Michael Beisel

Kirche des Lichts

Tadao Ando: Church of the Light, 1988-89, Osaka, Japan (Foto: Sira Anamwong, shutterstock.com)
Tadao Ando: Church of the Light, 1988-89, Osaka, Japan (Foto: Sira Anamwong, shutterstock.com), Foto © : Sira Anamwong | shutterstock.com

Michael Beisel

Das Kreuz als Mittel der Raumgestaltung

Das Kreuz hat als konzentriertes menschheitliches Symbol eine Bedeutung weit über das Christentum hinaus. Das zeigt sich, wenn der preisgekrönte japanische Architekt Tadao Ando (*1941) eine Kirche baut.

Ando ist erklärtermaßen kein Christ und kann mühelos Shinto- und Teehaus-Traditionen in sein Bauwerk einbringen. Seine „Kirche des Lichts1 steht seit 1989 in einem Vorort von Osaka, beauftragt von der japanisch-protestantischen United Church of Christ. Sie bleibt zwar zentral durch das Kennzeichen des Nazarenerglaubens bestimmt das Kreuz ist aber in Licht verwandelt. Die Aussparung in der schlichten Betonwand zieht die Konzentration auf sich. Nichts lenkt durch die Außenwelt ab, der Raum bleibt im vorderen Teil sonst fensterlos. Die Gemeinde ist durch das Kreuz vereint. Sie soll es auch bei geschlossenen Lidern vor Augen haben, so erklärt Tadao Ando seine Absicht2. Erleuchtung und Erkenntnis findet der Autodidakt mit ungewöhnlicher Laufbahn als Ziel in allen Religionen. Er erzwingt mit seinem schlichten und strengen Betonbau Kontemplation und Stille im urban-geschäftigen Japan von heute. Gott offenbart sich im kreuzgeformten und mit den Tageszeiten wechselnden Licht, damit vereint der gar nicht sehr große 113 m3-Gebetsraum Natur (Blick nach draußen) und menschlichen Geist (die auf ansteigenden Sitzreihen nach vorn ausgerichtete betende Gemeinde). Seinen historischen Ursprung als Schandmal menschlicher Gewalt und Unterdrückung (im Kontext skandalösen Justizirrtums der römischen Besatzungsmacht) verlassend ist dieses Kreuz nicht mehr ohne Licht und Leben der Auferstehung des Gottessohnes zu erleben und zu meditieren. Im Sek. II-Unterricht3 auch als präsentationsgeeigneter Einzelbeitrag zum Nachdenken über die Kreuzestheologie geeignet, gerne in Kooperation mit dem Fach Bildende Kunst und idealerweise mithilfe der in Schulen verbreiteten „Meisterwerke der Kunst-Mappen4.
(mit freundlicher Unterstützung durch Sönke Maier, Kunstpädagoge)
Literatur
2im Videoclip des Goethe-Instituts https://youtu.be/VovWMWL99Yg, 23.06.2015, 02:16min
3z.B. 4std., REV GY „3.5.4 Jesus Christus, TK 3: „sich mit der Rezeption der Gestalt und Botschaft Jesu Christi (zum Beispiel in Kunst, anderen Religionen) auseinandersetzen, mögl. Fachbegriffe: „Auferstehung; Kreuzestheologie, http://bildungsplaene-bw.de/Lde/Startseite/BP2016BW_ALLG/BP2016BW_ALLG_GYM_REV_IK_11-12-4s_04_00
4Nr. 8 in der Mappe 55/2007 „Begegnung mit anderen Kulturen, beziehbar über den Neckar-Verlag, auf S. 11 des Beihefts mit Grundriss der Kirche die Erläuterungen von Sönke Maier, Gymnasiallehrer für Bildende Kunst, vgl. auch Wikipedia-Art. „Ibaraki Kasugaoka Kyōkai https://de.wikipedia.org/wiki/Ibaraki_Kasugaoka_Kyokai

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 2 / 2017

Kreuzestheologie

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13