Hartmut Lenhard

Wohnt hier Gott?

Foto: © vadim.nefedov

Hartmut Lenhard

Auf der Suche nach Orten der Begegnung von Gott und Menschen

Thematischer Schwerpunkt
Im Zentrum der Unterrichtseihe steht die theologisch zentrale Frage nach der Gegenwart Gottes. In der hebräischen Bibel zeigt sich Gott an bestimmten Orten, die dann oft auch einen besonderen Namen erhalten wie z.B. Bethel (Gen 12), El-Roi (Gen 22) oder Peniel (Gen 32). JHWH ist jedoch an diese Stätten nicht gebunden, sondern ist ein Gott, der mitgeht. Zeichen seiner Präsenz ist die Stiftshütte (hebr. mischkan), ein tragbares Heiligtum, dessen Bau nach der Erzählung in Ex 25,8 auf Gottes Anordnung selbst zurückgeht: „Und sie sollen mir ein Heiligtum errichten, und ich werde in ihrer Mitte wohnen. Der Kern der Stiftshütte ist die Bundeslade mit den 10 Weisungen; sie ist der eigentliche Garant der Gegenwart Gottes. Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten, Weisungen und dauernde Präsenz Gottes gehören zusammen (vgl. Ex 29, 44ff.).
Das Motiv der Wohnung Gottes bei seinem Volk durchzieht die gesamte Bibel, wird aber immer wieder durchkreuzt durch den Hinweis, dass Gott als der Schöpfer der Welt im Himmel thront. Auch als nach den biblischen Erzählungen die Stiftshütte durch den Bau des ersten Tempels abgelöst und Gott damit „stationär wird, bleibt die Gegenwart Gottes letztlich unverfügbar: Sein „Name ist im Tempel präsent und wird dort angerufen, aber Gott erhört die Gebete an seinem „Wohnsitz im Himmel (1 Kön 6,29f.). Bereits in der Gründungsurkunde des Tempels wird die Gegenwart Gottes abhängig gemacht von dem Befolgen der Gebote (1 Kön 6,11-13). Jeremia führt die Zerstörung des ersten Tempels im Jahre 586 darauf zurück, dass das Volk Israel sich der Gegenwart Gottes im Tempel zu sicher war, statt Gerechtigkeit und Zuwendung zu den Armen walten zu lassen. An den Rändern der Hebräischen Bibel scheint die Hoffnung auf, dass Gott sich erneut seinem Volk zuwenden und bei ihm wohnen werde (z.B. Sach 2,14).
Zur Zeit Jesu war der von Herodes dem Großen begonnene zweite Tempel das religiöse Zentrum des jüdischen Lebens. An diesem Ort entfaltete sich der Opferkult, hier in seinem Heiligtum war der unsichtbare Gott Israels gegenwärtig. Umso härter traf das Judentum die Zerstörung des Tempels im Jahr 70.
Auch bei den frühen Christengemeinden löste die Zerstörung des Tempels einen Schock aus, denn sie wurde als Anbruch des Endes der Welt gedeutet (Mk 13). Im Neuen Testament wurde daher die Linie der Hebräischen Bibel wieder aufgenommen, dass Gott nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist. Bei Paulus herrscht der Gedanke vor, dass die Gemeinde selbst, aber auch der einzelne Christ Tempel Gottes ist (1 Kor 3,16; 6,19). Diese theologische Überlegung gewinnt ihre Bedeutung durch den christologischen Spitzensatz Joh 1,14 bzw. Kol 2,9, dass Gott in Jesus Christus gegenwärtig ist. Daraus hat Matthäus die Konsequenz gezogen, dass die Gegenwart Christi in der Gemeinde sich an deren Verhalten zu den Armen, Fremden und Gefangenen entscheidet (Mt 25).
Damit werden letztlich alle Versuche obsolet, Gott an bestimmte Orte zu binden. Es gilt, ihn dort aufzusuchen, wo er sich in der Person Jesu Christi zeigt, bei den Menschen selbst, den „geringsten Brüdern und Schwestern Christi, den Armen, Hungernden, Kranken, Fremden und Gefangenen.
Lernsituation
Kirchen sind der Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Situationen im familiären Kontext, aber auch aus der Grundschule (Gottesdienst zur Einschulung) oder aus dem Religionsunterricht bekannt. Das gilt freilich nicht unbedingt für konfessionslose oder muslimische Schülerinnen und Schüler.
Kirchengebäude erscheinen den Jugendlichen als außergewöhnliche Räume, deren Inventar und Funktion ihnen vielleicht oberflächlich bekannt sind, zu denen sie aber in der Regel sofern sie nicht mit der Kirchengemeinde eng verbunden sind keine besondere Beziehung entwickelt haben. Insbesondere die theologische Frage, was denn ein Kirchengebäude mit Gott...

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Fakten zum Artikel
aus: Religion 5-10 Nr. 30 / 2018

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