Laura Philipp

Angesichts von Konfessionslosigkeit von und über Gott reden

Welche Angebote kann Kirche Jugendlichen machen?
Welche Angebote kann Kirche Jugendlichen machen?, Foto: © Zoonar GmbH–/–Alamy Stock Foto

Laura Philipp

(Nicht-)Religiöse Positionen verstehen lernen und dialogfähig werden

Thematischer Schwerpunkt
Diverse Studien verdeutlichen seit einigen Jahrzehnten den zunehmenden kirchlichen Traditionsabbruch innerhalb unserer Gesellschaft: Gut ein Drittel der Deutschen gehört keiner Religionsgemeinschaft an, Kirchenmitgliedszahlen sinken, die Inanspruchnahme kirchlicher Kasualien geht zurück. Dieser häufig in westlichen säkularisierten Gesellschaften zu beobachtende Trend stellt die Plausibilität von Religionen, spezifischer die von Religionsgemeinschaften, sowie ebenfalls die des konfessionellen Religionsunterrichtes, zunehmend infrage. Die Gruppe derer, die keiner Religionsgemeinschaft (mehr) angehören, lässt sich jedoch nicht pauschal als „gottesfern oder atheistisch beschreiben. Die Gründe, keiner Religionsgemeinschaft anzugehören, sind durchaus vielschichtig: Kritik an der Institution Kirche, Zahlen von Kirchensteuern, Rückgang religiöser Sozialisation und die damit häufig verbundene religiöse Indifferenz, individuelle Religiosität etc.
Der Schwerpunkt dieser Unterrichtseinheit liegt demnach auf der Frage, wie es möglich ist, angesichts von Konfessionslosigkeit und Kirchenferne von Gott zu reden; den Glauben an Gott vor diesem Hintergrund zu artikulieren und auch, wie ein Gottesglaube vor dem Hintergrund einer unspezifischen Religiosität aussehen könnte.
Lernsituation
Diese skizzierte gesellschaftliche Debatte betrifft auch Schülerinnen und Schüler durch den Familien- und Freundeskreis, die Medien u.a. in ihrem alltäglichen Umfeld und löst Entscheidungssituationen aus: Lasse ich mich konfirmieren und/oder (später) kirchlich trauen? Wähle ich konfessionellen Religionsunterricht oder das Fach Ethik? Ist die Institution Kirche noch zeitgemäß? Wie kann ich vor dem Hintergrund einer zunehmenden kirchendistanzierten Gesellschaft zu meinem Christsein stehen? Wie ist es möglich, meine Fragen zum Glauben sowie zu Gott zu stellen und darüber mit Menschen unterschiedlicher Überzeugung ins Gespräch zu kommen?
Die Fragen verdeutlichen auch die Heterogenität, die innerhalb der Schülerschaft in einem Religionskurs zustande kommt: kirchlich sozialisiert, religiös, aber nicht kirchlich sozialisiert, freikirchlich sozialisiert, weder religiös noch kirchlich sozialisiert Weltanschauliche Heterogenität und unterschiedliche (nicht-)religiöse Sozialisationen von Schülerinnen und Schülern prägen oftmals das Bild des evangelischen Religionsunterrichtes. Dies gilt es im Unterricht wahrzunehmen, Inhalte sind so auszuwählen, dass jeder Einzelne mit seinen Überzeugungen und Prägungen berücksichtigt wird. Neben dem interreligiösen Lernen ist demnach auch die Auseinandersetzung über und mit sogenannten „Konfessionslosen im Religionsunterricht in den Blick zu nehmen. Dabei ist es essenziell, die verschiedenen Typen von Konfessionslosigkeit in ihren Grundzügen aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass Konfessionslosigkeit nicht per se mit Religionslosigkeit einhergeht. Das Verständnis anderer Positionen eröffnet die Möglichkeit, sich daran „abzuarbeiten und über die eigene Glaubensgeschichte sowie -vorstellung ins Gespräch zu kommen.
Anforderungssituation
Während vor einigen Jahren soziale Medien vorrangig zur Vernetzung mit Freunden und Gleichgesinnten genutzt wurden (z.B. Studi/SchülerVZ, Facebook), hat sich das Angebotsspektrum in den letzten Jahren vergrößert und einen grundlegenden Wandel vollzogen: User nehmen die Dienste sozialer Medien nicht ausschließlich aufgrund einer Vernetzung in Anspruch, sondern nutzen sie ebenso als Plattform der Selbstinszenierung sowie als Möglichkeit, geeignete Vorbilder und Lebensstile (z.B. auf Instagram) zu entdecken. Demnach ist davon auszugehen, dass soziale Medien an der Sozialisation von Schülerinnen und Schülern heutzutage einen nicht zu unterschätzenden Beitrag haben.
Jana Highholder, deren YouTube-Kanal und Instagram-Profil1 von der EKD finanziert wird,...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 39 / 2020

Warum an Gott glauben?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10