Stefan Hermann

Da geht doch (noch) was!

„Macht hoch die Tür …“–in vielen Klassenzimmern werden wieder Adventslieder gesungen. Welchen Stellenwert haben Schulgottesdienste? © Birgit_Winter | pixelio.de
„Macht hoch die Tür …“–in vielen Klassenzimmern werden wieder Adventslieder gesungen. Welchen Stellenwert haben Schulgottesdienste? © Birgit_Winter | pixelio.de, © Birgit_Winter | pixelio.de

Stefan Hermann

Schulgottesdienste in einer pluralistischen Gesellschaft

Gottesdienst und Schule (wie) passt das zusammen, zumal angesichts einer zunehmend weltanschaulich und religiös unterschiedlich geprägten Schülerschaft? Was ist eigentlich das Spezifikum eines Gottesdienstes und ist dieses und damit der Begriff des Gottesdienstes auf eine christlich geprägte liturgische Feier begrenzt? Diesen und weiteren Fragen wird im Folgenden nachgegangen.

Die Zahl der (An-)Fragen an die klassischen Modelle des Schulgottesdienstes häufen sich und die Begriffsverwirrungen im Blick auf Schulgottesdienste und Schulfeiern für Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Kontexten1 nehmen zu. Nicht zuletzt wird das Thema „Religion in Schulen zunehmend als Tabu betrachtet, da zwischenreligiöse Spannungen befürchtet werden, die den Schulfrieden gefährden könnten. Die Tradition der Schulgottesdienste ist mitten in den gesellschaftlichen Diskurs im konstruktiven Umgang mit weltaschaulicher und religiöser Pluralität geraten Grund genug, in gebotener Kürze zunächst auf die geschichtlichen Rahmenbedingungen einzugehen, anschließend das christliche Verständnis von Gottesdienst zu klären und dann verschiedene Formen liturgisch-religiöser Feiern in der Schule aufzuzeigen.
Mehr als „nur Geschichte Gottesdienst und Schule
Beim Thema „Schulgottesdienst treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite ist die liturgische Feier des Gottesdienstes seit Bestehen des Christentums ein entscheidendes Markenzeichen von Identität und Unterscheidung2. Damit ist der Begriff des Gottesdienstes von Anfang an jenseits eines synonymen weiten Verständnisses als „Religion oder „Kult und über eine allgemeine begriffliche Füllung von „wahrem oder falschen Gottesdienst des Lebens klar als liturgische Feier an einem bestimmten Tag mit einem ebenso bestimmten Inhalt3 gefüllt. Der fast zweitausendjährigen, wenn auch nicht unveränderten und alles andere als einlinigen Tradition des christlichen Genus „Gottesdienst4 steht auf der anderen Seite die lange, fast ebenso bewegte, Tradition der Schule gegenüber, die zu jeder Zeit ein Spiegel der jeweiligen Gesellschaft war und ist. Die jeweilige Form und Gestalt von Schulgottesdiensten spiegelt in der spätestens in den Klosterschulen beginnenden und bis heute anhaltenden Tradition5 das jeweilige Verhältnis von Schule bzw. Gesellschaft/Staat und Kirche und dessen (verfassungs)rechtliche Konstitution.
Die Entwicklung des öffentlichen Schulwesens wurde maßgeblich durch kirchliche Initiativen vorangetrieben. Nach einer jahrhundertelangen engen (und nicht immer heilvollen) Verwobenheit von Kirche und Schule kam es, beginnend mit den revolutionären Bewegungen um 1848, spätestens mit der Weimarer Reichsverfassung und der Einführung des Grundgesetzes, zu einer weitgehenden Eigenständigkeit des öffentlichen Schulwesens. Grundrechtlich wurde die Zuordnung von Staat und Religion neu geregelt: Ermöglichung öffentlicher Religionsausübung (positive Religionsfreiheit), aber kein Zwang dazu (negative Religionsfreiheit). Die Neuordnung führte auch hinsichtlich des Schulwesens zu besonderen Bestimmungen im Blick auf die Verantwortung öffentlicher religiöser Bildung. Staatlicherseits gilt eine weltanschauungs- bzw. religionenfreundliche bzw. „hinkende Trennung von Staat und Kirche bei „fördernde[r] Neutralität des Staates gegenüber Weltanschauung und Religion6. Diese lässt sich aus kirchlicher Perspektive in die Formel fassen: „Die Kirche ist zu einem freien Dienst an einer freien Schule bereit.7
Während kein Unterrichtsfach der öffentlichen Schulen einer so hohen verfassungsrechtlichen Absicherung obliegt wie der konfessionell verantwortete Religionsunterricht und dessen inhaltliche Verantwortung durch die Religionsgemeinschaften, ist die Frage der Legitimität christlich verantworteter Schulgottesdienste weit weniger festgelegt. Nicht zuletzt...

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 4 / 2017

Schulgottesdienste

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13