Gefangenschaft Risse bekommen: „Franz begann nun Dinge zu denken, die dem Gewohnten unähnlich waren,2 vermerkt ein späterer Deuter seines Lebens. Dennoch will er 1204 wieder in den Krieg nach Apulien zielen, ermutigt durch ein Traumgesicht, das ihm ein Haus voller Waffen als seine Zukunft zeigt. Aber eine Gottesbegegnung, die später legendarisch ähnlich der Bekehrung des Apostels Saulus zum Paulus stilisiert wird, hält ihn zurück: „Wer kann dir Besseres geben? Der Herr oder der Knecht? „Der Herr! „Warum dienst du dem Knecht statt dem Herrn? „Was willst du Herr, das ich tun soll? „Kehre zurück in deine Heimat, denn ich will dein Gesicht in geistlicher Weise erfüllen.3. Das Leben des Franz beginnt sich zu ändern. Auch wenn die legendarischen Deutungen es schwer machen, einen genauen Ablauf der Gründungsphase der franziskanischen Bewegung zu erheben, schälen sich doch einige ihrer Kennzeichen klar heraus, die stark an Überlieferungsschichten der Evangelien erinnert, deren Träger G. Theißen als „Jesusbewegung4 charakterisiert hat.
Die Armut: keine Almosen, sondern geteiltes Leben
Franz begegnet auf seinen Handlungsreisen Leprosen, die in eigenen Hospitälern außerhalb der Stadt Assisi dahinvegetieren. Die städtischen Reichen pflegen dem Gebot der Nächstenliebe dadurch nachzukommen, dass sie durch Dritte Almosen an die Kranken übergeben lassen. Franz begegnet ihnen Auge in Auge. Er steigt im wahrsten Sinne des Wortes von seinem hohen Ross herab, auf dem er gerade vorüberreitet, und drückt einem Leprosen mit eigenen Händen ein Almosen in die Hand, lässt sich die Hand küssen, ja empfängt selbst den Friedenskuss. In seinem sogenannten Testament beschreibt er dies als unmittelbares Wirken Christi: „...

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 4 / 2020

Franziskus von Assisi

Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund & Konzept Schuljahr 1-13