Michael Beisel

STORM und der verbotene Brief

Kinoplakat „STORM und der verbotene Brief“
Kinoplakat „STORM und der verbotene Brief“, Foto: © farbfilm verleih GmbH

Michael Beisel

Reformation als Filmabenteuer

Im mittelalterlichen Antwerpen zur Zeit der Reformation wird der 12-jährige Storm in ein aufregendes Abenteuer verwickelt, als sein Vater den Auftrag erhält, in seiner Druckerei einen Brief von Martin Luther zu drucken. Der 2016 in den Niederlanden mit Unterstützung der Reformierten gedrehte Spielfilm eignet sich gut, um in Religionslehre Sek. I Luther zu seinem Jubiläum nach den Bildungsplänen in den Unterricht zu bringen.1 Er zeigt anschaulich, spannend und altersgerecht unmittelbare Auswirkungen der Reformation im städtischen Umfeld.

Die Inquisition ist schnell zur Stelle, der Drucker wird auf frischer Tat ertappt und Storms Leben über Nacht auf den Kopf gestellt. Der Junge gerät ins Visier der Häscher und flieht mit der Druckplatte des verbotenen Briefs. In auswegloser Lage lernt er das Waisenmädchen Marieke kennen, das die Kanalisation der Hafenstadt ihr Zuhause nennt. Im Wettlauf gegen die Zeit versuchen die beiden, Storms Vater vor dem Scheiterhaufen zu bewahren. Mitbangen, ob die beiden den Vater retten und den Brief veröffentlichen können, ein zarter erster Kuss
Potenzial für den Unterricht
Kinder am Ende der Grundschule bis in die ersten Jahre von Sek. I werden mitgehen, für sie hat der Historienfilm eine Menge Identifikationspotenzial. Die Lebensverhältnisse in der niederländischen Stadt, im Übergang zur Neuzeit tatsächlich ein europäisches Zentrum des Druckgewerbes, werden ihnen anschaulich und historisch authentisch nahe gebracht. Das ist eine keineswegs heile Welt, sondern eine, in der sie einiges an Elend, Unrecht, Verfolgung, Verrat und Verlust sehen. Wem kann Storm trauen? Was als abenteuerliche Flucht (viele Verfolgungsszenen in düsteren Gassen und nassen Kanälen) beginnt, wird zu einem Kampf um die Freiheit, in dem die Kinder die Helden bleiben.
Von der Freiheit mit roten Ohren lesen
Der Religionsunterricht findet seine Bildungsplaninhalte hinreichend unterstützt, wenn auch nicht eins zu eins: Der Film hält sich aus der Perspektive der Wirkung der Reformation in städtischen Bevölkerungsgruppen vorrangig an das Motiv der Befreiung von Unterdrückung und des Kampfs gegen Unrecht und Ausbeutung. Dass das ihre Schülerinnen und Schüler in den inneren Glaubenszusammenhang der reformatorischen Entdeckung Luthers bringen, der „Rechtfertigung allein aus Gnade in Christus ohne Werke des Gesetzes, bleibt Aufgabe der Lehrkraft. Dabei ist bezeichnend, dass weder die Bibelübersetzung noch die 95 Thesen, sondern ein Brief Luthers als Katalysator der Veränderung die Handlung bestimmt. Das gab damals „allen lieben Menschen in Antwerpen (Anrede im Lutherbrief) eine persönliche Beziehung zum Reformator und hilft Kindern heute beim emotionalen Verstehen der Aufbruchsbewegung. In der Tat sind Briefe Luthers in die Niederlande (an Einzelpersonen wie den Antwerpener Prior Jacobus Probst, späterer Reformator Bremens2, als tröstend-aufrichtender regionaler Rundbrief, aber auch als Warnung vor gefährlichen schwärmerischen Entwicklungen) bezeugt aus dramaturgischen Gründen mag man dem Film nachsehen, dass er nicht einen speziellen davon buchstabengetreu wiedergibt (und auch der handlungsauslösende Prolog des Films mit Luthers Abschicken des Briefes gerade noch rechtzeitig vor dem Eintreffen Bewaffneter mit seiner Orts- und Jahresangabe geschichtlich kaum einzuordnen ist). Wie der junge Storm auch noch Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen (1520) quasi heimlich unter der Bettdecke liest, lässt büchersozialisierte Erwachsene dann doch schmunzeln (für rote Ohren braucht es erfahrungsgemäß mehr ) es bietet aber immerhin einen unterrichtlichen Anlass, schon Sek.I-Schüler und -Schülerinnen an die dialektische Logik der beiden Setzungen Luthers zur „Freiheit eines Christenmenschen wenigstens mal heranzuführen.
Gute Medien böse Medien?
Den Film zeichnet ein ausgesprochenes Medialitätsbewusstsein aus, was evangelischen...

Friedrich+ Religion

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 2 / 2017

Kreuzestheologie

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-7