Fateme Rahmati | Dunja el Missiri

Jesus im islamisch-theologischen Verständnis

Foto: © Victor Moussa

Fateme Rahmati | Dunja el Missiri

In allen Schulbüchern für den Islamischen Religionsunterricht ist Jesus Thema. Die Darstellungen Jesu hängen mit dem islamisch-theologischen Verständnis zusammen. Dieses wird nachstehend kurz dargestellt.
Jesus im Koran
Jesus heißt im Koran ʿĪsā (der Rettende). Er wird häufiger als Sohn Marias (ʿĪsā Ibn Maryam) benannt, um auch seine irdische Herkunft als ein Geschöpf Gottes zu betonen. Die jungfräuliche vaterlose Geburt als unbefleckte Empfängnis (21:91)1 ist ein Zeichen (āya) für die Barmherzigkeit (raḥma) an die Menschen (19:21). Sie ist auch aus islamischer Sicht ein Wunder. Die Geburt Jesu wird Maria, die durch Gottes Wort auserwählt (3:42) ist, von Gabriel verkündet (19:17). Jesus ist Wort Gottes (kalimat allāh) als das Ergebnis seines schöpferischen Aktes (4:171; 3:45), entstanden durch das Wort „Sei! (3:47). Diese Sichtweise hat nichts gemein mit der christlich-johanneischen Aussage, nach der Christus der präexistente ewige Logos Gottes ist.
Weitere Namen, die auch Eigenschaften Jesu kennzeichnen und über die er im Koran selbst Auskunft gibt, sind: Diener Gottes (ʿabd allāh) (19:30, 4:172, 43:59), Segen-vermittelnder bzw. gesegnet-seiend (mubārak) (19:31) und angesehen-seiend (wadjīh). Ein weiterer seiner Beinamen ist Messias (al-masīḥ) (4:171), der auf seine Rolle im jüngsten Gericht in Anlehnung an die jüdische Überlieferung hinweist (s. Abb. ). Jesus ist Gesandter (rasūl) (4:171, auch 5:75, 61:6) und Prophet (nabī) (19:30).
Neben diesen Namen und Eigenschaften Jesu lässt sich im Hinblick auf seine Taten und seine Botschaft Folgendes festhalten: Jesus vollbringt aus islamischer Sicht Wunder (bayyināt). So kann er bereits in der Wiege mit der Autorität eines Erwachsenen sprechen. Der Koran führt Wunder Jesu, wie die Heilung von blinden und aussätzigen Menschen, die Totenerweckung (3:35-59), die Belebung eines aus Lehm geformten Vogels oder den auf Bitten der Jünger (ḥawāriyyūn) vom Himmel kommenden gedeckten Tisch als Beweis (āya) seiner Mission (5:110) an. Ebenso ist im Koran zu lesen, dass die Botschaft Jesu eine Bestätigung der Thora ist und eine Erleichterung des jüdischen Ritualgesetzes beinhaltet (3:35-59). Darüber hinaus findet man in der Jesusüberlieferung wichtige Gebote: das Gebet, die Almosen, den Gewaltverzicht und auch die Gehorsamspflicht gegenüber den Eltern.
Die Bedeutung von Jesus für Muslime
Jesus spricht den Segen über sich selbst aus und erwähnt, dass er einst auferstehen werde (19:16-33). Nach islamischer Vorstellung wird Jesus nicht gekreuzigt, sondern einer, der ihm entweder nur ähnlich war, oder es schien den Juden nur so, als hätten sie ihn gekreuzigt. Die direkte Entsendung Jesu in den Himmel, ohne dass er zuvor verstarb, diente seinem Schutz vor den Ungläubigen. Eine Auferstehung Jesu, wie im Christentum, ist islamisch-theologisch nicht möglich, da Jesus lebendig von Gott abberufen wurde und schließlich am Ende der Tage wiederkehren wird, um Zeugnis über die Christen und sein Werk abzulegen (4:156-159). In den Hadithen heißt es, Jesus werde am Jüngsten Tag vom Himmel entsandt und erscheinen. Aus islamischer Sicht offenbart sich in Jesus eine rein monotheistische Botschaft (43:64), er ist nicht Sohn Gottes. Jesus kann nicht Mensch und Gott zugleich sein. Auch ist Gott über jede Ähnlichkeit und Vergleichbarkeit mit menschlichen Eigenschaften erhaben (112:1-4).
Für Muslime hat Jesus eine herausragende Stellung (2:136) durch seine vaterlose Geburt. Er ist auserwählt, und es ist die Pflicht an ihn und seine Botschaft, sowie an alle Gottesgesandten zu glauben. Für die islamische Theologie ist Jesus nicht nur dadurch von Bedeutung, weil er in die Reihe der Gottesgesandten gehört, sondern weil durch ihn die Ankunft des letzten Propheten Muhammads ankündigt wird (61:6). Die grundlegenden Unterschiede zum Christentum liegen in der Ablehnung der Christologie und der Gottessohnschaft Jesu (9:30, 5:116, 5:72).
Anmerkung
1Die...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 33 / 2019

Wer ist Jesus für mich?

Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-10